Genf
Kürzungen in der Trump-Ära kosten den internationalen Sektor Genfs mehr als 2'800 Arbeitsplätze
Seit der Rückkehr von Donald Trump ins US-Präsidentenamt sind bei den internationalen Organisationen in Genf mehr als 2'800 Arbeitsplätze verschwunden. Dieser Artikel beleuchtet die Auswirkungen der Kürzungen der US-Finanzierung auf das internationale Ökosystem Genfs und untersucht, weshalb der Bund die Verluste als geringer als befürchtet einschätzt.

Seit Donald Trump ins US-Präsidentenamt zurückgekehrt ist, sind bei den internationalen Organisationen in Genf mehr als 2'800 Arbeitsplätze verschwunden. Die am Montagabend vom Schweizer Aussenministerium veröffentlichte und am 15. September 2026 gemeldete Zahl zeigt so deutlich wie noch nie, unter welchem Druck der multilaterale Sektor der Stadt steht.
2024 zählten die Organisationen 25'696 Beschäftigte. Bis September 2026 war die ausgewiesene Zahl auf knapp 23'000 gesunken. Der Rückgang folgte auf Trumps Entscheid, nach seiner Rückkehr ins Weisse Haus Anfang 2025 die US-Finanzierung für Uno-Organisationen und Nichtregierungsorganisationen zu kürzen. Andere Länder folgten mit eigenen Kürzungen.
Die Zahlen sind weit über die Lohnsummen hinaus von Bedeutung. Genf beherbergt ein dichtes Netz von Uno-Stellen, diplomatischen Vertretungen, Hilfsorganisationen und spezialisierten Institutionen. Ihre Beschäftigten unterstützen Büros, Schulen, Hotels und Transportunternehmen sowie eine grosse Dienstleistungswirtschaft im Kanton.
Die veröffentlichte Zahl ist weiterhin unvollständig. Sie schliesst NGOs aus und erfasst die Stellenkürzungen an den Genfer Hauptsitzen der Internationalen Organisation für Migration, des Uno-Flüchtlingshilfswerks und der Weltgesundheitsorganisation nicht vollständig. Die Gesamtauswirkungen auf das internationale Ökosystem Genfs sind deshalb grösser, als die Schlagzeilenzahl vermuten lässt.
Die Schlagzeilenzahl erfasst nicht den gesamten Rückgang
Die ausgewiesene Zahl der Beschäftigten ist gegenüber dem Stand von 2024 um rund einen Zehntel gesunken, auch wenn sich das genaue Ausmass des Rückgangs nur schwer messen lässt. Die Zahlen des Aussenministeriums vergleichen 25'696 Beschäftigte im Jahr 2024 mit einem aktuellen Stand von knapp 23'000.
Dieser Vergleich erfasst die direkten Verluste bei den internationalen Organisationen. Allerdings sind einige Einschränkungen wichtig. NGOs sind in der aktuellen Zahl nicht enthalten, obwohl sie einen bedeutenden Teil des humanitären und entwicklungspolitischen Netzwerks Genfs bilden. Zudem berücksichtigt die Zählung nicht alle Stellen, die über die Genfer Hauptsitze der Internationalen Organisation für Migration, des Uno-Flüchtlingshilfswerks und der Weltgesundheitsorganisation hinaus gestrichen wurden.
Die Kürzungen begannen in Washington. Trump kündigte nach seinem Amtsantritt Anfang 2025 Kürzungen der US-Unterstützung für Uno-Organisationen und NGOs an. Die Vereinigten Staaten sind traditionell ein bedeutender Geldgeber des multilateralen Systems. Ihre Entscheide sorgten deshalb bei Organisationen, deren Programme auf freiwillige Finanzierungen und Pflichtbeiträge angewiesen sind, unmittelbar für Unsicherheit.
Die Quelle enthält keine Aufschlüsselung nach Organisation, Berufskategorie oder Nationalität. Sie weist auch nicht aus, wie viele Stellen gestrichen, nicht mehr besetzt oder an einen anderen Standort verlegt wurden. Diese Lücken erschweren genaue Aussagen darüber, welche Teile des Genfer Arbeitsmarkts den ersten Schock aufgefangen haben.
