Verteidigung
Recherche enthüllt: Das «Schweizer» Drohnenabwehrsystem der Schweizer Armee wird in Israel hergestellt
Ein neues Drohnabwehrsystem, das vom Schweizer Verteidigungsministerium beschafft wurde, wird hauptsächlich vom israelischen Unternehmen D-Fend Solutions hergestellt, nicht vom Schweizer Anbieter Securiton. Die Entdeckung wirft Fragen zur Beschaffung im Schweizer Verteidigungsbereich und zur Transparenz der Lieferketten auf.

Ein Vertrag über beachtliche 3,5 Millionen Franken hat die komplexe Realität hinter der Schweizer Landesverteidigung offengelegt: Das «Schweizer» Drohnenabwehrsystem basiert im Kern auf israelischer Technologie. Obwohl der Auftrag im Oktober offiziell an Securiton, eine renommierte Tochtergesellschaft der Schweizer Securitas-Gruppe, vergeben wurde, hat eine Recherche der SRF-Sendung Rundschau die Illusion einer einheimischen Herstellung zerstört. Das System ist kein Produkt Schweizer Ingenieurskunst, sondern ein umetikettierter Import des bedeutenden israelischen Rüstungsherstellers D-Fend Solutions.
Diese Enthüllung zwingt die Schweiz, sich mit der mangelnden Transparenz bei der Beschaffung im Verteidigungsbereich auseinanderzusetzen. armasuisse, die Beschaffungsstelle des Bundes, nimmt eine defensive Haltung ein und betont, dass die Verantwortung bei der Schweiz bleibe, obwohl ein «israelischer Unterauftragnehmer integriert» sei. Dieses semantische Manöver kann jedoch kaum darüber hinwegtäuschen, dass die entscheidende Hardware zum Schutz des Schweizer Luftraums im Ausland hergestellt wird. Die Abhängigkeit von Securiton als Zwischenhändler wirft unmittelbar Fragen zur Transparenz und Souveränität auf. Die Schweiz kauft nicht einfach ein Gerät, sondern lagert eine entscheidende Sicherheitsfähigkeit an ein ausländisches Unternehmen aus und verschleiert deren Herkunft mit einer einheimischen Marke. Während die globalen Spannungen zunehmen, scheint die Bedeutung von «Swiss Made» im Verteidigungsbereich immer dehnbarer zu werden. Das stellt die öffentliche Wahrnehmung von Neutralität und Eigenständigkeit infrage.
Cyber-Übernahme: Die Technologie im System
Das fragliche System ist kein passiver Beobachter, sondern eine aggressive Einheit zur «Cyber-Übernahme», die den Luftraum beherrschen soll. Anders als herkömmliche Systeme, die Bedrohungen mit Waffengewalt vom Himmel holen, nutzt diese Technologie einen hochentwickelten Scanner, der die Funksignale eingehender Drohnen erkennt, hackt und übernimmt. Sobald das Signal gekapert ist, übernimmt das System aus der Ferne die Kontrolle und zwingt das feindliche Gerät, sicher zu landen. Das ist keine theoretische Technologie: Sie wurde bereits in der Schweiz im Einsatz erprobt und zum Schutz der internationalen Elite am Weltwirtschaftsforum in Davos eingesetzt.
Die Securitas-Gruppe hat ihre Zusammenarbeit mit D-Fend bestätigt und eingeräumt, dass diese hochentwickelte israelische Fähigkeit integriert wurde. Die operative Logik ist klar: In einer Zeit, in der sich der Drohnenkrieg rasant weiterentwickelt, braucht die Schweiz bewährte Gegenmassnahmen auf dem neuesten Stand der Technik. D-Fend Solutions bietet genau das: einen digitalen Schutzschild, der Bedrohungen neutralisiert, ohne einen einzigen Schuss abzufeuern. Die Abhängigkeit von dieser spezifischen Methode der «Cyber-Übernahme» verdeutlicht jedoch einen bedeutenden Wandel in der Verteidigungsstrategie, weg vom physischen Abfangen und hin zur elektronischen Kriegsführung. Mit der Einführung dieses Systems räumt die Schweizer Armee ein, dass die Zukunft der Luftraumsicherheit auf dem unsichtbaren Schlachtfeld von Funkfrequenzen und Codes liegt, einem Bereich, in dem Israel derzeit den Schlüssel in der Hand hält.
