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Swiss Observer

Historisches WTO-Abkommen zur Fischerei tritt mit Schweizer Unterstützung in Kraft

Das erste WTO-Umweltabkommen im Handelsbereich ist in Kraft getreten. Es zielt auf schädliche Fischereisubventionen von 20 Milliarden US-Dollar ab und markiert einen Meilenstein für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Meere.

Historisches WTO-Abkommen zur Fischerei tritt mit Schweizer Unterstützung in Kraft
AISWI swissinfo.ch

Diesen Montag wurde in Genf Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal in der Geschichte des Welthandels ist ein Handelsabkommen in Kraft getreten, das ausdrücklich dem Schutz unseres Planeten dient. Dabei geht es nicht bloss um bürokratischen Papierkram, sondern um einen tiefgreifenden Wandel in der Art und Weise, wie die Welt ihre Ressourcen verwaltet. Die Welthandelsorganisation (WTO) hat nun endlich ein 2022 gegebenes Versprechen eingelöst und ein verbindliches Verbot finanzieller Anreize in Kraft gesetzt, die unsere Meere seit Jahrzehnten verwüsten.

WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala fand deutliche Worte und bezeichnete das Ereignis als verwirklichten «Traum» und als «historischen Meilenstein». Sie hat recht, selbstbewusst aufzutreten. Dieses Abkommen ist das erste Nachhaltigkeitsziel (SDG), das in der Geschichte vollständig erreicht wurde, und der erste verbindliche multilaterale Pakt für die Nachhaltigkeit der Meere. Indem Genf Handels- und Umweltpolitik offiziell miteinander verknüpft, hat die Stadt ihren Status als Schaltzentrale für die Zukunft einer nachhaltigen Weltwirtschaft gefestigt. Die Ära der ungezügelten Ausbeutung ist offiziell vorbei, die Ära der Rechenschaftspflicht hat begonnen.

Der Kampf gegen die Überfischung mit Milliardenbeträgen

Unglaubliche 20 Milliarden US-Dollar. So viel zahlen Regierungen jährlich dafür, ihre eigenen Meere zu zerstören. Diese gewaltige Summe, umgerechnet 15,9 Milliarden Franken, hat die Erschöpfung der Meeresressourcen seit jeher angeheizt und Industriefangflotten faktisch dafür bezahlt, die Meere leerzufischen. Diese schädlichen Subventionen haben die Märkte verzerrt und Ökosysteme verwüstet. Sie verschärfen eine Krise, in der inzwischen fast 40 Prozent der weltweiten Fischbestände überfischt sind. Es ist ein wirtschaftlicher Selbstmordpakt, den die Weltgemeinschaft nun endlich aufgekündigt hat.

Das neue Abkommen geht die Ursache dieses Missstands an. Es verbietet ausdrücklich Subventionen für illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei. Indem es diesen zerstörerischen Praktiken die finanzielle Grundlage entzieht, zwingt die WTO den Markt zu einer Korrektur, die die Natur dringend braucht. Es geht nicht mehr nur um Naturschutz, sondern darum, die steuerfinanzierte Plünderung der Hohen See zu stoppen. Die Botschaft an die Fischereiindustrie ist unmissverständlich: Wer nicht auf Nachhaltigkeit umstellt, riskiert den finanziellen Ruin ohne staatliches Sicherheitsnetz.

Die entscheidende Rolle der Schweiz ohne Meerzugang

Die Schweiz hat zwar keine Küste, doch ihr Einfluss auf die weltweite Fischerei ist unbestreitbar. Als Gastgeberin der WTO war die diplomatische Maschinerie in Genf die Schmiede, in der dieses Abkommen ausgearbeitet wurde. Doch die Verbindung zur Schweiz geht über die Diplomatie hinaus. Obwohl die Schweiz ein Binnenland ist, ist ihr Appetit auf Meeresfrüchte gross, was immer wieder Fragen zur Nachhaltigkeit ihres eigenen Konsumverhaltens aufwirft. Das Land ist eng in die globalen Lieferketten eingebunden, die dieses Abkommen regulieren soll.

Dieser Meilenstein hat auch innerhalb der Schweiz grosse Bedeutung. Er bestätigt das langjährige Engagement des Landes für internationales Recht und nachhaltige Handelspraktiken. Zugleich hält er dem inländischen Konsum einen Spiegel vor. Während die Welt die Zügel bei illegalen Fischereisubventionen anzieht, müssen wohlhabende Importmärkte wie die Schweiz sicherstellen, dass ihre Nachfrage nicht gerade jene Praktiken antreibt, die das Abkommen verbietet. Die Unterstützung dieses Abkommens signalisiert, dass die Schweiz bereit ist, ihr wirtschaftliches Gewicht mit ihren Umweltwerten in Einklang zu bringen.

Der Kampf ist noch lange nicht vorbei

Während in Genf die Champagnerkorken knallen, beginnt die eigentliche Arbeit erst jetzt. Dieses Abkommen ist ein grosser Erfolg, aber kein Allheilmittel. Es geht gegen die schlimmsten Missstände vor, nämlich illegale und unregulierte Fischerei, lässt jedoch andere wichtige Fragen offen. Das aktuelle Abkommen löst nicht alle Probleme. Insbesondere bei Subventionen, die in anderer Form zu Überkapazitäten und Überfischung beitragen, bestehen weiterhin erhebliche Lücken.

Die Zeit für die nächste Verhandlungsrunde läuft bereits. Die Mitgliedstaaten beraten derzeit intensiv über einen zweiten, umfassenderen Teil des Abkommens. Diese Verhandlungen sollen beim nächsten Ministertreffen im März im Mittelpunkt stehen. Der Druck ist gross, den Geltungsbereich auszuweiten und verbleibende Schlupflöcher zu schliessen. Der Erfolg vom Montag beweist, dass der Multilateralismus noch immer Ergebnisse liefern kann, doch die Weltgemeinschaft muss diesen Schwung beibehalten. Die Blutung ist gestoppt, doch der Patient, unsere Meere, befindet sich weiterhin in kritischem Zustand.