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Swiss Observer

Warnung vor dem Japankäfer: Neue invasive Gefahr für die Schweizer Landwirtschaft

Bundesbehörden geben eine landesweite Warnung heraus, während sich zerstörerische Japankäfer in den Regionen Wallis und Tessin ausbreiten

Warnung vor dem Japankäfer: Neue invasive Gefahr für die Schweizer Landwirtschaft
AISWI swissinfo.ch

Die Bundesbehörden schlagen Alarm: Der Japankäfer stellt eine ernste Gefahr für die Landwirtschaft dar und breitet sich in der Schweiz aus. Am Donnerstag, 3. Juli 2025, gab das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eine dringende landesweite Warnung heraus. Damit verschärft sich der Kampf gegen diesen invasiven Schädling deutlich. In den südlichen Kantonen ist die Lage kritisch: Die Behörden räumen inzwischen ein, dass in bestimmten Gebieten des Wallis und des Tessins keine Aussicht mehr besteht, den Käfer auszurotten. Damit verlagert sich der Schwerpunkt in diesen Regionen von der vollständigen Prävention auf die verzweifelte Eindämmung.

Die Gefahr breitet sich weiter aus. Die Schädlinge gelangen als blinde Passagiere durchs Land und nutzen die Schweizer Infrastruktur, um ihr Verbreitungsgebiet zu vergrössern. Das BLW warnt, dass die Käfer als «blinde Passagiere» in Autos und Zügen unterwegs sind und mit beunruhigender Leichtigkeit Kantonsgrenzen überqueren. Dadurch wird aus einem regionalen Problem eine nationale Krise: Ein Käfer, der in Lugano in einen Zug gelangt, kann innerhalb weniger Stunden in Zürich Schaden anrichten. Die Botschaft der Regierung ist klar: Wachsamkeit ist nicht mehr freiwillig, sondern zum Schutz der Schweizer Biodiversität unerlässlich.

Bevölkerung mobilisieren: Fangen, einfrieren, fotografieren, melden

Das BLW fordert die Bevölkerung zum sofortigen Handeln auf und macht die Bürgerinnen und Bürger damit zu Mitstreitenden im Kampf gegen diesen biologischen Eindringling. Blosses Beobachten reicht nicht aus: Die Regierung hat ein verbindliches Vorgehen für alle festgelegt, die auf ein verdächtiges Insekt stossen. Wer einen Käfer entdeckt, muss ihn sofort fangen. Die Anweisung ist eindeutig: Das Exemplar einfrieren, zur Überprüfung fotografieren und unverzüglich dem zuständigen kantonalen Pflanzenschutzdienst melden.

Die Bestimmung des Käfers ist für diese Verteidigungsstrategie unter Mitwirkung der Bevölkerung entscheidend. Der Japankäfer ist unverwechselbar: Erkennbar ist er vor allem an den auffälligen weissen Haarbüscheln auf beiden Seiten seines Hinterleibs. Dieses Merkmal unterscheidet ihn von einheimischen Arten. Reisende stehen besonders im Fokus. Die Behörden fordern alle auf, Gepäck und Fahrzeuge beim Wechsel zwischen Regionen sorgfältig zu kontrollieren. Ein einziger übersehener Käfer im Kofferraum kann einen neuen Befall in einem bislang nicht betroffenen Kanton auslösen. Der Aufruf richtet sich an alle Einwohnerinnen und Einwohner sowie Touristinnen und Touristen: Ihre Wachsamkeit ist die erste Verteidigungslinie.

Verheerende Schäden in der Landwirtschaft: Gefahr für 400 Pflanzenarten

Unglaubliche 400 Pflanzenarten sind inzwischen ins Visier dieses gefrässigen Schädlings geraten. Der Japankäfer ist nicht wählerisch: Er frisst Blätter, Blüten und Früchte mit verheerender Effizienz und stellt damit eine katastrophale Gefahr für die Schweizer Landwirtschaft und den Gartenbau dar. Von den renommierten Rebbergen im Wallis bis zu Privatgärten in Zürich ist kein Grünraum sicher. Der Schaden ist zweifach und unerbittlich: Während die ausgewachsenen Käfer oberirdisch das Laub zerstören, vernichten ihre Larven unter der Erde unbemerkt die Graswurzeln.

Dieser Angriff unter der Erde gefährdet Grünflächen aller Art und verwandelt üppige Weiden in tote Flächen. Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Landwirtinnen und Landwirten droht die Zerstörung ertragreicher Kulturen, während Gemeinden mit der Schädigung öffentlicher Parks zu kämpfen haben. Die Bundesregierung hat den Käfer als direkte Gefahr für die Umwelt eingestuft und damit den Ernst der Lage unterstrichen. Es geht nicht bloss um eine lästige Plage, sondern um einen Organismus, der ganze lokale Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen kann.

Der Notfallplan: Ausrottung und Eindämmung

Um die Ausbreitung zu stoppen, hat die Regierung einen umfassenden neuen Notfallplan in Gang gesetzt. Die Strategie koordiniert die Bemühungen des Bundes und der Kantone und schafft eine gemeinsame Front gegen den Befall. Während im Wallis und im Tessin die Eindämmung im Vordergrund steht, laufen in Basel, Schwyz und Zürich aktive Bekämpfungsmassnahmen mit dem Ziel der Ausrottung. Die Massnahmen sind umfassend und greifen an verschiedenen Punkten an, um den Lebenszyklus des Käfers in jeder Phase zu unterbrechen.

Der Plan verbindet Überwachung mit direkten Eingriffen. Die Behörden kontrollieren die Bestände mit Fallen und behandeln befallene Gebiete mit Insektiziden. Um die Larven zu bekämpfen, wird der Boden bearbeitet, damit ihre Entwicklung mechanisch gestört wird. Zudem schafft die Regierung für den Schädling ungünstige Umweltbedingungen, unter anderem mit Bewässerungsverboten, die das Überleben der Larven erschweren sollen. Es ist ein umfassender Kampf gegen eine invasive Art, bei dem alle verfügbaren Mittel eingesetzt werden, um das landwirtschaftliche Erbe der Schweiz vor irreversiblen Schäden zu bewahren.