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Swiss Observer

Schweizer Schokoladenbranche in der Krise: Kakaopreise steigen stark

Schweizer Schokoladenhersteller melden stagnierende Verkäufe, während sich die Kakaopreise vervierfachen. Die Branche sieht sich dadurch zu Preiserhöhungen gezwungen.

Schweizer Schokoladenbranche in der Krise: Kakaopreise steigen stark
AISWI swissinfo.ch

Erstaunliche 10 888 Dollar pro Tonne: Auf diesen beispiellosen Höchststand kletterte der Kakaopreis Ende 2024 und stellte damit alle bisherigen Rekorde in den Schatten. Jahrzehntelang konnte die Branche mit Preisen zwischen 2000 und 3000 Dollar gut leben, doch diese Zeiten sind abrupt vorbei. Die Vervierfachung der Rohstoffkosten hat das Schweizer Schokoladenland erschüttert und die Hersteller in eine Lage gebracht, in der Preiserhöhungen keine Option mehr sind, sondern dem Überleben dienen.

Die rasante Preisexplosion hat die Branche schwer getroffen. Schweizer Schokolade ist zwar für ihre Spitzenqualität bekannt, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Produktion werden untragbar, wenn die Mehrkosten nicht an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben werden. Die Hersteller kämpfen nun mit einem volatilen Markt, in dem die Kosten für die wichtigste Zutat alle Prognosen übertroffen haben. Die Zeit stabiler Kakaopreise ist vorbei. An ihre Stelle ist eine unbeständige Realität getreten, die selbst die Margen der etabliertesten Schweizer Schokoladenhersteller bedroht. Im Verlauf des Jahres 2025 machen sich die Kosten nun allmählich auch in den Verkaufsregalen bemerkbar, da die Vorräte an günstigerem Kakao zur Neige gehen.

Exportmotor gerät ins Stocken, weltweite Nachfrage stagniert

In Bern und Zürich läuten die Alarmglocken laut, denn die Schweizer Schokoladenexporte, die Lebensader der Branche, sind nahezu zum Stillstand gekommen. Trotz des weltweiten Renommees der Schweizer Schokolade legten die Exporte im vergangenen Jahr nur um bescheidene 0,2 % zu. Für eine Branche, die 72,1 % ihres Gesamtumsatzes im Ausland erzielt, ist das ein ernstes Problem. Die Stagnation ist nicht bloss ein vorübergehender Rückschlag, sondern ein Warnsignal: Die weltweite Nachfrage nach Schweizer Premium-Schokolade könnte an eine Preisgrenze stossen.

Der Inlandmarkt zeigte sich mit einem Wachstum von 1,7 % zwar leicht widerstandsfähig, doch das reicht bei Weitem nicht aus, um die Flaute im internationalen Handel auszugleichen. Chocosuisse, der Dachverband der Branche, bezeichnete diese Exportzahlen ausdrücklich als «alarmierend». Die Rechnung ist unerbittlich: Wenn fast drei Viertel des Umsatzes vom Export abhängen, kommt ein Nullwachstum faktisch einer Rezession gleich. Die Schweizer Marke ist stark, doch sie prallt derzeit auf eine weltweite Lebenshaltungskostenkrise, in der Luxus-Schokolade leicht von den Einkaufslisten gestrichen werden kann.

Trügerischer Umsatz: Preise steigen, Absatz stagniert

Auf den ersten Blick wirkt ein Umsatzsprung von 13,3 % auf 2,2 Milliarden Franken wie eine Erfolgsgeschichte. Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine trügerische Realität. Das Umsatzwachstum ist nicht auf eine stark steigende Beliebtheit zurückzuführen, sondern auf die Inflation. Die tatsächlich verkaufte Schokoladenmenge bewegte sich kaum und stieg lediglich um vernachlässigbare 0,6 % auf 209 096 Tonnen. Diese Diskrepanz zwischen stark steigendem Umsatz und stagnierendem Volumen zeigt, dass die Branche für die gleiche Produktmenge schlicht mehr verlangt.

Die Konsumentinnen und Konsumenten zahlen nun den Preis für die Rohstoffkrise. Nachdem die Hersteller ihre Vorräte an günstigerem Kakao aus dem Jahr 2023 aufgebraucht haben, setzen sie jetzt Preiserhöhungen durch, um ihre Gewinne zu sichern. Der Branchenbericht hält unmissverständlich fest: «Der hohe Kakaopreis wird sich erst in diesem Jahr vollständig in den Verkaufspreisen niederschlagen.» Für Schokoladenliebhaberinnen und -liebhaber ist die Belastung also noch lange nicht vorbei. Wert und Volumen entwickeln sich zunehmend auseinander. So entsteht eine fragile Wirtschaftsblase: Auf dem Papier sehen die Umsatzzahlen gesund aus, doch die zugrunde liegende Nachfrage ist gefährlich schwach.

Nachfrage im Inland lässt nach, regulatorische Belastungen nehmen zu

Selbst die Schweizerinnen und Schweizer, die weltweit zu den treuesten Schokoladenkonsumenten zählen, müssen den Gürtel enger schnallen. Der Pro-Kopf-Konsum in der Schweiz ist um 2,4 % auf 10,6 Kilogramm pro Person gesunken. Dieser Rückgang deutet auf einen durch den wirtschaftlichen Druck bedingten kulturellen Wandel hin. Wenn die Schweizerinnen und Schweizer weniger Schokolade kaufen, ist die Lage zweifellos kritisch. Wie die einheimischen Konsumentinnen und Konsumenten reagieren werden, wenn die Preiserhöhungen von 2025 in den Supermärkten voll zum Tragen kommen, bleibt abzuwarten.

Zusätzlich zu dieser wirtschaftlichen Belastung droht eine bürokratische Hürde: die europäische Entwaldungsverordnung (EUDR). Sie soll bis Ende Jahr verbindlich werden und verlangt strenge Rückverfolgbarkeitsstandards, die Unternehmen zu einer umfassenden Neuorganisation ihrer Lieferketten zwingen werden. Die Auswirkungen sind ungewiss, doch die Kosten für die Einhaltung der Vorschriften werden zweifellos hoch sein. Zwischen nachlassender Binnennachfrage und einer von Brüssel ausgehenden Verschärfung der Regulierung stehen die Schweizer Schokoladenhersteller vor einem perfekten Sturm. Das kommende Jahr wird die Widerstandsfähigkeit der wohl bekanntesten Schweizer Branche wie nie zuvor auf die Probe stellen.