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Swiss Observer

Rekordtemperaturen und Dürre stören die Feierlichkeiten zum Schweizer Nationalfeiertag

Während die Schweiz mitten in einer vierten sommerlichen Hitzewelle die höchste Temperatur des Jahres 2026 verzeichnet, haben schwere Dürrebedingungen Kantone wie Basel-Stadt dazu gezwungen, die traditionellen Feuerwerke zum 1. August abzusagen. Dies weckt Sorgen um die öffentliche Sicherheit und den Energiebedarf des Landes für die Kühlung.

Rekordtemperaturen und Dürre stören die Feierlichkeiten zum Schweizer Nationalfeiertag
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz erlebt einen bemerkenswerten Klimarekord: In Basel-Binningen kletterten die Temperaturen auf 39,7 Grad Celsius. Dieser Wert wurde am 30. Juli 2026 um 14.10 Uhr gemessen und entspricht offiziell der höchsten Temperatur, die je auf der Alpennordseite registriert wurde. Das Land steckt derzeit in der vierten grossen Hitzewelle des Sommers, die die alpine Landschaft in einen Glutofen verwandelt. Auch die Nächte bringen keine Erholung: Auf St. Chrischona sank das Thermometer nicht unter rekordverdächtige 27,3 Grad und übertraf damit den bisherigen Tagesminimumrekord um volle zwei Grad. Diese beispiellose Hitze ist keine Ausnahme, sondern eine erschreckende Bestätigung dafür, dass die Temperaturen in der Schweiz zu den weltweit am schnellsten steigenden gehören. Die Erkenntnis, dass die 40-Grad-Marke, die im Norden der Schweiz einst undenkbar war, nun unmittelbar bevorsteht, liegt schwer in der Luft.

Tradition weckt Sicherheitsbedenken

Die ikonischen Feuerwerke zum 1. August bleiben in der ganzen Eidgenossenschaft aus, denn die schwere Dürre macht aus den Feierlichkeiten potenzielle Katastrophen. Basel-Stadt hat sich einer wachsenden Zahl von Kantonen angeschlossen und die Feuerwerke zum Nationalfeiertag am Rhein und auf dem Bruderholz offiziell abgesagt. Die Behörden bezeichnen ein vollständiges Verbot von offenem Feuer als «von grösster Bedeutung», um verheerende Waldbrände in der ausgetrockneten Landschaft zu verhindern. Während die traditionellen Laternenumzüge für Kinder stattfinden, bleibt der Himmel dunkel. In einigen Gebieten werden stattdessen Wasser-, Licht- und Lasershows angeboten. Dieser Wandel ist eine dramatische Abkehr von Schweizer Kulturtraditionen und zeigt, wie die Klimakrise beginnt, die heiligsten Traditionen des Landes umzuschreiben. Die öffentliche Sicherheit hat nun Vorrang vor dem Spektakel, denn die Behörden stehen einer derart trockenen Landschaft gegenüber, dass ein einzelner Funke einen nationalen Notfall auslösen könnte.

Kühlungskrise belastet das Stromnetz

Mit zunehmender Hitze steigt der Strombedarf der Schweiz für die Kühlung auf ein Niveau, das ein für den Winter ausgelegtes Netz zu überlasten droht. Der Absatz von mobilen Klimaanlagen und Ventilatoren hat diesen Sommer Rekordwerte erreicht. Damit entsteht für ein Land, das sich historisch vor allem auf das Heizen konzentriert hat, eine neue energiepolitische Herausforderung. In der Europäischen Union hat sich der Energieverbrauch für die Kühlung zwischen 2018 und 2024 verdoppelt, und die Schweiz folgt nun dieser besorgniserregenden Entwicklung. Fachleute warnen, dass dieses «Kühlungsparadox», bei dem die Bevölkerung energieintensive Geräte nutzt, um der Hitze zu entkommen, die durch CO₂-Emissionen verursacht wird, die Schweizer Energiewende zusätzlich belasten könnte. Urs-Peter Menti von der Hochschule Luzern merkt an, dass Kühlung kein Luxus mehr, sondern eine entscheidende systemische Herausforderung ist. Das Stromnetz steht unter enormem Druck: Tausende Geräte laufen gleichzeitig, um die Innenräume bewohnbar zu halten. Dadurch könnten sich die städtischen Wärmeinseleffekte und die Treibhausgasemissionen weiter verstärken.

Eine Winternation auf eine tropische Zukunft vorbereiten

Die Schweiz steht an einem Wendepunkt und muss ihre Städte und ihren Lebensstil für eine Zukunft neu gestalten, die zunehmend mediterran anmutet. Jahrhundertelang wurde die Schweizer Architektur so konzipiert, dass sie möglichst viel Sonnenwärme einfängt und speichert. Heute werden dieselben Gebäude zu gefährlichen Hitzefallen. Die aktuelle Krise ist ein Weckruf für Stadtplanerinnen und Stadtplaner sowie politische Entscheidungsträger. Wir erleben eine neue Schweizer Realität, in der «Kühlung» ebenso wichtig ist wie «Heizung». Der Wandel erfordert nachhaltige Lösungen, etwa Fernkälte und eine passive architektonische Beschattung, um eine Rückkopplung steigender Emissionen zu vermeiden. Während wir einen gedämpften Nationalfeiertag begehen, richtet sich der Blick nicht mehr nur auf die Geschichte der Eidgenossenschaft, sondern auch auf ihr Überleben in einer wärmer werdenden Welt. Der rekordverdächtige Sommer 2026 ist nicht einfach eine heisse Jahreszeit, sondern ein Vorgeschmack auf die Herausforderungen, die das Leben in der Schweiz in den kommenden Jahrzehnten prägen werden.