Der geopolitische Drahtseilakt
Mit dem Ausbau der Rüstungszusammenarbeit mit Israel während des anhaltenden Gaza-Kriegs bewegt sich die Schweiz auf einem geopolitischen Hochseil. Das Bild ist eindeutig: D-Fend Solutions ist ein bekannter Lieferant der israelischen Armee, und nun fliessen Schweizer Steuergelder direkt in dieses Ökosystem. Kritikerinnen und Kritiker argumentieren, dass diese Beschaffung die neutrale Schweiz in einen polarisierenden Konflikt verstrickt. Fachleute halten dagegen, dass die technologische Realität kaum eine andere Wahl lässt. Roland Siegwart, Leiter des Instituts für Robotik an der ETH Zürich, sagt, Israel sei unbestritten führend in der Drohnenabwehr.
«Wir können in der Schweiz nicht darauf verzichten, solche Technologien aus Ländern einzusetzen, die sie bereits getestet haben», sagte Siegwart und räumte damit eine unangenehme Wahrheit ein. Er gesteht zwar ein, dass die Situation «politisch» sei, doch seine Aussage impliziert, dass die Schweiz es sich nicht leisten kann, ihre Sicherheit durch moralische oder diplomatische Bedenken zu gefährden. Das Schweizer Militär stellt die Wirksamkeit über den öffentlichen Eindruck und nutzt Technologien, die in aktiven Kriegsgebieten entwickelt wurden, um die eigenen Grenzen zu sichern. Dieser pragmatische Ansatz macht ein schwieriges Dilemma deutlich: Um die beste Verteidigung zu erhalten, muss die Schweiz bei Ländern einkaufen, die selbst aktiv Krieg führen. Während sich die weltweite Kriegsführung weiterentwickelt, schwindet die Möglichkeit, ausschliesslich «neutrale» Technologie zu beschaffen. Das zwingt die Schweizer Regierung zu schwierigen und umstrittenen Entscheidungen.
Kritische Lücken im Schutzschild
Trotz des hohen Preises und der fortschrittlichen Technologie ist das neue System kein Allheilmittel. Eine offensichtliche Schwachstelle bleibt: Gegen autonome Drohnen ist die Technologie machtlos. Professor Siegwart warnt, dass D-Fend zwar gegen «gewöhnliche kommerzielle Drohnen» wirksam sei, die auf Funkverbindungen angewiesen sind, jedoch keine Drohne stoppen könne, die ohne Signalverbindung einer vorprogrammierten Route folgt. Diese Fähigkeitslücke ist ein erheblicher blinder Fleck im Schweizer Verteidigungsschirm.
armasuisse hat sich zu dieser Einschränkung nicht geäussert, und dieses Schweigen sagt viel aus. Setzt ein Gegner autonome Technologie ein, die immer leichter verfügbar wird, wird das 3,5 Millionen Franken teure «Cyber-Übernahme»-System zu einem kostspieligen Zuschauer. Das wirft zentrale Fragen zur langfristigen Tragfähigkeit der Beschaffung auf. Investiert die Schweiz in eine Lösung für die Bedrohungen von gestern und ignoriert dabei die Gefahren von morgen? Während die Drohnentechnologie immer näher an die vollständige Autonomie rückt, könnte sich die Abhängigkeit der Schweizer Armee von Technologien zum Hacken von Funksignalen als vorübergehende Lösung statt als umfassende Antwort erweisen. Das Land bleibt den hochmodernen Bedrohungen ausgesetzt, die es eigentlich abschrecken will. Sicherheitsexpertinnen und -experten fragen sich deshalb, ob die aktuellen Massnahmen wirklich ausreichen, um den Schweizer Luftraum zu schützen.