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Swiss Observer

Genf führt kostenlosen öffentlichen Verkehr für junge Menschen und vergünstigte Fahrten für Seniorinnen und Senioren ein

Genf führt ein wegweisendes Programm für kostenlosen öffentlichen Verkehr für Einwohnerinnen und Einwohner unter 25 Jahren ein, die sich in Ausbildung befinden oder über ein geringes Einkommen verfügen. Für ältere Fahrgäste werden die Preise halbiert.

Genf führt kostenlosen öffentlichen Verkehr für junge Menschen und vergünstigte Fahrten für Seniorinnen und Senioren ein
AISWI swissinfo.ch

Mit einem wegweisenden Schritt, der Genf an die Spitze der nachhaltigen urbanen Mobilität stellt, hat der Schweizer Kanton eine ambitionierte Initiative für den öffentlichen Verkehr lanciert. Seit dem 1. Januar 2025 ist Genf der erste Schweizer Kanton, der Einwohnerinnen und Einwohnern unter 25 Jahren, die sich in Ausbildung befinden oder finanziell eingeschränkt sind, kostenlosen öffentlichen Verkehr anbietet. Gleichzeitig wurden die Fahrpreise für ältere Fahrgäste halbiert. Mit dieser fortschrittlichen Politik gehört Genf zu einer ausgewählten Gruppe europäischer Städte, die den öffentlichen Verkehr für alle zugänglicher machen. Dies markiert einen bedeutenden Wandel in der Schweizer Strategie für urbane Mobilität.

Programmdetails und Anspruchsberechtigung

Die Anspruchskriterien der Initiative sind sorgfältig so gestaltet, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen davon profitieren. Junge Einwohnerinnen und Einwohner unter 25 Jahren müssen nachweisen, dass sie sich in Ausbildung befinden oder über ein geringes Einkommen verfügen, um Anspruch auf kostenlosen Verkehr zu haben. Ältere Menschen profitieren von einer Ermässigung von 50 Prozent auf ihre Fahrtkosten, wodurch der öffentliche Verkehr für Seniorinnen und Senioren besser zugänglich wird. Für die Prüfung sind ein Wohnsitznachweis sowie ein Nachweis des Ausbildungsstatus oder des Einkommens erforderlich. Mitarbeitende an den Verkaufsstellen des öffentlichen Verkehrs bearbeiten die Gesuche. Wie Rémy Burri, Leiter der Tarifgemeinschaft Genf, betont: «Es handelt sich nicht um kostenlosen Verkehr, sondern um ein Angebot.» Damit unterstreicht er den gezielten Charakter des Programms.

Finanzierung und Umsetzung

Die Initiative ist finanziell solide aufgestellt und wird aus den Steuermehreinnahmen des Kantons Genf finanziert. Das anfängliche Budget beträgt 32 Millionen Franken. Prognosen zufolge könnten die Gesamteinnahmen angesichts der aktuellen Nachfrage jedoch 40 bis 45 Millionen Franken erreichen. Der Staat übernimmt die Kosten der Abonnemente direkt und stellt so sicher, dass die Verkehrsunternehmen ihre Einnahmen behalten. Dieses Modell ist eine bedeutende öffentliche Investition in nachhaltige Mobilität. Die Regierung trägt die finanzielle Last, anstatt sie den Verkehrsunternehmen oder den Nutzerinnen und Nutzern aufzubürden.

Reaktion der Bevölkerung und erste Auswirkungen

Die Bevölkerung hat die Initiative ausgesprochen positiv aufgenommen. Lange Warteschlangen an den Verkaufsstellen zeugen von der hohen Nachfrage. Zu Beginn betrugen die Wartezeiten bis zu 45 Minuten, während die Mitarbeitenden die Gesuche bearbeiteten. Besonders Studierende begrüssten die Neuerung. Viele verwiesen auf frühere finanzielle Schwierigkeiten bei den Verkehrskosten. Auch die ältere Bevölkerung hat das Halbtax-Angebot angenommen und berichtet von erheblichen jährlichen Einsparungen. Es zeigten sich jedoch auch interessante Muster: So beantragten gelegentliche Nutzerinnen und Nutzer das Angebot, obwohl sie es nur selten in Anspruch nehmen. Dies wirft Fragen zur optimalen Verwendung der Mittel auf.

Infrastruktur und künftige Überlegungen

Mit der Umsetzung des ambitionierten Programms in Genf richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf die Kapazität der Infrastruktur und die künftige Planung. Das Verkehrsnetz ist zu Spitzenzeiten bereits stark ausgelastet, weshalb Erweiterungen des Angebots geplant sind. Im Dezember wurde das Schienennetz verbessert. Zusätzliche Tram- und Busverbindungen sind im Laufe des Jahres vorgesehen. Die Verkehrsbehörden beobachten die Nutzung, um sicherzustellen, dass das Angebot der Nachfrage entspricht. Wie der Mobilitätsexperte Sébastien Munafò erklärt, besteht das langfristige Ziel der Initiative darin, bei jungen Menschen nachhaltige Mobilitätsgewohnheiten zu etablieren, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Dies könnte die Mobilitätslandschaft Genfs für kommende Generationen verändern.