Neue Vertretungen verleihen Genfs diplomatischem Netzwerk Widerstandskraft
Das Schweizer Aussenministerium bezeichnet die Verluste als «geringer als befürchtet». Diese vorsichtige Einschätzung steht einem noch düstereren Szenario für das internationale Genf gegenüber. Die Aussage verharmlost den Rückgang nicht. Sie ordnet die Zahl in ein umfassenderes Bild ein, in dem Genf trotz des Finanzierungsschocks weiterhin diplomatische und institutionelle Aktivitäten anzieht.
Drei weitere Staaten haben in Genf Vertretungen eröffnet, und die Gesamtzahl der internationalen Organisationen ist auf 29 gestiegen, eine mehr als zuvor. Die neuen Vertretungen ersetzen weder die bei Uno-Organisationen verlorenen Stellen noch stellen sie die Budgets betroffener NGOs wieder her. Sie zeigen jedoch, dass Regierungen Genf weiterhin als Plattform für Diplomatie, Verhandlungen und internationale Verwaltung schätzen.
Diese Unterscheidung ist für den Kanton wichtig. Eine Vertretung kann Genfs diplomatische Präsenz stärken, ohne gleich viele Menschen zu beschäftigen wie eine grosse operative Organisation. Ebenso kann eine neue Organisation politische Sichtbarkeit schaffen und dabei weniger lokale Arbeitsplätze bieten als ein grosses humanitäres Programm.
Die Einschätzung des Ministeriums stützt sich deshalb nicht allein auf die Zahl der Beschäftigten. Sie trägt der fortdauernden Präsenz von Institutionen und Staaten Rechnung, auch wenn sich Personalbestand und Finanzierung verändern. Die Quelle enthält weder eine Prognose zu weiteren Kürzungen noch eine Schätzung des wirtschaftlichen Werts der bereits verlorenen Arbeitsplätze.
Die Schweiz muss erfassen, was die Stellenzahl auslässt
Genf geht mit weniger Beschäftigten, unvollständigen Daten und einer grösseren Herausforderung für seine internationale Rolle in die nächste Phase. Die Stadt beherbergt weiterhin 29 internationale Organisationen, doch die Zahlen zur Beschäftigung zeigen, dass institutionelle Präsenz und Beschäftigungsstärke sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln.
Für die Schweiz reichen die Folgen über die unmittelbare Zahl der verlorenen Stellen hinaus. Das internationale Genf trägt einen spezialisierten Arbeitsmarkt und stützt die Nachfrage nach Wohnraum, Bildung, Konferenzdienstleistungen, Gastgewerbe und Transport. Die verfügbare Quelle beziffert diese Auswirkungen nicht, weshalb sich die gesamtwirtschaftlichen Kosten noch nicht genau angeben lassen. Sie belegt jedoch, dass der Stellenabbau bei den erfassten Organisationen bereits die Marke von 2'800 Arbeitsplätzen überschritten hat.
Bei der nächsten Erhebung müssen NGOs einbezogen und vollständigere Zahlen für die Internationale Organisation für Migration, das Uno-Flüchtlingshilfswerk und die Weltgesundheitsorganisation vorgelegt werden. Zudem muss zwischen Festanstellungen, befristeten Verträgen und unbesetzten Stellen unterschieden werden. Ausserdem sollte ausgewiesen werden, ob Organisationen ihre Arbeit aus Genf verlagert oder Programme ganz reduziert haben.
Die Einschätzung des Aussenministeriums, wonach die Verluste geringer als befürchtet ausfallen, verschafft Schweizer Entscheidungsträgern Spielraum, Genfs Position zu verteidigen. Die fortlaufende Eröffnung neuer Vertretungen belegt die Nachfrage nach der diplomatischen Infrastruktur der Stadt. Der Beschäftigungsrückgang zeigt, weshalb sich diese Position nicht allein an der Zahl der Flaggen vor dem Palais des Nations messen lässt.