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Swiss Observer

2025 Rekordzahl von Zulassungen zum Schweizer Zivildienst

Im vergangenen Jahr wurden in der Schweiz mit 7'211 Personen so viele Menschen wie noch nie zum Zivildienst zugelassen. Von den knapp 1,9 Millionen geleisteten Diensttagen entfiel mehr als die Hälfte auf den Sozialbereich, während die Regierung eine Verschärfung des Zugangs prüft.

2025 Rekordzahl von Zulassungen zum Schweizer Zivildienst
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz erlebt einen tiefgreifenden Wandel beim nationalen Dienst. 2025 entschieden sich bemerkenswerte 7'211 junge Männer für den Zivildienst. Damit wurden die bisherigen Rekorde deutlich übertroffen, was auf eine grundlegende Veränderung im Umgang der Schweizerinnen und Schweizer mit der Wehrpflicht hindeutet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem kräftigen Anstieg von 6,1 Prozent und übertrifft den bisherigen Höchstwert von 6'826 aus dem Jahr 2010. Das Bundesamt für Zivildienst bestätigte diese Zahlen am Dienstag und zeichnet damit das Bild eines stark nachgefragten Systems.

Die Zahl der anerkannten Einsatzbetriebe ging zwar leicht um 2,3 Prozent zurück, die Infrastruktur bleibt mit 15'770 garantierten Einsatzplätzen jedoch gut ausgebaut. Wichtig ist, dass der Anstieg nicht zu Chaos geführt hat: Disziplinar- und Straftaten sind tatsächlich zurückgegangen, was auf einen hoch motivierten Jahrgang hindeutet. Dieser beispiellose Zustrom stellt die traditionelle Vormachtstellung der Schweizer Armee infrage und zwingt die Nation zu einer Diskussion über Pflicht, Präferenzen und die Zukunft des Milizsystems.

Sozialbereich auf mehr Zivildienstleistende angewiesen

Im vergangenen Jahr wurden knapp 1,9 Millionen Diensttage geleistet. Dieser Höchststand aller Zeiten unterstreicht, wie stark das soziale Gefüge der Schweiz auf diese Dienstleistenden angewiesen ist. Der Zivildienst ist nicht bloss eine Alternative zum Militärdienst, sondern bringt in grossem Umfang Arbeitskraft in die wichtigsten Bereiche des Landes ein. Mehr als die Hälfte dieser Diensttage, nämlich 50,4 Prozent, entfiel auf den Sozialbereich. Dort leisten die Zivildienstleistenden wichtige Unterstützung für ältere Menschen, besonders verletzliche Personen und Pflegeeinrichtungen, die mit chronischem Personalmangel zu kämpfen haben.

Der Beitrag geht weit über die Sozialbetreuung hinaus. Der Bildungsbereich profitierte von 18,1 Prozent der Diensttage, das Gesundheitswesen beanspruchte 14,8 Prozent. Für Umwelt- und Naturschutzprojekte wurden fast 10 Prozent der Arbeitskraft eingesetzt. Ohne diese grosse Zahl an Zivildienstleistenden würden viele dieser Institutionen unmittelbar vor betrieblichen Krisen stehen. Die Daten zeigen deutlich: Der Zivildienst hat sich von einer Nischenalternative zu einer tragenden Säule des Schweizer Sozialstaats entwickelt.

Regierung will Zustrom eindämmen

Während die Zahlen steigen, leistet die politische Führung entschiedenen Widerstand. Aus Sorge vor einer ausgehöhlten Armee haben der Bundesrat und eine parlamentarische Mehrheit eine Gesetzesverschärfung ausgearbeitet, die den Zugang zum Zivildienst deutlich erschweren soll. Die Argumentation der politischen Rechten ist klar: Armee und Zivilschutz verlieren zu viele potenzielle Rekruten an die zivile Alternative, deshalb müssten die Hürden zum Schutz der personellen Ressourcen für die nationale Sicherheit erhöht werden.

Im vergangenen Herbst wurde dieser gesetzgeberische Gegenschlag konkret: Das Parlament stimmte für eine Verschärfung der Zulassungskriterien. Ziel ist es, die Übertritte von der Armee in den Zivildienst einzudämmen. Dieser Ansatz von oben steht jedoch in direktem Gegensatz zur Realität an der Basis, die sich in den Rekordzulassungen von 2025 zeigt. Die Regierung befindet sich nun in einer heiklen Lage und versucht, ein Programm einzuschränken, das beliebter und wohl stärker in die tägliche Wirtschaft eingebunden ist als je zuvor.

Stimmberechtigte entscheiden über Zukunft des Zivildienstes

Die Fronten für den 14. Juni 2026 sind abgesteckt. Einer von der Zivildienstorganisation Civiva und den Jungen Grünen angeführten Koalition ist es gelungen, ein Referendum zu erzwingen. Damit kommen die restriktiven Massnahmen der Regierung vors Volk. Es geht nicht bloss um einen politischen Streit, sondern um den Fortbestand der Institution, wie wir sie kennen. Gegnerinnen und Gegner der Gesetzesänderung warnen vor katastrophalen Folgen und rechnen damit, dass die Zahl der Zivildienstleistenden bei einer Umsetzung der neuen Hürden um 40 Prozent einbrechen würde.

Ein solcher Rückgang würde Schockwellen durch Spitäler, Schulen und Umweltprojekte senden, die auf jene 1,9 Millionen Diensttage angewiesen sind. Die Stimmberechtigten stehen nun vor einer wichtigen Entscheidung: Sollen sie den traditionellen Personalbedarf der Schweizer Armee priorisieren oder den boomenden Zivildienst schützen, der die soziale Infrastruktur des Landes stützt? Je näher die Abstimmung rückt, desto stärker ist die Spannung zwischen militärischer Tradition und den heutigen gesellschaftlichen Bedürfnissen.