Zum Inhalt springen
Swiss Observer

Die Schweizer Autorin Fleur Jaeggy erhält den renommierten Grand Prix Literatur

Die in Zürich geborene Autorin erhält den Schweizer Grand Prix Literatur 2025, während zwei französischsprachige Autoren mit bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet werden, eine nationale Anerkennung herausragender Leistungen.

Die Schweizer Autorin Fleur Jaeggy erhält den renommierten Grand Prix Literatur
AISWI swissinfo.ch

Fleur Jaeggy hat den Höhepunkt der Schweizer Kulturanerkennung erreicht: Das Bundesamt für Kultur (BAK) gab diesen Donnerstag definitiv bekannt, dass sie den Schweizer Grand Prix Literatur 2025 erhält. Die 85-jährige, in Zürich geborene Autorin, die vorwiegend auf Italienisch schreibt, ist ein eindrückliches Beispiel für die Mehrsprachigkeit der Schweiz. Das ist nicht einfach eine Auszeichnung, sondern die Krönung eines Lebens, das dem Schreiben gewidmet war.

Jaeggys Sieg steht für eine eindrückliche Geschichte interkultureller Brillanz. Obwohl sie im deutschsprachigen Zentrum Zürichs geboren wurde, überbrückt sie mit dem Italienischen als literarischer Sprache die sprachlichen Grenzen, die unser Land prägen. Mit der Auszeichnung Jaeggys hat das BAK eine klare Botschaft ausgesandt: Exzellenz kennt keine Sprachgrenzen. Der Erfolg folgt auf den renommierten Gottfried-Keller-Preis, den sie im vergangenen Jahr erhielt, und festigt eine Erfolgsserie, die sie fest im Pantheon der grossen europäischen Literaturschaffenden verankert. Der Grand Prix ist die höchste Auszeichnung des Bundes und würdigt eine Laufbahn, die über Jahrzehnte hinweg kompromisslos scharf geblieben ist.

Ein Vermächtnis von unsentimentaler Tiefe

Die Jury des BAK sparte nicht mit Lob und erklärte: «Fleur Jaeggys Schreiben ist tiefgründig und keineswegs sentimental.» Diese pointierte Charakterisierung bringt das Wesen einer Autorin auf den Punkt, die ihre Leserschaft nicht in Watte packt. Jaeggys Prosa durchdringt das Stimmengewirr mit chirurgischer Präzision und bietet eine Klarheit, die in der zeitgenössischen Literatur selten ist. Mit 85 Jahren ist ihre Stimme so kraftvoll und notwendig wie eh und je und fordert das Publikum heraus, sich den schonungslosen Wirklichkeiten zu stellen, die sie schildert.

Ihre Auszeichnungen sagen viel über ihre Stellung in der literarischen Welt aus. Nachdem sie bereits den Gottfried-Keller-Preis erhalten hat, der weithin als zweitwichtigste Schweizer Literaturauszeichnung nach dem Schillerpreis gilt, war Jaeggys Aufstieg zum Grand Prix beinahe unvermeidlich. Sie steht für eine Generation von Schreibenden, die intellektuelle Strenge flüchtigen Trends vorzieht. Ihre doppelte Staatsbürgerschaft und ihre Zürcher Wurzeln eröffnen ihr eine einzigartige Perspektive und ermöglichen ihr, Geschichten zu verfassen, die innerhalb und ausserhalb der Schweizer Grenzen grossen Anklang finden. Die Auszeichnung bestätigt einen Stil, der Tiefe und Präzision in den Vordergrund stellt und den menschlichen Zustand unerschrocken in den Blick nimmt.

Stimmen aus der Romandie bereichern die nationale Literaturszene

Während Jaeggy den Hauptpreis erhält, rückt die französischsprachige Schweiz mit eigenen bedeutenden Erfolgen ins Rampenlicht. Sieben Autorinnen und Autoren wurden mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet und erhalten jeweils 25 000 CHF, um ihr kreatives Schaffen voranzutreiben. Zu diesen herausragenden Preisträgerinnen und Preisträgern gehören Catherine Lovey und Romain Buffat, deren Werke die Jury überzeugt und die Vitalität der literarischen Szene der Romandie unter Beweis gestellt haben.

Catherine Lovey wird für ihr eindrückliches Werk Histoire de l’homme qui ne voulait pas mourir (Zoé) ausgezeichnet, Romain Buffat für Grande-Fin (Editions Double ligne). Diese Erfolge sind nicht nur persönliche Triumphe, sondern wichtige Hinweise auf die robuste Gesundheit der französischsprachigen Literatur in der Schweiz. Die Auswahl dieser Autorinnen und Autoren zeugt vom Bekenntnis zu vielfältigem Erzählen und stellt sicher, dass die besonderen kulturellen Facetten der Westschweiz auf nationaler Bühne gewürdigt werden. In einem Land, das von seinen Regionen geprägt ist, sorgen diese Auszeichnungen dafür, dass die literarische Landkarte ausgewogen, lebendig und hart umkämpft bleibt.

Die Zukunft der Schweizer Literatur fördern

Über einzelne Autorinnen und Autoren hinaus rücken die Auszeichnungen von 2025 die wichtige Infrastruktur ins Licht, die die Schweizer Literatur am Leben hält. Der Spezialpreis Vermittlung geht an den Verein Lectures Canap. Damit wird unterstrichen, wie wichtig es ist, Schreibende mit ihrer Leserschaft zusammenzubringen. Literatur entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern braucht Vermittlerinnen und Vermittler, Fürsprecher und Plattformen, um sich entfalten zu können. Mit der Auszeichnung eines Vereins, der sich der Vermittlung widmet, investiert das BAK in das Ökosystem des literarischen Schaffens in der Schweiz.

Mit Blick auf den Rest des Jahres 2025 setzen diese Auszeichnungen hohe Massstäbe für kulturelle Exzellenz. Von Jaeggys tiefgründigem Lebenswerk bis zu den neuen Stimmen aus den französischsprachigen Kantonen beweist sich die Schweizer Literaturszene als dynamisch, vielfältig und weltberühmt. Die mit je 25 000 CHF dotierten Preise für die sieben Gewinnerinnen und Gewinner des Schweizer Literaturpreises sind eine wichtige finanzielle Unterstützung und ermöglichen es diesen Kunstschaffenden, weiterhin Grenzen zu verschieben. Die Schweiz bewahrt nicht nur ihr kulturelles Erbe, sondern finanziert aktiv ihre Zukunft und sorgt dafür, dass unsere Geschichten auf Deutsch, Französisch, Italienisch und darüber hinaus weiterhin mit Nachdruck und Leidenschaft erzählt werden.