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Swiss Observer

Russland verbietet das Schweizer International Baccalaureate als «unerwünscht»

Das in Genf ansässige International Baccalaureate wurde von den russischen Behörden wegen angeblicher Russophobie als «unerwünscht» eingestuft. Tausende Schülerinnen und Schüler sind kurz vor Beginn des Schuljahres betroffen.

Russland verbietet das Schweizer International Baccalaureate als «unerwünscht»
AISWI swissinfo.ch

In einem bedeutenden Schritt, der Russland weiter von internationalen Bildungsstandards isoliert, hat die russische Generalstaatsanwaltschaft das in Genf ansässige International Baccalaureate (IB) am 25. August 2025 als «unerwünschte Organisation» eingestuft. Der Entscheid wurde nur wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres bekannt gegeben und verbietet dem renommierten internationalen Bildungsprogramm faktisch, auf russischem Staatsgebiet tätig zu sein. Die Generalstaatsanwaltschaft warf dem IB vor, «die russische Jugend nach westlichen Vorbildern zu formen» und das zu fördern, was sie als «Russophobie» bezeichnet.

Auswirkungen auf das russische Bildungswesen

Das Verbot hat unmittelbare und weitreichende Folgen für das russische Bildungswesen. Vor der Einstufung boten 29 russische Schulen IB-Programme an, darunter die renommierte Schule «Letovo» bei Moskau, die aufgrund ihrer durchschnittlichen Ergebnisse als weltweit beste IB-Schule eingestuft worden war. Das plötzliche Verbot hat Tausende Schülerinnen und Schüler in eine ungewisse Lage gebracht und die Schulen gezwungen, ihre IB-Verträge hastig zu kündigen. Dadurch wurden die Bildungspläne vieler junger Menschen gestört, die ein Studium an internationalen Universitäten anstrebten. Am Tag nach der Bekanntgabe beantragten die meisten russischen IB-Schulen dringlich die Auflösung ihrer Verträge mit der Organisation. Dies zeigt, unter welchem unmittelbaren Druck die Bildungseinrichtungen standen, die Vorgaben einzuhalten.

Hintergrund zum International Baccalaureate

Das 1968 in Genf gegründete International Baccalaureate hat sich zu einem weltweit anerkannten Bildungsrahmen entwickelt. Es ist in über 160 Ländern tätig und umfasst mehr als 6'000 teilnehmende Schulen. Das Programm ist für seinen umfassenden Bildungsansatz bekannt, der kritisches Denken und eine internationale Perspektive fördert. Das IB betont von seinem Schweizer Hauptsitz aus, dass seine Programme ausschliesslich der Anhebung der Bildungsstandards dienen und nicht der Verfolgung einer politischen Agenda. Der Schweizer Sitz und der internationale Charakter der Organisation boten ihr traditionell eine neutrale Grundlage, um weltweit hochwertige Bildung anzubieten.

Politischer Kontext und Auswirkungen

Das Verbot des IB scheint Teil eines umfassenderen Musters zu sein, in dem sich Russland zunehmend von westlichen Bildungs- und Kultureinrichtungen abwendet. Der Entscheid wird mit prominenten russischen politischen Figuren in Verbindung gebracht, darunter der stellvertretenden Vorsitzenden der Staatsduma, Anna Kuznetsova, und dem Kreml-Verbündeten Konstantin Malofeev. Mit der Einstufung als «unerwünschte Organisation» wird das IB neben andere auf schwarze Listen gesetzte ausländische Bildungs- und Forschungseinrichtungen gestellt, darunter das Institute of International Education und EF Education First aus der Schweiz. Dieser Schritt spiegelt die zunehmende Tendenz Russlands wider, internationale Bildungsprogramme aus geopolitischer Perspektive zu betrachten und sie als mögliche Bedrohung für die Staatssicherheit und die verfassungsmässige Ordnung zu behandeln.

Schweizer Perspektive und internationale Reaktionen

Aus Schweizer Sicht ist das Verbot des in Genf ansässigen IB eine besorgniserregende Entwicklung für die internationale Bildungszusammenarbeit. Als neutrales Land mit einer langen Tradition als Gastgeber internationaler Organisationen betrachtet die Schweiz diesen Schritt als potenziell schädlich für den globalen Bildungsdialog. Der Hauptsitz des IB in Genf steht seit Langem für das Bekenntnis der Organisation zu neutraler, hochwertiger internationaler Bildung. Das Verbot betrifft nicht nur russische Schülerinnen und Schüler, sondern wirft auch Fragen zur Zukunft der internationalen Bildungszusammenarbeit in einer zunehmend polarisierten Welt auf. Schweizer Bildungsbehörden und diplomatische Kreise beobachten die Lage aufmerksam. Direkte Interventionen bleiben jedoch aufgrund der traditionellen Rolle der Schweiz als neutrale Vermittlerin des internationalen Dialogs begrenzt.