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Swiss Observer

Flughafen Lugano sichert sich 30-jährige Zukunft als Tessiner Drehkreuz

Der Flughafen Lugano hat nach der Rückkehr zu einem bescheidenen Betriebsgewinn eine Betriebskonzession für 30 Jahre bis 2056 erhalten. Beurteilen Sie die strategische Rolle des Flughafens für das Tessin, seine finanzielle Erholung und die Herausforderungen, denen er sich gegenübersieht, während die Schweiz prüft, weitere Inlandstrecken für ausländische Fluggesellschaften zu öffnen.

Flughafen Lugano sichert sich 30-jährige Zukunft als Tessiner Drehkreuz
AISWI swissinfo.ch

Der Flughafen Lugano hat eine Konzession erhalten, die bis zum 15. September 2056 gilt, und damit verfügt der Regionalflughafen des Tessins über den längsten Planungshorizont seit der Pandemiekrise. Der Entscheid des Schweizer Verkehrsministeriums trat am 16. September 2026 in Kraft und beendet eine Phase, in der die Zukunft des Flughafens stark von kurzfristigen betrieblichen und finanziellen Vereinbarungen abhing.

Für Lugano und die umliegende Region sichert die Konzession eine wichtige Verkehrsinfrastruktur. Der Flughafen verbindet das Südtessin mit der Schweiz und den benachbarten europäischen Märkten und stärkt zugleich die Attraktivität des Kantons für Unternehmen, Besucherinnen und Besucher sowie die Bevölkerung. Die Stadtbehörden von Lugano bezeichneten ihn als strategische Infrastruktur, die «der Mobilität und der Wirtschaft dient und zur Attraktivität der Region Lugano sowie des gesamten Kantons Tessin beiträgt».

Die Konzession garantiert weder einen umfassenden Flugplan noch beseitigt sie den finanziellen Druck auf den Flughafen. Sie schafft die regulatorische Grundlage für Investitionen und den Ausbau des Streckennetzes. Diese Entscheide werden darüber bestimmen, ob Lugano aus der langfristigen Konzession zuverlässige Verbindungen machen kann.

Der Zeitpunkt ist bedeutend. Der Flughafen ist in eine Phase eingetreten, die die Stadt als schrittweise Konsolidierung bezeichnet, und seine Aussichten haben sich verbessert, während Bern prüft, ausgewählte Inlandstrecken für europäische Fluggesellschaften zu öffnen. Diese Debatte könnte sich direkt darauf auswirken, ob Lugano die Verbindung nach Genf wiederherstellen kann.

Ein bescheidener Gewinn verändert die Aussichten

Der Flughafen erzielte im ersten Halbjahr 2026 wieder einen Betriebsgewinn von über CHF 200'000, eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Defizit von knapp CHF 100'000 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz überstieg CHF 7 Millionen, während die Gesamtkosten leicht unter den Prognosen lagen.

Die Zahlen sind ein Beleg für die Stabilisierung nach Jahren der Unsicherheit. Sie bedeuten noch keine vollständige finanzielle Erholung, und die Quelle nennt weder ein Nettoergebnis noch die Passagierzahl oder eine Aufschlüsselung der Einnahmen aus dem Luftfahrtgeschäft und anderen Bereichen. Dennoch bietet die Verbesserung des Betriebsergebnisses dem Flughafen und seinen öffentlichen Eigentümern eine solidere Grundlage für die Planung.

Luganos finanzielle Erholung folgt auf eine schwierige Zeit. Während der Covid-Pandemie geriet die frühere Betriebsgesellschaft in Konkurs und Liquidation. Die Stadt sprang ein, um den Flugbetrieb vorübergehend aufrechtzuerhalten, und lancierte ein neues Ausschreibungsverfahren. Eine geplante Privatisierung scheiterte 2021, als das ausgewählte private Konsortium die erforderlichen finanziellen Garantien nicht fristgerecht vorlegte.

Diese Vorgeschichte erklärt, weshalb die neue Konzession über ihre Laufzeit hinaus von Bedeutung ist. Eine stabile Konzession kann Verhandlungen mit Fluggesellschaften, Kreditgebern und Behörden unterstützen. Zugleich steht der Flughafen in der Pflicht, zu zeigen, dass sich die jüngste Verbesserung trotz wechselnder Nachfrage, Betriebskosten und Entscheide der Fluggesellschaften fortsetzen lässt.

Bern öffnet den Weg zurück nach Genf

Die Strecke Lugano–Genf könnte zurückkehren, falls die Schweiz ihre Regeln für den Inlandflugverkehr ändert, und dem Flughafen eine mögliche Verbindung zum wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Zentrum des Landes eröffnen. Der Ständerat hat eine Massnahme unterstützt, die es europäischen Fluggesellschaften unter bestimmten Bedingungen ermöglichen soll, Inlandflüge innerhalb der Schweiz anzubieten.

