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Swiss Observer

Genf beherbergt Gespräche zwischen den USA und Iran sowie Nukleargespräche der IAEA

Genf festigt seine Rolle als bedeutender diplomatischer Knotenpunkt: Die Stadt beherbergt entscheidende Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, die von Oman vermittelt werden, sowie separate technische Gespräche zwischen Iran und der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), der Atomaufsichtsbehörde der UNO.

Genf beherbergt Gespräche zwischen den USA und Iran sowie Nukleargespräche der IAEA
AISWI swissinfo.ch

Genf hat sich einmal mehr ins Zentrum der geopolitischen Landkarte gerückt. In einer diplomatischen Zusammenkunft, bei der viel auf dem Spiel steht, beherbergt die Stadt gleichzeitig entscheidende Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran sowie wichtige technische Gespräche zwischen Teheran und der Atomaufsichtsbehörde der UNO. Das Schweizer Aussendepartement hat bestätigt, dass der Golfstaat Oman die Gespräche zwischen den USA und Iran vermittelt. Dies unterstreicht die Dringlichkeit der Lage. Der iranische Aussenminister Abbas Araghchi traf am Sonntag in der Schweiz ein und signalisierte damit, dass Teheran diese Gesprächsrunde äusserst ernst nimmt.

Es handelt sich nicht bloss um ein routinemässiges Treffen, sondern um einen verzweifelten Versuch, den Nahen Osten vom Abgrund zurückzuholen. Nach den militärischen Drohungen von US-Präsident Donald Trump Anfang dieses Monats ist die Stimmung in Genf angespannt. Nicolas Bideau, Leiter Kommunikation des Schweizer Aussendepartements, erklärte, die Schweiz «stehe weiterhin mit allen Seiten in Kontakt» und bekräftigte damit die wichtige Rolle des Landes als neutraler Gastgeber. Während mehrere diplomatische Gesprächsstränge am Genfersee zusammenlaufen, beobachtet die Welt, ob die «Guten Dienste» der Schweiz einen Durchbruch ermöglichen können, wo andere gescheitert sind.

Das Rätsel um das verschwundene Uran

400 Kilogramm hoch angereichertes Uran sind nach wie vor nicht auffindbar und werfen einen langen, dunklen Schatten auf die technischen Gespräche am Montag. Zwar hatte Präsident Trump nach den Luftangriffen der USA und Israels im Jahr 2025 erklärt, die iranischen Nuklearanlagen seien «vollständig zerstört», doch die Realität vor Ort ist weit komplexer und gefährlicher. Wo sich dieses spaltbare Material befindet, ist die zentrale Frage für IAEA-Chef Rafael Grossi, der intensive technische Gespräche mit iranischen Fachleuten und Aussenminister Araghchi führen soll.

Die Beziehungen zwischen der IAEA und Teheran haben einen historischen Tiefpunkt erreicht. Nach den Bombardierungen schränkte Iran den Zugang internationaler Inspektoren stark ein und stimmte erst im September 2025 einer vorläufigen Wiederaufnahme der Inspektionen zu. Für Grossi steht dabei persönlich wie politisch viel auf dem Spiel: Hardliner in Iran haben ihn heftig angegriffen. Eine ultrakonservative Zeitung bezeichnete ihn gar als israelischen Spion und forderte seine Hinrichtung. Die Gespräche in Genf sind eine entscheidende Bewährungsprobe: Kann die IAEA wieder Einblick in ein schwer beschädigtes Nuklearprogramm erhalten, oder haben die Bombardierungen Irans nukleare Ambitionen nur noch tiefer in den Untergrund getrieben?

Washington und Teheran: Ein fragiler Tanz am Abgrund

Die diplomatische Pattsituation zwischen Washington und Teheran bleibt äusserst schwierig. Irans stellvertretender Aussenminister Takht-Ravanchi sagte der BBC, sein Land sei bereit, Kompromisse in Betracht zu ziehen. Gleichzeitig zog er eine klare Grenze: Washington müsse bereit sein, die lähmenden Sanktionen aufzuheben. «Wenn sie es ernst meinen, bin ich zuversichtlich, dass wir auf dem Weg zu einer Einigung sind», sagte Takht-Ravanchi und legte den Ball damit klar ins amerikanische Feld. US-Diplomaten bleiben jedoch skeptisch und werfen Teheran vor, nur vorzugeben, an Diplomatie interessiert zu sein, während das Land seine strategischen Ziele weiterverfolge.

Diese Verhandlungen finden vor dem Hintergrund extremer Gewalt und Instabilität statt. Im Inland kämpft das iranische Regime nach der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten im Januar mit einer schweren Legitimationskrise. Menschenrechtsorganisationen berichten, dass Tausende Demonstrierende getötet wurden. Gleichzeitig erholt sich das Regime weiterhin nur langsam vom Krieg von 2025, an dem Israel und die USA beteiligt waren. Die Gespräche in Genf sind für die iranische Führung eine Bewährungsprobe, bei der es um ihr Überleben geht, und für die Trump-Regierung eine strategische Herausforderung: Kann mit einem Regime, das sowohl von innen als auch von aussen unter Druck steht, eine Einigung erzielt werden?

Die Schweizer Neutralität inmitten globaler Turbulenzen auf dem Prüfstand

Der Ruf der Schweiz als weltweit führende diplomatische Vermittlerin wird auf die ultimative Probe gestellt. Mit der Ausrichtung dieser gleichzeitigen Gespräche, bei denen viel auf dem Spiel steht, signalisiert Bern, dass es sich in einer zunehmend polarisierten Welt nicht an den Rand drängen lassen will. «Die Schweiz begrüsst und unterstützt diese Gespräche», bekräftigte Bideau. Diese Aussage lässt den enormen logistischen und diplomatischen Aufwand erahnen, der nötig ist, um derart verfeindete Parteien an einen Tisch zu bringen. Unter der Vermittlung des omanischen Aussenministers Badr al-Bussaidi stellt die Schweiz die sichere und neutrale Infrastruktur bereit, die für diese heiklen Gespräche nötig ist.

Wie die Woche ausgeht, ist ungewiss, doch die Folgen sind klar. Sollte Genf auch nur eine fragile Deeskalation in Bezug auf das verschwundene Uran oder das Sanktionsregime ermöglichen, würde dies die Bedeutung der Schweizer Neutralität im 21. Jahrhundert bekräftigen. Ein Scheitern könnte die Region hingegen erneut in einen offenen Konflikt stürzen, wobei das fehlende Nuklearmaterial der entscheidende Unsicherheitsfaktor wäre. Während die Autokolonnen durch die Strassen von Genf fahren, steht die Stadt als letzte Verteidigungslinie gegen den vollständigen Zusammenbruch der Diplomatie da.