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Swiss Observer

Schweizer Lehren bleiben gefragt, während der Bedarf an Fachkräften steigt

Für 2026 wurden rund 76’000 Lehrverträge unterzeichnet. Damit bleibt die Berufsbildung zentral für den Übergang von der Schule ins Arbeitsleben in der Schweiz.

Schweizer Lehren bleiben gefragt, während der Bedarf an Fachkräften steigt
AISWI swissinfo.ch

Bis August 2026 wurden rund 76’000 Lehrverträge unterzeichnet, was den Schweizer Lehrstellenmarkt auf stabilem Kurs hält, wie das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mitteilt. Die Gesamtzahl liegt weitgehend im Rahmen der Vorjahre und bestätigt, dass die Berufsbildung weiterhin die wichtigste Brücke von der obligatorischen Schule ins Berufsleben ist.

Der Zeitpunkt ist für Arbeitgeber wichtig, die weiterhin einen hohen Bedarf an ausgebildeten Arbeitskräften haben. Mit jedem Lehrvertrag verpflichtet sich ein Unternehmen, eine junge Person durch eine Kombination aus praktischer Arbeit und Unterricht auszubilden. Damit tragen Betriebe direkt dazu bei, die benötigten Kompetenzen aufzubauen, während Schulabgängerinnen und Schulabgänger einen anerkannten Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten.

Das Schweizer duale Berufsbildungssystem verteilt die Verantwortung zudem auf Arbeitgeber, Berufsfachschulen und Behörden. Seine Widerstandsfähigkeit beruht auf der praktischen Verbindung zur Arbeitswelt. Junge Menschen sammeln Erfahrung, erwerben Qualifikationen und erhalten einen klareren Einblick in mögliche Berufe. Unternehmen wiederum bauen einen Nachwuchspool auf, den sie selbst mitgestalten können.

Die Zahlen für 2026 deuten nicht auf eine plötzliche Ausweitung hin. Sie zeigen Kontinuität. Das ist bedeutsam in einem Arbeitsmarkt, in dem der Rekrutierungsbedarf steigt und die Bildungswahl genau geprüft wird.

Den Entscheidungen junger Menschen folgen

63 Prozent von rund 98’000 befragten Jugendlichen gaben im Juni an, eine berufliche Grundbildung in Betracht zu ziehen, wie aus dem Nahtstellenbarometer des SBFI hervorgeht. Das Ergebnis zeigt, dass die Lehre bei den Entscheidungen nach der obligatorischen Schule einen zentralen Platz einnimmt.

Akademische Bildungswege bleiben wichtig. 43 Prozent der Befragten interessierten sich für die gymnasiale Maturität oder eine Fachmittelschule. Die Zahlen zeigen unterschiedliche Ambitionen und keine einheitliche nationale Präferenz. Jugendliche können auch mehrere Wege gleichzeitig in Betracht ziehen. Brückenangebote und Zwischenjahre stiessen in der Umfrage auf weniger Interesse.

Die Attraktivität der Berufsbildung hängt mit ihrer engen Verbindung zur Arbeitswelt zusammen. Lernende verbringen einen Teil ihrer Ausbildung in einem Betrieb und lernen dort Abläufe, Standards und Verantwortlichkeiten kennen, die sich im Klassenzimmer nicht vollständig vermitteln lassen. Sie erwerben zudem einen Abschluss, der eine weiterführende Berufsausbildung oder ein späteres Studium ermöglichen kann.

Diese Flexibilität trägt dazu bei, dass das Modell widerstandsfähig bleibt. Eine Lehre verschliesst den Weg zur höheren Bildung nicht. Sie ermöglicht Schülerinnen und Schülern einen frühen Einstieg in einen Beruf und lässt zugleich Optionen für weiterführende Qualifikationen offen. Für Familien und Arbeitgeber bietet das System einen strukturierten Übergang in einer Zeit, in der der Arbeitsmarkt praktische Fähigkeiten verlangt.

