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Swiss Observer

Rekordvergütungspaket für Novartis-CEO sorgt für Kontroverse

Die Ethos Stiftung empfiehlt den Aktionären, gegen die Vergütung der Novartis-Führung zu stimmen, nachdem das Salär des CEO mit 19,2 Millionen Franken einen beispiellosen Höchststand erreicht hat.

Rekordvergütungspaket für Novartis-CEO sorgt für Kontroverse
AISWI swissinfo.ch

Unglaubliche 19,2 Millionen Franken. So viel kostet die Führung von Novartis im Jahr 2024. Das hat eine umgehende und scharfe Rüge der führenden Schweizer Pensionskassenberatung ausgelöst. Die Ethos Stiftung hat den Aktionären offiziell empfohlen, an der bevorstehenden Generalversammlung des Pharmariesen am 7. März gegen sämtliche vergütungsbezogenen Anträge zu stimmen. Dabei geht es nicht bloss um eine Meinungsverschiedenheit über Zahlen, sondern um einen grundlegenden Konflikt über die Prinzipien der Unternehmensführung im Herzen Basels.

Ethos zieht eine klare Grenze. Die Stiftung ist der Ansicht, dass das Vergütungspaket von CEO Vasant Narasimhan, das höchste seit 2009, eine inakzeptable Eskalation der Managervergütungen darstellt. Novartis erzielte 2024 zwar eine relativ starke Finanzleistung, doch laut Ethos löst die schiere Höhe dieser Auszahlung die Vergütungen der Führungskräfte von angemessenen gesellschaftlichen Standards. Diese Empfehlung ist ein wichtiger Weckruf an den Verwaltungsrat: Institutionelle Anleger schauen genau hin, und ihre Geduld mit immer weiter steigenden Gehältern schwindet rasch.

Das gebrochene Versprechen der Mässigung

Das Vertrauen schwindet so schnell, wie die Saläre steigen. Als Vasant Narasimhan 2018 das Ruder übernahm, belief sich seine Vergütung auf rund 10 Millionen Franken. Das Unternehmen stellte diesen Betrag als Beweis dafür dar, dass die Ära übermässiger Auszahlungen vorbei sei. Heute hat sich die Summe beinahe verdoppelt. «Das Unternehmen versicherte uns damals, dass übertriebene Vergütungen der Vergangenheit angehörten», sagte Vincent Kaufmann, Direktor der Ethos Stiftung. Damit machte er auf den offensichtlichen Widerspruch zwischen den früheren Zusicherungen und der heutigen Realität aufmerksam.

Der starke Anstieg auf 19,2 Millionen Franken ist auf ambitionierte Ziele bei der variablen Vergütung und Hebeleffekte zurückzuführen, die die Einkünfte des CEO weit über das ursprüngliche Niveau hinaus gesteigert haben. Kritiker argumentieren, diese Entwicklung deute auf eine Rückkehr zur «Bonzen»-Kultur hin, die die Schweizer Unternehmensführung seit Jahrzehnten einzudämmen versucht. Die Verdoppelung des CEO-Salärs in nur sechs Jahren wirft unbequeme Fragen zur Wirksamkeit der bestehenden Beschränkungen auf und dazu, ob der Verwaltungsrat sein Bekenntnis zur Mässigung aufgegeben hat.

Heimgesucht vom Geist Vasellas

Novartis wird erneut von den Schatten der eigenen Geschichte eingeholt. Die aktuelle Kontroverse führt unweigerlich zu Vergleichen mit der Ära von Daniel Vasella, dessen astronomische Auszahlung von 42 Millionen Franken im Jahr 2009 landesweite Empörung auslöste und der Minder-Initiative gegen übermässige Managervergütungen Auftrieb gab. Narasimhans 19,2 Millionen Franken erreichen diese schwindelerregenden Höhen zwar noch nicht, doch der Trend zeigt unmissverständlich nach oben. Damit werden die Befürchtungen neu entfacht, dass der Pharmariese zu alten, unbeliebten Gewohnheiten zurückkehrt.

Für die Schweizer Bevölkerung und die Aktionäre gleichermassen ist die Ära Vasella eine warnende Geschichte über unternehmerische Überheblichkeit. Die aktuelle Auszahlung ist die höchste seit jener turbulenten Zeit und signalisiert eine gefährliche Abkehr von den Reformen nach Vasella. Indem der Verwaltungsrat von Novartis zulässt, dass die Vergütungen wieder in Richtung dieser historischen Höchststände steigen, riskiert er, alte Wunden aufzureissen und erneut die Aufmerksamkeit einer Öffentlichkeit auf sich zu ziehen, die den Exzessen multinationaler Unternehmen seit Langem skeptisch gegenübersteht.

Die bevorstehende Konfrontation in Basel

Die Fronten für den 7. März sind abgesteckt. Neben dem Salär des CEO setzt sich Ethos dafür ein, den Antrag des Verwaltungsrats auf einen maximalen Vergütungstopf von 95 Millionen Franken für die elf Mitglieder der Konzernleitung im Jahr 2026 abzulehnen. Dieser präventive Schritt zielt auf die künftige Vergütungsstruktur der Unternehmensführung ab und signalisiert, dass Anleger für die kommenden Jahre keine Blankoschecks ausstellen wollen. Die Botschaft ist klar: Eine gute Finanzleistung rechtfertigt keine unbegrenzten Vergütungen.

Die bevorstehende Abstimmung ist ein wichtiger Test für den Aktionärsaktivismus in der Schweiz. Sollte es Ethos gelingen, eine bedeutende Opposition zu mobilisieren, würde dies in der Schweizer Unternehmenslandschaft Wellen schlagen und andere multinationale Unternehmen warnen, dass sich eine Obergrenze für Managervergütungen abzeichnet. Werden die Anträge hingegen problemlos angenommen, könnte dies Verwaltungsräte in der ganzen Branche dazu ermutigen, noch weiterzugehen. Nun richten sich alle Augen auf Basel, wo die Aktionäre entscheiden müssen, ob sie den Status quo unterstützen oder eine Rückkehr zur einst versprochenen Mässigung verlangen.