Wirtschaft
Novartis schliesst Morphosys, Hunderte Arbeitsplätze betroffen
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis kündigt an, das kürzlich übernommene deutsche Biotech-Unternehmen Morphosys bis 2025 zu schliessen. Davon sind 330 Arbeitsplätze betroffen, zudem wirft der Schritt Fragen zur Konsolidierung der Pharmaindustrie auf.

Fast 330 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, während Novartis daran geht, den operativen Betrieb von Morphosys nur wenige Monate nach der Übernahme abzuwickeln. Der Basler Pharmariese bestätigte, dass er bis Ende 2025 sämtliche Morphosys-Standorte in Deutschland und den USA schliessen wird. Die Schliessung ist ein Schock für den europäischen Biotech-Sektor und markiert das Ende eines Unternehmens, das einst eine tragende Säule der deutschen Innovation war. Novartis zahlte Anfang dieses Jahres den enormen Betrag von 2,7 Milliarden Euro (2,5 Milliarden Franken) für das Unternehmen. Diese massive Investition wird nun aggressiv konsolidiert. Während das geistige Eigentum und die Portfoliotätigkeiten in den Novartis-Konzern integriert werden, wird das materielle Erbe von Morphosys, gegründet 1992, ausgelöscht. Das Tempo dieser Abwicklung unterstreicht die volatile Natur von Übernahmen in der Pharmabranche, bei denen betriebliche Doppelspurigkeiten auf der Suche nach Effizienz rasch beseitigt werden.
Die Korrektur um 800 Millionen Dollar: Wenn Forschung und Entwicklung mit hohen Einsätzen ins Stocken gerät
Kürzlich verschwanden 800 Millionen Dollar aus den Büchern, als Novartis gezwungen war, den tatsächlichen Wert der Übernahme neu zu beurteilen. Diese drastische Wertberichtigung ist ein deutliches Eingeständnis, dass die ursprüngliche Bewertung von Morphosys allzu optimistisch war. Die finanzielle Korrektur macht deutlich, wie riskant Fusionen und Übernahmen in der Pharmaindustrie sind, wo potenzielle Blockbuster rasch zu Verbindlichkeiten werden können. Novartis-CEO Vas Narasimhan hat stets eine Strategie gezielter Übernahmen vertreten. Diese massive Anpassung deutet jedoch darauf hin, dass bei der Due-Diligence-Prüfung wichtige Warnsignale übersehen worden sein könnten. Das Unternehmen muss sich nun damit auseinandersetzen, dass ein beträchtlicher Teil des vermeintlichen Werts des Vermögenswerts verpufft ist. Novartis hält zwar daran fest, dass seine übergeordnete Strategie «Früchte trägt», doch dieser konkrete finanzielle Verlust ist ein angeschlagener Apfel im Korb und wirft unangenehme Fragen zur Genauigkeit der jüngsten Ausgabenoffensive auf.
Pelabresibs Versprechen verblasst unter genauer Prüfung
Das Kronjuwel der Übernahme, ein Medikament namens Pelabresib, hat an Glanz verloren. Novartis kaufte Morphosys in erster Linie, um Zugang zu dieser Behandlung gegen Myelofibrose zu erhalten, einer potenziell tödlichen chronischen Knochenmarkerkrankung. Jüngste Daten werfen jedoch einen langen Schatten auf die Zukunft des Medikaments. Es sind ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit aufgekommen, die eine Neubewertung erzwangen und die Wertberichtigung auslösten. Die als Durchbruchtherapie angepriesene Behandlung muss sich nun den harten Anforderungen der klinischen Prüfung stellen. Der Basler Konzern gibt das Medikament nicht vollständig auf, sondern integriert seine Entwicklung in die eigenen strengen Systeme. Der Optimismus, der dem Kauf für mehrere Milliarden Franken zugrunde lag, wurde jedoch durch klinische Daten gedämpft, die den hohen Ansprüchen an eine wegweisende Krebsbehandlung nicht gerecht wurden. Die Situation veranschaulicht das hohe Risiko beim Kauf von Biotech-Unternehmen in der klinischen Entwicklungsphase: Die Wissenschaft hält sich nicht immer an den Geschäftsplan.
Strategische Härte: Straffung des Portfolios
Seit 1992 gehörte Morphosys zu den ältesten und angesehensten Biotech-Unternehmen Deutschlands. Sentimentalität hat in der aktuellen Strategie von Novartis jedoch keinen Platz. Der Entscheid, sämtliche Aktivitäten zu integrieren und die Standorte zu schliessen, ist ein Musterbeispiel für die Straffung eines Unternehmens. Ein Sprecher des Unternehmens sagte unumwunden: «Alle Fusions- und Übernahmeaktivitäten in Forschung und Entwicklung sind mit einem gewissen Risiko verbunden.» Der Schritt signalisiert, dass Novartis einer schlanken, zentralisierten Organisationsstruktur den Vorzug vor dem Erhalt regionaler Niederlassungen gibt. Für die Schweizer Pharmaindustrie unterstreicht diese Entwicklung die Vormachtstellung Basels als zentralem Nervensystem der globalen Pharmabranche, das Innovation aufnimmt und die Hülle zurücklässt. Mit Blick auf 2025 stellt sich die Frage, wie rasch Novartis aus dem verbleibenden Portfolio noch Wert schöpfen kann, während die 330 betroffenen Mitarbeitenden vor einem schwierigen Übergang stehen. Die Botschaft ist klar: Entscheidend ist einzig die Leistung.