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Swiss Observer

Fasnachtssaison im Kontrast: Basel startet mit dem «Morgestraich», während Bern mit sinkendem Interesse kämpft

Die Fasnachtssaison in der Schweiz ist in vollem Gang. Tausende besuchten in Basel den traditionellen «Morgestraich». Im Gegensatz dazu kämpft die Berner Fasnacht Berichten zufolge mit sinkenden Teilnehmerzahlen. Das wirft Fragen zur Zukunft des Fasnachtsfestes in der Hauptstadt auf.

Fasnachtssaison im Kontrast: Basel startet mit dem «Morgestraich», während Bern mit sinkendem Interesse kämpft
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz erlebt derzeit zwei sehr unterschiedliche Fasnachten: In der einen Stadt blüht die Tradition auf, während die andere um ihr Fortbestehen kämpft. Als an diesem Montag Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer die Strassen von Basel füllten, war die Stimmung elektrisierend. Damit festigte die Stadt ihren Status als unbestrittener Schwergewichts-Champion der Schweizer Fasnachtskultur. In starkem und beunruhigendem Kontrast dazu steckt die Berner Fasnacht in einer existenziellen Krise, geprägt von stark sinkenden Teilnehmerzahlen und einer ungewissen Zukunft.

Der Unterschied zwischen den beiden Städten war noch nie so deutlich. Basel feiert seinen Status als immaterielles UNESCO-Kulturerbe und zieht trotz der frühen Stunde ein riesiges Publikum an. Bern hingegen muss sich einer harten Realität stellen. Der in den 1980er-Jahren mit grossen Hoffnungen wiederbelebte Anlass der Hauptstadt kämpft inzwischen mit einem starken Rückgang des Interesses, der seine Musik verstummen lassen könnte. Während in Basel die Lichter unter lautem Jubel erloschen, blieb die Stimmung in Bern angesichts von Nieselregen und sinkenden Besucherzahlen gedämpft. Das schlägt bei Folklorebegeisterten im ganzen Land Alarm.

Satire und Spektakel: Basel beherrscht die Nacht

Punkt 4 Uhr morgens versank Basel in Dunkelheit. Augenblicke später wurde die Stadt vom gespenstischen Schein satirischer Laternen und dem donnernden Kommando «Morgestraich, vorwärts Marsch!» wieder zum Leben erweckt. Die schiere Präzision und das Ausmass des Anlasses machen deutlich, weshalb dies die grösste Fasnacht der Schweiz ist. Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer trotzten der morgendlichen Kälte und erlebten ein Spektakel, das Kunst, Politik und Kakofonie zu einem Ereignis von Weltformat verbindet.

Die Themen der Ausgabe 2026 sind ebenso kühn wie bissig. Die Cliquen richten ihren künstlerischen Zorn auf die globale Instabilität und Kriege. Die feindselige Haltung von US-Präsident Donald Trump steht auf vielen Laternen im Mittelpunkt. Das ist nicht einfach ein Umzug, sondern eine in Tradition verpackte politische Stellungnahme. Der Klang von Piccolos und Trommeln, der durch die nordschweizerische Stadt hallt, ist eine trotzige Erinnerung an Basels kulturelle Vormachtstellung. Diese Fasnachtsmaschine zeigt keinerlei Anzeichen, dass sie langsamer wird.

Krise in der Hauptstadt: Teilnahme in Bern bricht ein

Während Basel aufblüht, verliert Bern seine Kräfte. Wie das Organisationskomitee überraschend bekannt gab, ist die Zahl der Musikerinnen und Musiker am Umzug der Hauptstadt um beinahe 50 Prozent gesunken. Dieser drastische Rückgang ist nicht bloss eine Statistik, sondern ein Alarmsignal: Der Berner Fasnacht geht der Puls verloren. Trotz des «Monsterguggenkonzerts» auf dem Bundesplatz und der symbolischen Bärenbefreiung lässt die Energie unübersehbar nach.

Der Rückgang ist sichtbar und schmerzlich. Dutzende kostümierte Gruppen trotzten dem Nieselregen und zogen durch die Altstadt, doch die ausgedünnten Reihen sind nicht zu übersehen. Auch die Besucherzahlen sind gesunken, was das allgemein nachlassende Interesse in der Stadt widerspiegelt. Der Kontrast ist brutal: Während Basel eine dichte Wand aus Klang und Licht bietet, gibt es in Bern Lücken im Umzug und stille Sorge darüber, was als Nächstes kommt.

Tradition am Scheideweg: Der Kampf ums Überleben

«Möglicherweise müssen wir den Anlass künftig verkleinern», sagt Michelle Uetz, Präsidentin des Vereins Berner Fasnacht, und macht damit die ernüchternde Realität deutlich. Die finanzielle Lage sei bereits «angespannt», und der Verein müsse die Durchführbarkeit der Fasnacht nun jedes Jahr neu beurteilen. Für den Kulturkalender der Hauptstadt ist dies ein kritischer Moment.

Die Folgen liegen auf der Hand: Ohne einen deutlichen Aufschwung beim lokalen Engagement und bei der finanziellen Unterstützung droht die Berner Fasnacht zu einer Fussnote der Geschichte zu werden. Während Basels von der UNESCO geschützte Fasnacht, getragen von jahrhundertelanger, ununterbrochener Tradition, unaufhaltsam weiterzieht, kämpft Bern ums Überleben. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Hauptstadt die Begeisterung der Wiederbelebung in den 1980er-Jahren neu entfachen kann oder ob der Fasnachtsbär für immer in den Winterschlaf fällt.