Finanzen
Schweizer Crowdfunding-Markt erholt sich und wächst nach drei Jahren Rückgang um 14 Prozent
Der Schweizer Crowdfunding-Markt ist 2025 erstmals seit 2021 wieder gewachsen. Er legte um 14 Prozent auf 629 Millionen Franken zu. Eine Studie der Hochschule Luzern führt die Erholung auf einen starken Anstieg bei der Immobilienfinanzierung und der Kreditvergabe an Unternehmen zurück.

Der Schweizer Crowdfunding-Sektor hat seine Verlustserie endlich beendet und ist 2025 um bemerkenswerte 14 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 629 Millionen Franken gewachsen. Diese entscheidende Wende markiert die erste Wachstumsphase, seit der Markt 2021 mit fast 792 Millionen Franken seinen Höchststand erreicht hatte. Drei lange Jahre lang kämpfte die Branche mit Stagnation und Rückgang, doch die jüngsten Daten der Hochschule Luzern (HSLU) bestätigen, dass die Durststrecke vorbei ist. Anlegerinnen und Anleger investieren wieder Kapital in digitale Plattformen und signalisieren damit neues Vertrauen in das Schweizer Fintech-Ökosystem. Das ist nicht bloss eine geringfügige Korrektur, sondern ein grundlegender Wandel bei der Kapitalverwendung in der Alpenrepublik. Der Markt liegt zwar weiterhin unter seinem historischen Höchststand, doch die Geschwindigkeit der Erholung deutet darauf hin, dass die Dynamik klar zugunsten der digitalen Disruptoren wirkt. Die Zeit des Zögerns ist vorbei und wird durch eine starke Suche nach alternativen Renditen in einer zunehmend komplexen Finanzlandschaft abgelöst.
Immobilien im Wandel: Digitale Plattformen überholen traditionelle Banken
Mittlerweile fliessen 275 Millionen Franken in das Immobilien-Crowdlending, ein Segment, das innerhalb von nur zwölf Monaten um 38 Prozent gewachsen ist. Die Finanzierung von Immobilienprojekten hat sich zum unbestrittenen Schwergewicht der Schweizer Crowdfunding-Szene entwickelt und ist der wichtigste Motor der Markterholung 2025. Crowdlending, die Vermittlung von Krediten über Online-Plattformen, macht inzwischen 75 Prozent des gesamten Marktvolumens aus. Der Anstieg widerspiegelt das grosse Interesse Schweizer Anlegerinnen und Anleger an durch Immobilien abgesicherten Schulden. Sie umgehen traditionelle Institute, um Wohn- und Gewerbeprojekte direkt zu finanzieren. Da Bauträger flexiblere Finanzierungsstrukturen suchen, springen digitale Plattformen in die Lücke, die starre Abteilungen für Unternehmenskredite hinterlassen. Dieser Wandel verändert die Schweizer Skyline, ein digital finanziertes Projekt nach dem anderen. Dass diese Plattformen Hunderte Millionen Franken so schnell mobilisieren können, zeigt eine Agilität, mit der traditionelle Banken kaum Schritt halten können. Dadurch entsteht eine neue Dynamik auf dem heimischen Immobilienmarkt.
Regulatorischer Druck: Weshalb sich Banken aus Risikogeschäften zurückziehen
Strengere Bankvorschriften befeuern den Crowdfunding-Boom ungewollt, da sich traditionelle Kreditgeber aus risikoreicheren Immobilienkrediten zurückziehen. Seit Anfang 2025 müssen Schweizer Banken für risikoreiche Immobilienfinanzierungen deutlich mehr Eigenkapital hinterlegen. Dadurch sind traditionelle Bankkredite teurer und schwieriger zu erhalten. Andreas Dietrich, Leiter der HSLU-Studie, sagt, Crowdlending-Plattformen profitierten am stärksten von dieser regulatorischen Lücke. Werden die Banken vorsichtiger, wächst die «Finanzierungslücke», und digitale Plattformen sind bestens positioniert, um sie zu schliessen. Dieser regulatorische Druck ist ein wichtiger Auslöser: Kreditnehmer wenden sich von den Mahagonischreibtischen an der Zürcher Bahnhofstrasse ab und den schlanken Benutzeroberflächen von Fintech-Start-ups zu. Die Ironie ist offensichtlich: Gerade die Vorschriften, die den Bankensektor stabilisieren sollen, beschleunigen die Verlagerung von Kapital in die weniger regulierte und dynamischere Welt der Online-Kreditvergabe. Das ist keine Nischenalternative mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit für die Schweizer Wirtschaft.
Mehr als Profit: Soziale und kulturelle Finanzierung erlebt eine Renaissance
Nicht nur die grossen Immobiliengeschäfte boomen: Crowdsupporting und Crowddonating sind um 30 Prozent auf 35 Millionen Franken gewachsen. Dieser Sektor, der seit 2020 rückläufig war, erlebt eine deutliche Wiederbelebung, da sich die Schweizer Öffentlichkeit für soziale, gemeinnützige und kulturelle Initiativen einsetzt. Sport- und Gesundheitsprojekte zählen zu den beliebtesten Kategorien. Das zeigt, dass die Schweizer «Crowd» ebenso stark von der Wirkung für die Gemeinschaft wie von finanziellen Erträgen motiviert ist. Beim Crowdsupporting erhalten Unterstützende konkrete Gegenleistungen, etwa Produkte, Dienstleistungen oder besondere Erlebnisse. Beim Crowddonating steht hingegen die reine Wohltätigkeit im Vordergrund. Der Anstieg um 30 Prozent deutet auf einen Wandel der Stimmung im Land hin: Die Bevölkerung nutzt zunehmend digitale Instrumente, um Projekte zu finanzieren, die die Schweizer Kultur und das Wohlbefinden prägen. Ob lokaler Sportverein oder wegweisendes medizinisches Forschungsvorhaben: Die Demokratisierung der Finanzierung ermöglicht es Einzelpersonen, institutionelle Entscheidungsträger zu umgehen und direkt jene Anliegen zu unterstützen, an die sie glauben.
Der Weg zur Milliarde Franken: Was Schweizer Anlegerinnen und Anleger erwartet
Die Entwicklung ist eindeutig: Der Schweizer Crowdfunding-Markt ist wieder auf einem kräftigen Wachstumskurs, und die Marke von einer Milliarde Franken rückt in Sichtweite. Die Erholung 2025 ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines gereiften Ökosystems, das gelernt hat, mit regulatorischen Hürden und wirtschaftlichen Veränderungen umzugehen. Mit zunehmender Transparenz, einem zentralen Ziel des «Crowdfunding Monitor» der HSLU, dürften institutionelle Anlegerinnen und Anleger noch grössere Anteile an diesen Plattformen erwerben. Die Folgen für den Schweizer Finanzplatz sind weitreichend. Wir erleben, wie Crowdfunding dauerhaft in das nationale Finanzgefüge integriert wird. Für die durchschnittliche Schweizerin und den durchschnittlichen Schweizer bedeutet das mehr Möglichkeiten, in lokale Projekte zu investieren: vom Mehrfamilienhaus in der Nachbarschaft bis zum nächsten grossen Schweizer Tech-Start-up. Solange traditionelle Banken durch Eigenkapitalanforderungen eingeschränkt bleiben, wird die «Crowd» weiterhin eine überproportional wichtige Rolle bei der Finanzierung der Zukunft des Landes spielen. Der Aufschwung von 2025 ist erst der Beginn eines neuen, widerstandsfähigeren Kapitels für das Schweizer Fintech.