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Swiss Observer

Swatch Group weist Forderungen eines aktivistischen Investors nach Umbau des Verwaltungsrats zurück

Die Swatch Group, die von der Familie Hayek dominiert wird, hat sämtliche Vorschläge des US-amerikanischen aktivistischen Investors Greenwood Investors entschieden zurückgewiesen. Dieser hatte einen Sitz im Verwaltungsrat und weitreichende Änderungen an der Corporate-Governance-Struktur des Uhrenherstellers gefordert. Damit steuert das Unternehmen auf einen Konflikt unter den Aktionären zu.

Swatch Group weist Forderungen eines aktivistischen Investors nach Umbau des Verwaltungsrats zurück
AISWI swissinfo.ch

Die Familie Hayek hat eine klare Grenze gezogen und eine umfassende Offensive des US-amerikanischen aktivistischen Investors Greenwood Investors entschieden zurückgewiesen. Im Vorfeld der für den 12. Mai angesetzten Generalversammlung, an der eine hitzige Auseinandersetzung zu erwarten ist, hat der Verwaltungsrat der Swatch Group jeden einzelnen der sieben Vorschläge der Firma von Steven Wood abgelehnt. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine Meinungsverschiedenheit, sondern um einen offenen Konflikt im Unternehmen.

Greenwood will den Status quo aufbrechen und verfolgt einen zweigleisigen Angriff: Das Unternehmen fordert einen Sitz im Verwaltungsrat für Wood und drängt auf eine grundlegende Überarbeitung der Statuten. Swatch reagierte umgehend und ohne Zugeständnisse. In einer unmissverständlichen Stellungnahme erklärte der in Biel ansässige Uhrenhersteller, er handle in «voller Übereinstimmung mit sämtlichen Vorschriften», und beendete damit die Diskussion, bevor sie überhaupt beginnen konnte. Die Zurückweisung signalisiert, dass der Hayek-Clan, der über den Schweizer Uhrenkonzern wacht, nicht vorhat, dem Druck ausländischer Aktivisten auch nur einen Zentimeter nachzugeben.

Ultimatum mit sieben Forderungen zielt auf Umbau der Führung

Greenwood Investors gibt sich nicht mit kleinen Einsätzen zufrieden: Die Firma hat ein Ultimatum mit sieben Forderungen vorgelegt, das darauf abzielt, die bestehende Machtstruktur aufzubrechen. Im Zentrum stehen die Wahl von drei Vertretern, die eigens die Inhaberaktionäre vertreten sollen, und die Vorgabe, dass die Mehrheit der Verwaltungsratsmitglieder unabhängig sein muss. Damit stellt Greenwood die abgeschottete Führungsstruktur des Konzerns direkt infrage.

Der wohl persönlichste Angriff auf die bestehende Führung ist der Vorschlag, dem Verwaltungsratspräsidenten oder der Verwaltungsratspräsidentin die Ausübung weiterer operativer Funktionen zu untersagen. Dies zielt direkt auf Nayla Hayek ab, die derzeit sowohl als Verwaltungsratspräsidentin der Swatch Group als auch als CEO von Harry Winston grossen Einfluss hat. Zudem fordert Greenwood, dass Generalversammlungen ausschliesslich in physischer Präsenz stattfinden. Damit sollen wohl Minderheitsaktionäre in einem öffentlichen Forum mobilisiert werden. Wood argumentiert, das Schweizer Recht gewähre Inhaberaktionären das Recht auf Vertretung, und seine Nomination könne nur aus «wichtigen Gründen» abgelehnt werden. Solche Gründe gebe es seiner Ansicht nach nicht. Swatch lässt sich von dieser rechtlichen Auslegung jedoch nicht beirren.

Die Festung der Stimmrechte

Jede Ambition aktivistischer Investoren prallt an der Festung der Stimmrechtsmacht der Familie Hayek ab. Während die Familie rund 25 Prozent des Kapitals besitzt, kontrolliert sie beeindruckende 43 Prozent der Stimmrechte. Möglich macht dies eine Aktienstruktur mit zwei Kategorien: Namenaktien mit erhöhten Stimmrechten und Inhaberaktien. Sie sichert der Familie ihre Kontrolle und schützt sie wirksam vor feindlichen Angriffen.

Die Vergangenheit lässt für Steven Wood ein düsteres Ergebnis erwarten. Als er im vergangenen Jahr für eine einjährige Amtszeit als Vertreter der Inhaberaktionäre kandidierte, erlitt er bei der Abstimmung eine deutliche Niederlage: Fast 80 Prozent der abgegebenen Stimmen waren gegen ihn. Greenwood hält gerade einmal 0,5 Prozent des Kapitals. Die Rechnung ist daher brutal einfach: Ohne die Unterstützung der Familie Hayek oder eine massive, beispiellose Revolte anderer institutioneller Investoren bleibt Woods Weg in den Verwaltungsrat durch eine unüberwindbare Mauer aus Stimmrechtsaktien versperrt. Der Griff der Familie ist nicht nur fest, sondern absolut.

Strategischer Gegenzug: die Nomination Rickenbachers

Swatch beschränkt sich nicht auf die Verteidigung, sondern setzt zu einem strategischen Gegenzug an. Während der Konzern Wood zurückweist, treibt er eigene Pläne voran, um den Verwaltungsrat nach seinen Vorstellungen zu erneuern. Der Verwaltungsrat hat die Ernennung von Andreas Rickenbacher vorgeschlagen, einem erfahrenen Unternehmensberater und ehemaligen Berner Regierungsrat.

Rickenbacher, der von 2006 bis 2016 im Amt war und als erster Sozialdemokrat der Volkswirtschaftsdirektion vorstand, ist eine sichere Wahl aus dem etablierten politischen Umfeld. Sie entspricht eher der Schweizer Tradition als dem amerikanischen Aktivismus. Mit der Nomination eines Kandidaten, der in der Schweiz über enge politische und wirtschaftliche Beziehungen verfügt, signalisiert die Familie Hayek, dass sie für neue Kräfte offen ist, allerdings nur für solche, die sie selbst auswählt. Damit will sie dem Argument der Aktivisten entgegenwirken, der Verwaltungsrat sei erstarrt, und gleichzeitig einen Sitz mit einer Persönlichkeit besetzen, die die strategische Ausrichtung der Familie kaum infrage stellen dürfte.

Gleichgültige Märkte und langfristiger Rückgang

Trotz des Dramas im Verwaltungsrat haben die Märkte mit der für sie typischen Gleichgültigkeit reagiert. Das deutet darauf hin, dass die Anleger kaum mit einer Änderung des Status quo rechnen. Die Inhaberaktie, die Analysten als Referenz dient, notierte am Montagmorgen stabil. Seit Anfang 2026 hat die Aktie zwar 12 Prozent zugelegt, doch dieser kurzfristige Gewinn überdeckt eine beunruhigendere langfristige Entwicklung.

Die Swatch Group kämpft mit einem Rückgang von fast 27 Prozent über fünf Jahre. Dieser deutliche Wertverlust liefert Greenwood den Zündstoff. Die Familie Hayek kann die Abstimmung zwar leicht gewinnen, doch die Anleger von der Wertschöpfung zu überzeugen, ist weitaus schwieriger. Je näher die Generalversammlung vom 12. Mai rückt, desto stärker geht es nicht nur um Sitze im Verwaltungsrat, sondern auch darum, ob der legendäre Schweizer Konzern eine Dekade der Stagnation umkehren kann, während er sich gegen die Forderungen nach moderner Corporate Governance abschottet.