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Swiss Observer

Pentagon «blockiert» kritischen F-35-Bericht, Sorgen wegen Schweizer Beschaffung

Das US-Pentagon hat die Veröffentlichung eines kritischen Berichts des Government Accountability Office (GAO) zum Kampfjet F-35 verhindert, den die Schweiz bestellt hat. Dies schürt Spekulationen über eine Vertuschung von Problemen bei der Produktion und Modernisierung.

Pentagon «blockiert» kritischen F-35-Bericht, Sorgen wegen Schweizer Beschaffung
AISWI swissinfo.ch

Eine Mauer des Schweigens hat sich über das teuerste Waffenprogramm der Welt gelegt. Zum ersten Mal in der Geschichte hat das Pentagon die öffentliche Veröffentlichung eines kritischen Berichts des Government Accountability Office (GAO) untersagt, der die Produktionsprobleme des Kampfjets F-35 detailliert beschreibt. Dieser beispiellose Schritt, der von den Rechercheteams von RTS bestätigt wurde, hat in Bern Schockwellen ausgelöst. Das US-Verteidigungsministerium bezeichnet die Daten zum Schutz der operativen Sicherheit als «Controlled Unclassified Information». Kritiker sehen darin eine offensichtliche Vertuschung. Der Bericht sollte die Herausforderungen des Stealth-Flugzeugs im Haushaltsjahr 2025 aufzeigen, einer Flotte also, auf die die Schweiz ihre nationale Sicherheit gesetzt hat. Diese Zensur schafft ein alarmierendes Transparenzvakuum, gerade jetzt, da die Montage in der Schweiz beginnt.

Modernisierungskrise: Zeitpläne versinken in der Ungewissheit

Die Zeitpläne geraten nicht einfach nur ins Wanken, sie brechen zusammen. Der Luftfahrtexperte Bill Sweetman, ein ehemaliger Manager von Northrop Grumman, sagt, der unterdrückte Bericht würde eine Kaskade verschobener Fertigstellungstermine aufzeigen. Das F-35-Programm kämpft derzeit mit gravierenden Engpässen bei der Hardware seiner Bordcomputer und mit chronischer Überhitzung der Antriebssysteme. Das sind keine geringfügigen Störungen, sondern grundlegende technische Hürden, die die Einsatzfähigkeit des Flugzeugs gefährden. Während das Pentagon den Zeitplan unter Verschluss hält, fragt sich die Schweiz, ob die Lieferung im Jahr 2028 ein realistisches Versprechen oder politische Fiktion ist. Der Gegensatz zwischen dem offiziellen Optimismus der USA und dem erzwungenen Schweigen des GAO war noch nie so frappant.

Einsatzbereitschaftskrise: Nur noch erschreckende 44 Prozent missionsfähig

Die Zahlen erzählen eine verheerende Geschichte: Die F-35 verfehlt derzeit ihre grundlegendsten Leistungsziele. Als die Schweiz 2021 den Vertrag unterzeichnete, versprachen die USA ein Flugzeug, das während 67 Prozent der Zeit einsatzfähig sein sollte. Heute ist dieser Wert laut dem US-amerikanischen Rechnungshof auf erschreckende 44 Prozent gesunken. Das bedeutet, dass jederzeit mehr als die Hälfte der Flotte am Boden bleiben könnte. Ein chronischer Mangel an Ersatzteilen und logistische Albträume haben das «Stealth-Wunder» zu einer Belastung für die Wartung gemacht. Statt dass sich die Leistung mit der Zeit verbessert, deuten die neuesten Daten darauf hin, dass die Schweiz deutlich mehr in die Unterstützung der Flugzeuge investieren muss, nur um die Jets in der Luft zu halten. Die Grundlage des Programms, wonach die Kosten sinken und die Zuverlässigkeit steigen würden, ist praktisch hinfällig.

Schweizer Verteidigung vor einem riskanten Entscheid

Trotz der zunehmenden Hinweise auf ein Programm in Schwierigkeiten zeigt sich die Schweizer Luftwaffe in der Öffentlichkeit weiterhin unbeirrt. Crédric Aufranc, Leiter der Schweizer F-35-Operationen, betont, Bern habe sich auf das Schlimmste vorbereitet und ein «Zusatzpaket» an Ersatzteilen bestellt, um die Unabhängigkeit vom Hersteller sicherzustellen. Doch diese Strategie einer «Festung Schweiz» wird von der Realität eingeholt: Keine noch so grosse Menge an Ersatzteilen kann einen Jet reparieren, der grundsätzlich überhitzt oder mit veralteter Hardware betrieben wird. Seit die Montage der ersten Schweizer Modelle in diesem Frühling begonnen hat, ist der Druck auf das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) enorm gestiegen. Die Schweiz ist nun an eine Partnerschaft im Umfang von mehreren Milliarden Franken mit einem Programm gebunden, dessen Informationen die US-Regierung der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich machen will. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob dies ein Geniestreich der Modernisierung oder ein historischer strategischer Fehlentscheid war.