Die Ausbildung auf den Personalbedarf der Schweiz ausrichten

Kaufmännische Ausbildungen sowie Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen stossen bei jungen Menschen auf besonders grosses Interesse. Das Muster spiegelt die Vielfalt des Schweizer Lehrstellensystems wider, das sowohl kaufmännische Berufe als auch Dienstleistungen mit intensivem Kontakt zur Bevölkerung abdeckt.

Die kaufmännische Grundbildung ist für junge Menschen, die Kompetenzen in Administration, Kundenbetreuung und Geschäftsabläufen erwerben möchten, weiterhin ein vertrauter Einstieg. Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen haben eine andere Bedeutung. Spitäler, Pflegeeinrichtungen und Sozialdienste benötigen ausgebildetes Personal, um eine alternde Bevölkerung zu betreuen und wichtige Dienstleistungen aufrechtzuerhalten. Die Rekrutierung und Bindung von Mitarbeitenden bleiben deshalb ein anhaltendes Anliegen.

Das Ausgangsmaterial enthält keine vollständige Aufschlüsselung der 76’000 Lehrverträge nach Branchen. Daher lässt sich die Gesamtzahl nicht einzelnen Wirtschaftszweigen zuordnen. Es zeigt jedoch, worauf sich das Interesse der Jugendlichen konzentriert und wo Lehrstellen direkt mit dem Personalbedarf der Arbeitgeber verbunden sind.

Diese Verbindung ist eine der Stärken des Modells. Unternehmen können künftige Mitarbeitende in den Methoden und nach den Standards ihrer Betriebe ausbilden. Junge Menschen können einen Beruf ausprobieren, bevor sie sich längerfristig festlegen. So entsteht ein Zugang zum Arbeitsmarkt, der Bildung mit tatsächlichen offenen Stellen verknüpft und es zugleich erlaubt, dass die Nachfrage die Zusammensetzung der Ausbildungsplätze mit der Zeit beeinflusst.

Messen, was nach der Vertragsunterzeichnung geschieht

Stabile Rekrutierung ist ein Zeichen vorhandener Kapazitäten, aber kein Beweis dafür, dass die Fachkräftelücke geschlossen ist. Die rund 76’000 Lehrverträge zeigen, dass Schweizer Unternehmen weiterhin in die nächste Generation investieren, obwohl Arbeitgeber qualifizierte Arbeitskräfte suchen. Diese Investitionen verschaffen der Schweiz eine bessere Ausgangslage im Umgang mit Engpässen als ein System, in dem junge Menschen keinen Bezug zur Arbeitswelt haben.

Ebenso wichtig sind die Grenzen dieser Zahl. Die verfügbaren Daten vergleichen die Zahl der Lehrverträge weder mit der Gesamtzahl unbesetzter Stellen noch zeigen sie Abschlussquoten, regionale Unterschiede oder wie viele Lernende nach der Ausbildung bei ihrem Lehrbetrieb bleiben. Auch geht daraus nicht hervor, ob es in jeder Branche genügend Lehrstellen gibt oder ob die Nachfrage in jenen Regionen am stärksten ist, die mit den grössten Engpässen konfrontiert sind.

Die Schweiz muss deshalb auch den weiteren Verlauf der Ausbildung beobachten, nicht nur den Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung. Arbeitgeber müssen hochwertige Lehrstellen anbieten, Schulen müssen den schulischen Teil des Systems sicherstellen und die Politik muss gewährleisten, dass die Qualifikationen anpassungsfähig bleiben, wenn die Technologie die Arbeitswelt verändert.

Für 2026 ist die Botschaft klar: Die Berufsbildung bleibt ein funktionierender nationaler Mechanismus, um junge Menschen in qualifizierte Beschäftigung zu bringen. Die nächste Bewährungsprobe wird sein, ob die heute unterzeichneten Verträge genügend qualifizierte Arbeitskräfte für die offenen Stellen von morgen hervorbringen.