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Swiss Observer

Leonteq muss wegen regulatorischer Verstösse 9,3 Millionen Franken herausgeben

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA verpflichtet Leonteq zur Herausgabe von Gewinnen in Höhe von 9,3 Millionen Franken und zu strengeren Massnahmen. Grund dafür sind schwerwiegende Verstösse bei der Vertriebstätigkeit im Ausland.

Leonteq muss wegen regulatorischer Verstösse 9,3 Millionen Franken herausgeben
AISWI swissinfo.ch

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA hat Leonteq, einen bedeutenden Schweizer Derivatespezialisten, verpflichtet, Gewinne in Höhe von 9,3 Millionen Franken herauszugeben. Grund dafür sind schwerwiegende regulatorische Verstösse bei der Vertriebstätigkeit des Unternehmens im Ausland. Der Entscheid ist eine der bedeutenden aufsichtsrechtlichen Massnahmen im Schweizer Finanzsektor in diesem Jahr und unterstreicht das Engagement des Landes für eine strenge Aufsicht über seine Finanzinstitute.

Regulatorische Verstösse und Untersuchung

Die Untersuchung begann 2022 und wurde durch externe Informationen, Medienberichte sowie eigene Offenlegungen von Leonteq ausgelöst. Dabei stellte die FINMA fest, dass Leonteq ihre Vertriebskette nicht ausreichend überwacht und mit fragwürdigen, nicht regulierten Vertriebspartnern zusammengearbeitet hatte. Diese verkauften anschliessend strukturierte Anlageprodukte von Leonteq in nicht zugelassenen Gebieten und verstossen damit gegen vertragliche und regulatorische Bestimmungen. Die Financial Times hatte bereits im Oktober 2022 über mögliche Bedenken hinsichtlich Geldwäscherei- und Steuerhinterziehungsrisiken berichtet.

Massnahmen und Einschränkungen

Die FINMA hat strenge Massnahmen ergriffen, um die Einhaltung der Vorschriften sicherzustellen. Leonteq darf künftig nur noch mit ausländischen Vertriebspartnern zusammenarbeiten, die einer Regulierung unterstehen, die mit den Schweizer Standards vergleichbar ist. Eine unabhängige Prüfgesellschaft wird mit der Überwachung der Umsetzung dieser Massnahmen beauftragt. Die Herausgabe von Gewinnen in Höhe von 9,3 Millionen Franken ist der finanzielle Bestandteil der aufsichtsrechtlichen Massnahme und soll die Vorteile aus nicht konformen Tätigkeiten ausgleichen.

Finanzielle Auswirkungen und Reaktion des Unternehmens

Die aufsichtsrechtliche Massnahme hat die finanziellen Aussichten von Leonteq deutlich beeinträchtigt. Das Unternehmen hat seine Prognose für das Gesamtjahr 2024 angepasst und rechnet nun mit einem Vorsteuergewinn im einstelligen Millionenbereich. Zuvor hatte es ein Ergebnis angestrebt, das über dem Nettogewinn des Vorjahres von 20,6 Millionen Franken liegt. Leonteq hat die Feststellungen anerkannt, die ermittelten Mängel bedauert und sich verpflichtet, die zusätzlich verlangten Massnahmen mit hoher Priorität umzusetzen. Das Unternehmen betonte, es habe in den vergangenen Jahren bereits umfangreiche Verbesserungen bei Organisation und Prozessen vorgenommen, darunter eine verstärkte Überwachung der Einhaltung von Vorschriften und der Vertriebstätigkeit.

Künftige Auswirkungen auf den Schweizer Finanzsektor

Die aufsichtsrechtliche Massnahme sendet ein deutliches Signal an den Schweizer Finanzsektor, wie wichtig robuste Rahmenbedingungen für die Einhaltung von Vorschriften sind, insbesondere bei internationalen Tätigkeiten. Sie bekräftigt das Engagement der Schweiz für die Durchsetzung strenger Finanzvorschriften und zeigt, dass die FINMA aktiv die Integrität der Finanzmärkte des Landes gewährleistet. Der Fall schafft einen Präzedenzfall für andere Finanzinstitute und verdeutlicht die zunehmende Kontrolle grenzüberschreitender Finanzaktivitäten.