Schweiz
Ausländische Mieterinnen und Mieter erleben Diskriminierung auf dem Schweizer Wohnungsmarkt
Ausländische Einwohnerinnen und Einwohner sowie Stellensuchende berichten von Diskriminierung bei der Wohnungssuche in der Schweiz. Dazu gehört, dass Vermieterinnen und Vermieter angeblich Schweizer Mieterinnen und Mieter bevorzugen. Der Artikel untersucht, wie weit verbreitet das Problem ist und welche Möglichkeiten Betroffenen offenstehen.

Ausländische Einwohnerinnen und Einwohner, die in der Schweiz eine Wohnung suchen, sagen, dass ihre Nationalität zum Hindernis werden kann, noch bevor eine Vermieterin oder ein Vermieter ihre Bewerbung geprüft hat. In von The Local gesammelten Berichten erzählen Wohnungssuchende, man habe ihnen direkt oder indirekt gesagt, Schweizer Mieterinnen und Mieter würden bevorzugt. Die Publikation berichtete am 9. September 2026, dass die Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern auf Diskriminierung bei der Vermietung hindeuteten. Das öffentlich zugängliche Material enthält jedoch weder eine landesweite Umfrage noch eine gemessene Ablehnungsquote.
Die Berichte kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Wohnungssuche für alle, die eine Unterkunft finden möchten, schwierig ist. Bewerberinnen und Bewerber müssen in der Regel ein Dossier mit Einkommensnachweisen, Identitätsdokumenten und Belegen ihrer finanziellen Zuverlässigkeit einreichen. Ausländische Einwohnerinnen und Einwohner können zudem genauer auf ihre Aufenthaltsbewilligung, ihren Beschäftigungsstatus oder das Fehlen einer Schweizer Mietgeschichte geprüft werden. Solche Faktoren können als praktische Risikobeurteilungen gelten. Eine ausdrückliche Bevorzugung aufgrund der Nationalität wirft jedoch eine andere Frage auf.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil der Zugang zu Wohnraum Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit, die Stabilität der Familie und die Möglichkeit hat, in einem Kanton zu bleiben. Wer neu zugezogen ist und keinen Mietvertrag erhält, kann Schwierigkeiten haben, eine Stelle anzunehmen, sich vor Ort anzumelden oder Angehörige in die Schweiz zu holen. Der am 4. September 2026 veröffentlichte Aufruf von The Local bat Leserinnen und Leser, von Diskriminierung auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt zu berichten. Die Rückmeldungen weisen auf ein Problem hin, das Belege, genaue Prüfung und eine klare Erklärung der verfügbaren Abhilfemöglichkeiten verdient.
Belege von Annahmen unterscheiden
Die Berichte schildern ein Muster der Ausgrenzung, zeigen aber nicht, wie häufig diese in der ganzen Schweiz vorkommt. Der Bericht von The Local stützt sich auf Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern, die auf einen Aufruf hin ihre Erfahrungen schilderten. Laut dem Bericht zeigen diese Rückmeldungen, dass es Diskriminierung gibt. Das hier verfügbare Quellenmaterial enthält jedoch keine Aufschlüsselung nach Kanton, Nationalität, Vermietertyp oder Zahl der abgelehnten Bewerbungen.
Diese Einschränkung ist wichtig. Eine Vermieterin oder ein Vermieter darf die Fähigkeit einer Bewerberin oder eines Bewerbers prüfen, den Mietzins zu bezahlen und den Mietvertrag einzuhalten. Eine Liegenschaftsverwaltung kann Unterlagen verlangen, die zur Beurteilung der Zahlungsfähigkeit und des Aufenthaltsstatus nötig sind. Eine Ablehnung kann auch verschiedene mögliche Gründe haben, besonders in einem umkämpften Markt. Bewerberinnen und Bewerber erfahren möglicherweise nicht, weshalb eine andere Person ausgewählt wurde.
Konkreter werden die Belege, wenn eine Vermittlungsperson erklärt, Schweizerinnen und Schweizer würden bevorzugt, wenn vergleichbare Bewerberinnen und Bewerber unterschiedlich behandelt werden oder wenn schriftliche Mitteilungen eine an die Nationalität geknüpfte Bedingung festhalten. Wohnungssuchende sollten Inserate, E-Mails, Nachrichten und Bewerbungsunterlagen aufbewahren. Sie sollten Datum, Liegenschaft, Agentur oder Vermieterin beziehungsweise Vermieter sowie den genauen Wortlaut notieren und festhalten, ob Zeuginnen oder Zeugen anwesend waren.
