Wirtschaft
Schweizer Unternehmen zeigen Zurückhaltung bei Investitionen in den US-Markt
Grosse Schweizer Unternehmen verfolgen bei Investitionsmöglichkeiten in den USA eine vorsichtige «Abwarten und Tee trinken»-Haltung. Als Gründe nennen sie wirtschaftliche Unsicherheiten und Bedenken hinsichtlich des Marktes.

Unsicherheit ist derzeit die einzige Währung, die zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten rege gehandelt wird. Grosse Schweizer Unternehmen treten bei Investitionen in den USA auf die Bremse und nehmen eine starre Haltung des «Abwartens und Tee trinkens» ein, womit sie der aggressiven Einladung von Präsident Donald Trump, zu investieren, trotzen. Die drohenden Zölle haben ein Klima des Zögerns geschaffen, das in den Schweizer Verwaltungsräten deutlich spürbar ist.
Rahul Sahgal, Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, bringt den Kern des Problems auf den Punkt: «Die Unternehmen wissen nicht, ob es in den USA zu einer Rezession kommt und ob der amerikanische Markt attraktiv bleibt.» Das ist nicht bloss Vorsicht, sondern ein bewusstes Innehalten. Während die US-Regierung auf einen Kapitalzufluss drängt, weigern sich Schweizer Führungskräfte, sich blind auf einen Markt festzulegen, der mit möglichen wirtschaftlichen Turbulenzen zu kämpfen hat. Die Angst vor einer Rezession wiegt schwerer als die Verlockung steuerlicher Anreize. So liegen in Zürich und Genf potenzielle Investitionen in Milliardenhöhe brach, bis sich der Nebel der Handelskriegsrhetorik lichtet.
Treue zur Produktion: Widerstand gegen den Verlagerungsdruck
Swatch weist den Druck, die Produktion zu verlagern, entschieden zurück und bekräftigt sein Bekenntnis zu Schweizer Tradition. Der Uhrenkonzern hat signalisiert, dass er der Produktion im Inland treu bleiben wird. Für seine Kundinnen und Kunden sei das Label «Swiss Made» unverzichtbar. Zwar werden in den USA neue Verkaufsgeschäfte eröffnet, doch die komplexe Fertigung, die die Marke auszeichnet, wird nicht verlagert, um den US-Handelsforderungen nachzukommen.
Diese Haltung zieht sich durch den Industriesektor. Der Chemiekonzern Clariant, der Liftbauer Schindler und der Spezialist für Zahnimplantate Straumann, die alle bereits über Fabriken in den USA verfügen, haben ausdrücklich erklärt, dass sie keine Pläne haben, ihre Produktionsanlagen auszubauen. Sie halten an ihrer Linie fest. Anders als in anderen Ländern, wo Unternehmen den US-Regulierungsbehörden entgegenkommen, lassen sich diese Schweizer Grossunternehmen nicht beirren. Sie weigern sich, sich in einem Markt zu stark zu engagieren, in dem sich die Spielregeln über Nacht ändern könnten. Die Botschaft ist klar: Schweizer Qualität lässt sich nicht erzwingen.
Unterschiedliche Wege in der Pharmabranche: Die Grossen setzen, andere zögern
Während allgemein Zurückhaltung vorherrscht, hat sich in der Pharmabranche ein deutlicher Riss aufgetan. Die Branchenriesen Roche und Novartis widersetzen sich dem nationalen Trend und kündigen entschlossen neue Investitionen im US-Markt an. Diese Grossunternehmen setzen darauf, dass die Nachfrage im US-Gesundheitswesen länger anhalten wird als vorübergehende Handelsunruhen. Sie verfolgen eine proaktive Strategie und sichern sich Marktanteile, während andere zögern.
Dieses Vertrauen ist jedoch nicht überall verbreitet. Sandoz unternimmt nichts, und Lonza beobachtet die Lage lediglich. Das Unternehmen ist von derselben Unsicherheit gelähmt, die auch die Gesamtwirtschaft erfasst. Abgesehen von den grossen Pharmakonzernen ist die Liste mutiger Investoren ausgesprochen kurz. Nur drei weitere grosse Unternehmen, der Industriekonzern Georg Fischer, der Technologiekonzern ABB und der Dermatologiespezialist Galderma, haben neue Finanzierungen angekündigt. Dieser deutliche Gegensatz macht die Spaltung in der Strategie Schweizer Unternehmen sichtbar: Einige wenige sehen in den Turbulenzen eine Chance, während viele nur Risiken erkennen.
Schutz durch Präsenz: Der Vorteil lokaler Produktion
Für einige Schweizer Grossunternehmen ist die Zolldrohung ein Sturm, auf den sie bereits vorbereitet sind. Der Lebensmittelkonzern Nestlé nimmt eine Sonderstellung ein: Er produziert 90 % der Produkte, die er in den USA verkauft, direkt vor Ort. Diese umfangreiche Präsenz vor Ort bildet einen starken Schutzschild gegen Handelshemmnisse und macht Importzölle für das Kerngeschäft in den USA weitgehend irrelevant. Auch der Aromen- und Riechstoffhersteller Givaudan verfolgt eine konsequente Strategie der lokalen Produktion, um den Markt von innerhalb der USA zu bedienen.
Der Premium-Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli baut seine Präsenz in den USA aus. Das Unternehmen stellt jedoch klar, dass dies auf einem langjährigen Entscheid und nicht auf den jüngsten politischen Veränderungen beruht. Der Logistikkonzern Kühne+Nagel verfolgt einen pragmatischeren, reaktiven Ansatz und richtet seine Präsenz ganz nach der Nachfrage der Kundschaft aus. Diese Unternehmen zeigen: Der beste Schutz vor Unsicherheit im Handel ist nicht das Zögern, sondern eine seit Langem fest verankerte Präsenz in der amerikanischen Wirtschaft.