Schweizer Nationalfeiertag
Ein gedämpfter Nationalfeiertag: Kantone melden stille Himmel angesichts von Feuerwerksverboten und Kontroversen
Der diesjährige Schweizer Nationalfeiertag am 1. August verlief ungewöhnlich ruhig: Weitreichende Feuerwerksverbote führten zu weniger Zwischenfällen. Während fast 80'000 Menschen traditionelle Brunchs auf Bauernhöfen genossen, kam wegen der Ausnahmen für offizielle Feuerwerksshows der Vorwurf der Doppelmoral auf.

Der 735. Geburtstag der Schweiz kam nicht mit einem Knall, sondern mit einem Flüstern: Noch nie dagewesene Feuerwerksverbote veränderten das Bild am Nationalfeiertag. Erstmals seit Langem meldeten Rettungsdienste in der ganzen Eidgenossenschaft einen «friedlichen» 1. August, an dem das übliche chaotische Feuerwerk ausblieb. In Zürich bestätigten die Verantwortlichen von Schutz&Rettung, dass sich die Bevölkerung bemerkenswert gut an die Regeln gehalten habe. Die Folge waren nur vier kleinere Brände, ein drastischer Rückgang gegenüber den Vorjahren. Das übliche Getöse von Raketen und Feuerwerksfontänen wich einer seltenen, besinnlichen Stille, während die Kantone mit einer schweren Dürre zu kämpfen hatten, die die Schweizer Landschaft in einen Zunderhaufen verwandelt hat. Für manche war das Ausbleiben der Lichtshows irritierend, doch die Vorteile für die Sicherheit zeigten sich sofort: Im Kanton Aargau gingen innerhalb von 48 Stunden gerade einmal 33 Meldungen im Zusammenhang mit Feuerwerk ein, viele davon waren Fehlalarme. Dieser Wandel markiert einen entscheidenden Wendepunkt im Umgang des Landes mit dem Spannungsverhältnis zwischen festlichen Traditionen und der ökologischen Realität.
Ländliche Traditionen trotzen der Dürre
Fast 80'000 Menschen verliessen die Städte, um im Herzen der Schweizer Landwirtschaft Erholung zu suchen und am grossen Brunch zum 1. August auf Bauernhöfen teilzunehmen. Auf 283 Höfen verbreitete sich der Duft von frischem Zopf und regionalem Käse statt Schwefelgeruch. Der starke Zulauf auf dem Land unterstreicht den tief verwurzelten Wunsch nach echten Begegnungen statt spektakulärer Inszenierungen. Der Schweizer Bauernverband berichtete, dass viele Betriebe bereits Wochen im Voraus ausgebucht waren. Das zeigt, dass die Begeisterung für Traditionen ungebrochen ist, auch wenn der Himmel dunkel bleibt. Prominente Gäste, darunter Wirtschaftsminister Guy Parmelin und Aussenminister Ignazio Cassis, verliehen den Anlässen politisches Gewicht und betonten, dass die Seele des Landes in seiner Erde und nicht in seinen Funken liege. Im Emmental und im Jura kamen Familien direkt mit den Produzenten ins Gespräch und machten aus einem Festtag einen wichtigen Austausch über die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft im Zeichen des Klimawandels.
Die grosse Kluft beim Feuerwerk
Über die Kantonsgrenzen hinweg entbrennt eine heftige Kontroverse: Der Vorwurf der «Doppelmoral» droht die Einigkeit am Feiertag zu überschatten. Während für Privatpersonen strenge Verbote galten, erteilten mehrere Behörden umstrittene Ausnahmebewilligungen für offizielle Veranstaltungen. Auf dem Thuner- und dem Zürichsee durften von Booten aus grosse Feuerwerksshows stattfinden. Das löste bei Anwohnern und Umweltgruppen Empörung aus. Die Grünliberale Partei kritisierte diese Ausnahmen als «unverständlich» und argumentierte, sie untergrüben genau jene Sicherheitsbotschaften, die die Regierung vermitteln wolle. Basel-Stadt wählte den entgegengesetzten Weg und sagte seine legendäre Feuerwerksshow am Rhein ab, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Diese uneinheitliche Politik, bei der ein See im Feuerwerk erstrahlt und ein anderer dunkel bleibt, hat ein verwirrendes Geflecht von Vorschriften geschaffen. Kritiker argumentieren, wenn die Waldbrandgefahr tatsächlich «kritisch» sei, dürfe es keine Ausnahmen für professionelle Veranstalter geben. Damit trete die wachsende Spannung zwischen dem Prestige der Gemeinden und der öffentlichen Sicherheit deutlich zutage.
Die Durchsetzung ringt mit einer ausgetrockneten Nation
Die Polizeikorps befassen sich nun mit den Folgen der Verbote. Die Strafen reichen von einer Verwarnung bis zu einschneidenden Bussen. Im Kanton Bern steht besonders viel auf dem Spiel: Die Forstgesetze sehen bei vorsätzlichen Verstössen Bussen von bis zu CHF 20'000 vor. Die Zürcher Behörden gehen unterdessen differenzierter vor. Sie nehmen Anzeigen auf, die zu Bussen ab CHF 100 führen können, wobei deren Höhe je nach Gefährdung rasch steigt. In der Westschweiz gingen das Wallis und Genf am weitesten und verboten den Verkauf von Feuerwerk vollständig. Damit sollte für Touristinnen und Touristen ebenso wie für Einheimische «die Versuchung beseitigt» werden. Während sich das Land auf eine wegweisende Abstimmung über dauerhafte Einschränkungen für Feuerwerk vorbereitet, dienen die gedämpften Feierlichkeiten dieses Jahres als Pilotversuch mit hohem Einsatz. Der friedliche Verlauf des Jahres 2026 könnte jenen, die den «stillen Himmel» dauerhaft zum festen Bestandteil des Schweizer Nationalfeiertags machen wollen, entscheidende Argumente liefern.