Die verfügbaren Berichte nennen keine einzelne nationale Stelle, die das Problem quantifiziert hat. Sie dokumentieren jedoch wiederkehrende Vorwürfe und geben ausländischen Einwohnerinnen und Einwohnern die Möglichkeit, ihre Erfahrungen in die öffentliche Diskussion einzubringen. Weitere Berichterstattung müsste vergleichbare Daten von Kantonen, Mieterorganisationen und Antidiskriminierungsstellen einbeziehen.
Vorgänge dokumentieren und Hilfe suchen
Wer glaubt, rechtswidrig behandelt worden zu sein, kann in der Schweiz rechtliche Schritte prüfen, wie aus dem Beschwerderatgeber von The Local hervorgeht. Der Ratgeber wurde erstmals am 5. Februar 2024 veröffentlicht und am 12. August 2025 aktualisiert. Er besagt, dass berechtigte Beschwerden über offizielle Kanäle eingereicht werden können und dass dies auch online möglich ist. Im vorliegenden Quellenauszug wird die zuständige Stelle nicht genannt und das Verfahren nicht vollständig beschrieben. Bewerberinnen und Bewerber sollten deshalb die für ihren Kanton und ihren Fall zuständige Behörde überprüfen.
Ein sinnvoller erster Schritt ist, die Vorgänge schriftlich festzuhalten. Bewahren Sie das ursprüngliche Inserat, die Korrespondenz, das Bewerbungsdossier und jede Ablehnung auf. Bitten Sie darum, wichtige Entscheidungen oder Erklärungen schriftlich zu erhalten. Notieren Sie die Namen der beteiligten Agenturen, Liegenschaftsverwaltungen oder Vermieterinnen und Vermieter. Verändern Sie keine Screenshots und leiten Sie vertrauliche Dokumente nicht unnötig weiter.
Mieterinnen und Mieter sowie künftige Mieterinnen und Mieter können sich auch beraten lassen, bevor sie einen Streitfall weiterverfolgen. Kantonale Stellen, Mieterberatungsorganisationen und spezialisierte Rechtsberatungen können erklären, ob die Fakten eine Beschwerde stützen, welche Fristen gelten und welche Belege nützlich sind. Der geeignete Weg kann davon abhängen, welches Verhalten beanstandet wird, wer beteiligt ist und in welchem Kanton sich die Liegenschaft befindet.
Eine Beschwerde garantiert weder eine Wohnung noch kann sie jede Ablehnung rückgängig machen. Sie kann eine offizielle Dokumentation schaffen und klären, ob ein Verhalten gegen geltende Regeln verstösst. Wer Hilfe sucht, sollte sich vor dem Einreichen persönlicher Dokumente über Kosten, Vertraulichkeit und Fristen informieren.
Belege und fairere Verfahren einfordern
Die Schweiz braucht bessere öffentlich zugängliche Belege, damit Politik und Fachleute aus der Wohnungsbranche Diskriminierung aufgrund der Nationalität messen können. Der Aufruf von The Local zeigt, dass ausländische Einwohnerinnen und Einwohner bereit sind, über ihre Erfahrungen bei der Wohnungs- und Stellensuche zu berichten. Der Bericht vom 9. September 2026 macht diese Erfahrungen sichtbar. Das veröffentlichte Material enthält jedoch keine repräsentative Stichprobe, keinen Prozentsatz der betroffenen Mieterinnen und Mieter und keinen Vergleich zwischen den Kantonen.
Wegen dieser Datenlücke bleiben mehrere Fragen offen. Häufen sich Ablehnungen in grossen Städten, wo die Nachfrage am stärksten ist? Werden Bewerberinnen und Bewerber mit einer Niederlassungsbewilligung anders behandelt als kürzlich Zugezogene? Wie oft geht eine dokumentierte Bevorzugung aufgrund der Nationalität von einer Eigentümerin oder einem Eigentümer, einer Verwaltungsgesellschaft oder einer informellen Vermittlungsperson aus? Antworten erfordern eine einheitliche Datenerhebung und eine sorgfältige Unterscheidung zwischen Nationalität, Aufenthaltsstatus, Einkommen und anderen zulässigen Auswahlkriterien.
Für Mieterinnen und Mieter gilt vorerst: Belege aufbewahren und sich beraten lassen, wenn eine Entscheidung offenbar auf der Nationalität beruht. Agenturen und Vermieterinnen und Vermieter können mit klaren, einheitlichen Kriterien und dokumentierten Bewerbungsverfahren willkürliche Entscheidungen verringern und zulässige Bonitätsprüfungen besser von Ausgrenzung abgrenzen.
Die verfügbaren Berichte quantifizieren das Ausmass des Problems nicht. Sie schaffen jedoch eine öffentliche Dokumentationsgrundlage, zeigen einen Weg zu offiziellen Beschwerden auf und bringen die Erfahrungen ausländischer Einwohnerinnen und Einwohner in die wohnungspolitische Debatte der Schweiz ein.