Politik
Studie im Auftrag des Bundes bestätigt Überwachung von Minderheiten in der Schweiz durch China
Eine erstmalige Untersuchung im Auftrag des Bundes zeigt die systematische Überwachung und Einschüchterung tibetischer und uigurischer Gemeinschaften in der Schweiz auf

Mit einem wegweisenden Schritt ist die Schweiz das erste Land, das eine umfassende staatliche Untersuchung zur Überwachung von Minderheitengemeinschaften innerhalb seiner Grenzen durch China in Auftrag gegeben hat. Die vom Europainstitut der Universität Basel unter der Leitung von Ralph Weber durchgeführte Studie untersuchte die systematische Überwachung und Einschüchterung tibetischer und uigurischer Gemeinschaften zwischen 2000 und 2025. An der bahnbrechenden Untersuchung waren ausführliche Interviews mit 60 Mitgliedern der Gemeinschaften sowie eine umfassende Analyse der Überwachungsmuster beteiligt.
Überwachungsmethoden und Taktiken
Die Studie zeigt ausgeklügelte Überwachungstaktiken chinesischer Behörden auf. Agenten, die häufig unter diplomatischer Tarnung als Botschafts- oder Konsulatspersonal agieren, setzen verschiedene Formen der Überwachung und Einschüchterung ein. Zu den gängigen Methoden gehören Drohanrufe aus China, Druck, Mitglieder der Gemeinschaft auszuspionieren, sowie die Instrumentalisierung von Familienangehörigen, die noch in China leben. Die Untersuchung bestätigte, dass Dutzende Agenten chinesischer Sicherheitsdienste in der Schweiz tätig sind, und verdeutlichte damit die grosse Reichweite der transnationalen Repression.
Auswirkungen auf die Gemeinschaften
Die Überwachung hat innerhalb der betroffenen Gemeinschaften zu erheblichen sozialen Spannungen geführt. Laut der Studie herrscht unter den Mitgliedern der Gemeinschaften weit verbreitetes Misstrauen, insbesondere gegenüber neu Zugewanderten, die wegen ihrer familiären Bindungen in China stärker unter Druck gesetzt werden könnten. Vor allem die tibetische Gemeinschaft berichtet, sich in ihren Grundrechten eingeschränkt zu fühlen, unter anderem durch Beschränkungen bei Demonstrationen in der Nähe des Parlaments in Bern. Dieses Klima des Misstrauens hat zu Spaltungen innerhalb der Gemeinschaft und zu psychischer Belastung ihrer Mitglieder geführt.
Reaktion der Schweizer Regierung
Obwohl die Schweizer Regierung mit der Beauftragung dieser Studie einen beispiellosen Schritt unternommen hat, haben die Behörden noch keine konkreten Massnahmen als Reaktion auf die Ergebnisse angekündigt. Die Untersuchung zeigt, dass sich lokale Behörden dem Druck aus China oft stärker widersetzen als nationale Stellen. Die Veröffentlichung der Studie ist ein wichtiger Schritt, um diese Überwachungsaktivitäten anzuerkennen und zu dokumentieren. Sie könnte den Weg für umfassendere Schutzmassnahmen zugunsten der betroffenen Gemeinschaften ebnen.