Dieser Schritt im Gesetzgebungsverfahren verbessert Luganos Aussichten, stellt die Strecke aber nicht von selbst wieder her. Eine Fluggesellschaft müsste weiterhin Flugzeuge und Besatzungen bereitstellen und einen wirtschaftlich tragfähigen Flugplan anbieten. Auch die Aufsichtsbehörden und Anbieter müssten die Bedingungen für eine Beteiligung ausländischer Fluggesellschaften am Inlandmarkt festlegen. Die Quelle nennt keinen Zeitplan für die Wiederaufnahme der Strecke.

Für das Tessin wäre eine Verbindung nach Genf mehr als ein Flug von einem Punkt zum anderen. Sie könnte Anschlüsse an internationale Flüge ermöglichen und für manche Reisende die Notwendigkeit verringern, den Gotthard zu überqueren oder Flughäfen ausserhalb des Kantons zu erreichen. Geschäftsreisende, Amtspersonen und Besucherinnen und Besucher könnten von einer Direktverbindung zwischen der italienischsprachigen Südschweiz und ihrem westlichen Zentrum profitieren.

Die Wiederaufnahme der Strecke wäre auch ein Test für die neue finanzielle Grundlage des Flughafens. Ein regelmässiger Flugbetrieb könnte die Einnahmen und die Erreichbarkeit der Region stärken, doch ein unzuverlässiger Flugplan wäre nur von begrenztem Nutzen. Lugano muss die Fluggesellschaften mit Nachfragebelegen überzeugen und zugleich die Kosten unter Kontrolle halten.

Das Tessin muss aus der Erreichbarkeit eine Strategie machen

Die Konzession verschafft dem Tessin Zeit, klärt aber nicht die Rolle des Flughafens im Schweizer Verkehrsnetz. Lugano liegt in einem Land mit guten Bahnverbindungen, grossen Flughäfen und einem begrenzten Inlandmarkt. Die Bedeutung des Flughafens beruht auf dem Nutzen eines raschen regionalen Zugangs und auf der wirtschaftlichen Aktivität, die zuverlässige Flugverbindungen unterstützen können.

Der Standort verleiht dem Flughafen eine besondere Rolle. Er bedient Lugano, den umliegenden Kanton und Teile der italienischsprachigen Region. Die Stadtbehörden stellen ihn als Infrastruktur für die gesamte Tessiner Wirtschaft dar. Dafür ist eine Koordination mit Bahn, Strasse und anderen Flughäfen nötig, statt eines einfachen Wettlaufs um Passagierzahlen.

Auch die jüngere Geschichte zeigt die Grenzen politischer Unterstützung. Lugano hielt den Flughafen nach dem Konkurs infolge der Pandemie und der gescheiterten Privatisierung in Betrieb, doch die öffentliche Eigentümerschaft war mit fortwährenden finanziellen Risiken verbunden. Der Gewinn im ersten Halbjahr 2026 ist ermutigend, bleibt im Verhältnis zum langfristigen Investitions- und Unterhaltsbedarf eines Flughafens aber bescheiden.

Die nächste Phase erfordert klare Prioritäten. Die Geschäftsleitung und die Behörden müssen die Strecken mit dem grössten regionalen Nutzen bestimmen, Anbieter gewinnen, die sie dauerhaft betreiben können, und einen glaubwürdigen Finanzplan vorlegen. Die Konzession bis 2056 schafft Spielraum für diese Arbeit. Zugleich erhält das Tessin eine lange Frist, in der die Ergebnisse an den Versprechen gemessen werden.

Mit der langfristigen Konzession beginnt eine anspruchsvollere Phase

Die Konzession gilt nun drei Jahrzehnte, doch die nächste Bewährungsprobe des Flughafens steht durch Entscheide von Fluggesellschaften und Behörden bereits viel früher bevor. Lugano muss die Stabilität der Konzession nutzen, um ein dauerhaft tragfähiges Betriebsmodell aufzubauen, statt lediglich den Status quo zu erhalten.

Die Unterstützung des Ständerats für einen bedingten Zugang europäischer Fluggesellschaften könnte den Kreis der Anbieter erweitern, die Schweizer Inlandstrecken bedienen dürfen. Für Lugano eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, die Verbindung nach Genf anzustreben und seine Bedeutung im nationalen Verkehrsnetz zu stärken. Gleichzeitig entsteht zusätzlicher Wettbewerb. Ausländische Fluggesellschaften könnten die Nachfrage anders einschätzen als Schweizer Anbieter, und jeder neue Flugdienst muss mit Bahn- und Strassenverkehr konkurrieren.

Der Flughafen geht mit einem besseren finanziellen Ergebnis als vor einem Jahr und einem Umsatz von über CHF 7 Millionen im ersten Halbjahr 2026 in diese Debatte. Diese Zahlen bieten der Stadt und der Flughafengeschäftsleitung einen nützlichen Ausgangspunkt. Sie machen eine sorgfältige Kostenkontrolle, eine transparente Planung und realistische Zusagen zu den Strecken jedoch nicht überflüssig.

Luganos Zukunft als Tessiner Drehkreuz hängt deshalb von der Umsetzung ab. Die Konzession schafft den Spielraum für eine langfristige Planung. Die nächsten Entscheide über Strecken, Anbieter und Investitionen werden bestimmen, wie viel von dieser Zukunft der Flughafen tatsächlich verwirklichen kann.