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Swiss Observer

Israelischer Hersteller von Laborfleisch plant Produktionsanlage in Zürich

Aleph Farms arbeitet mit einem Schweizer Konsortium zusammen, zu dem Migros, Givaudan und Bühler gehören, um in Kemptthal eine Produktionsanlage für kultiviertes Fleisch einzurichten. Damit steigt die Schweiz in die Branche für kultiviertes Fleisch ein.

Israelischer Hersteller von Laborfleisch plant Produktionsanlage in Zürich
AISWI swissinfo.ch

Die Schweiz erhebt mit Nachdruck Anspruch darauf, das Zentrum der Lebensmittelrevolution zu sein. In einem entscheidenden Schritt, der einen grundlegenden Wandel der europäischen Lebensmittelproduktion signalisiert, hat der israelische Innovationsbetrieb Aleph Farms offiziell eine Vereinbarung zur Errichtung einer Produktionsanlage in Kemptthal im Kanton Zürich unterzeichnet. Dabei geht es nicht einfach um die Eröffnung einer Fabrik, sondern um eine klare Absichtserklärung. Mit der Partnerschaft mit The Cultured Hub verankert Aleph Farms die Zukunft nachhaltiger Proteine mitten im Herzen der Schweizer Wirtschaft.

Der Standort ist kein Zufall. Kemptthal entwickelt sich rasch zu einem Zentrum für Lebensmittelinnovationen und ist seit 2019 bereits der Standort des Pioniers für pflanzliche Produkte Planted. Mit dem Eintritt von Aleph Farms festigt die Region nun ein bedeutendes Cluster für Lebensmitteltechnologie der nächsten Generation. Carmen Walker-Späh, Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin, machte keinen Hehl aus der Bedeutung dieser Entwicklung und bezeichnete die Lebensmittelbranche als «Zukunftsfaktor in einer resilienten Wirtschaft». Diese strategische Ausrichtung positioniert Zürich nicht bloss als Beteiligten, sondern als führende Kraft im Wettlauf um nachhaltige Ernährungssysteme für eine wachsende Weltbevölkerung.

Industriegiganten treiben das Konsortium voran

Hinter diesem ehrgeizigen Projekt steht ein starkes Bündnis der Schweizer Industrie. The Cultured Hub ist kein improvisiertes Start-up-Experiment, sondern ein leistungsfähiges Konsortium, das vom Detailhandelsriesen Migros, dem Aromenführer Givaudan und dem Experten für Verfahrenstechnik Bühler gegründet wurde. Dieses «Dream-Team» der Schweizer Industrie stellt die entscheidende Infrastruktur bereit, die Aleph Farms benötigt, um von Petrischalen zur Verfügbarkeit auf dem Massenmarkt zu gelangen.

Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektion bestätigt, dass diese Vereinbarung den «Grundstein» für lokale Produktionslinien legt, die nicht nur die Schweiz beliefern, sondern möglicherweise auch auf weitere europäische Märkte ausgeweitet werden können. Die Beteiligung dieser Schwergewichte ist ein starkes Vertrauensvotum für die Machbarkeit von kultiviertem Fleisch. Während andere Regionen zögern, baut dieses Schweizer Konsortium die nötige Infrastruktur auf, um hochwertiges Rindfleisch, das direkt aus Zellen gezüchtet wird, in die Supermarktregale zu bringen. Damit lassen sich die Umweltbelastungen der traditionellen Viehzucht vollständig umgehen.

Vom Labor auf den Teller: eine rasante Entwicklung

Das Tempo, mit dem Aleph Farms vom Konzept zur industriellen Realität gelangt ist, ist schlicht erstaunlich. Das 2017 gegründete Unternehmen präsentierte bereits ein Jahr später, 2018, das weltweit erste im Labor hergestellte Steak. 2021 züchtete es erfolgreich ein komplexes Ribeye-Steak, und 2022 weitete es seine Tätigkeit auf die Kollagenproduktion aus. Dieses unermüdliche Innovationstempo unterstreicht die Dringlichkeit, die den Sektor antreibt.

Nun richtet sich der Fokus auf die Anlage in Kemptthal, in der diese biologischen Durchbrüche im kommerziellen Massstab umgesetzt werden sollen. Das Ziel ist klar und ehrgeizig: die Infrastruktur zu schaffen, die nötig ist, um hochwertiges Fleisch, das sich nicht von Fleisch aus geschlachteten Tieren unterscheidet, auf den Konsumentenmarkt zu bringen. Diese Anlage bildet die Brücke zwischen Spitzenforschung und Esstisch und macht aus etwas, das einst Science-Fiction war, für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten greifbare, essbare Realität.

Regulatorische Hürden und Zukunftsperspektiven

Während die Technologie rasch voranschreitet, bleibt die Regulierung die letzte Hürde. Aleph Farms reichte 2023 gemeinsam mit Migros das erste Gesuch zur Herstellung von synthetischem Fleisch in der Schweiz ein. Dieser mutige Schritt zwingt die Schweizer Aufsichtsbehörden, sich direkt mit der Zukunft der Lebensmittelsicherheit und der Einordnung solcher Produkte auseinanderzusetzen. Der Entscheid über dieses Gesuch dürfte für den ganzen Kontinent wegweisend sein.

Die Auswirkungen sind weitreichend. Bei einem Erfolg wird die Anlage in Kemptthal als Ausgangspunkt für die Expansion nach Europa dienen. Wir erleben den Beginn einer neuen Ära, in der «Made in Switzerland» bald für das beste kultivierte Rindfleisch der Welt stehen könnte. Während Carmen Walker-Späh «zahlreiche Innovationen» erwartet, stehen die Regulierungsbehörden nun unter Druck, mit einer Branche Schritt zu halten, die den Fleischbegriff grundlegend neu definieren will. Die Schweiz steht am Beginn einer kulinarischen Revolution, und die Welt schaut zu.