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Swiss Observer

FIFA wegen Schulgebühren für Tochter des Präsidenten in Miami in der Kritik

Eine Untersuchung zeigt, dass die FIFA monatlich 5’000 US-Dollar für die Ausbildung von Infantinos Tochter in Miami bezahlt. Das wirft Fragen zur Governance auf.

FIFA wegen Schulgebühren für Tochter des Präsidenten in Miami in der Kritik
AISWI swissinfo.ch

Erstaunliche 5’000 US-Dollar pro Monat: So viel soll die FIFA in die Ausbildung der Tochter von Präsident Gianni Infantino in Miami investieren. Während sich die Fussballwelt mit Fragen zur Governance auseinandersetzt, haben Recherchen aufgedeckt, dass der Weltverband die Kosten für eine Privatschule in Florida übernimmt. Diese belaufen sich auf rund 4’400 Franken pro Monat. Die Enthüllung erfolgt, während sich Infantino immer häufiger in den Vereinigten Staaten aufhält, angeblich um die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft 2026 zu beaufsichtigen, die gemeinsam von den USA, Mexiko und Kanada ausgerichtet wird.

Diese Zahlungsstruktur wirft unmittelbar drängende ethische Fragen auf. Kritiker ziehen bereits Parallelen zur Kritik, der Infantino wegen seines längeren Aufenthalts in Katar vor dem Turnier 2022 ausgesetzt war. Die FIFA verteidigt die Zahlungen als übliche Vergütung für Führungskräfte. Doch der Eindruck, dass ein gemeinnütziger Verein so spezifische und kostspielige private Ausgaben übernimmt, ist explosiv. Der Verband behauptet, diese Leistungen seien «vergleichbar» mit jenen für Führungskräfte anderer Unternehmen mit Sitz in der Schweiz. Für durchschnittliche Fussballfans stehen diese Beträge jedoch für eine enorme Kluft.

Der Preis des Prestiges

Die finanziellen Zuwendungen gehen weit über die Schulgebühren hinaus. Infantinos Vergütungspaket ist auf ein beispielloses Niveau gestiegen und zeichnet das Bild eines Lebensstils, der stark vom Verband subventioniert wird. Berichten zufolge trägt die FIFA erheblich zu Infantinos Wohnkosten an zwei der teuersten Orte der Welt bei: für eine Wohnung in Paris und eine Unterkunft im Kanton Zug. Allein die Miete in Zug beträgt monatlich 7’950 Franken, ein Betrag, der das durchschnittliche Wohnungsbudget eines Schweizer Haushalts bei Weitem übersteigt.

Zudem schoss das Grundgehalt des Präsidenten 2023 um massive 33 Prozent auf 4,13 Millionen Franken in die Höhe. Diese deutliche Lohnerhöhung erfolgte, obwohl die FIFA darauf besteht, dass die Vergütung von einem unabhängigen Ausschuss festgelegt wird. Die Summe dieser Leistungen, darunter Gehälter in Millionenhöhe, Zuschüsse für luxuriöse Unterkünfte in mehreren Ländern und nun auch private Schulgebühren in Miami, deutet auf eine Führungsetage hin, die sich den Aufwand eines Grossunternehmens leistet und weit von den bescheidenen Wurzeln eines Sportverbands entfernt ist.

Unternehmenslöhne, Vereinssteuern

Die FIFA verteidigt diese verschwenderischen Ausgaben mit dem Verweis auf ihre Unternehmenspraxis, hält aber gleichzeitig an einem Steuerstatus fest, wie ihn ein lokaler Verein geniesst. «Die Gesamtleistungen sind mit den Vergütungspaketen vergleichbar, die Führungskräften anderer internationaler Unternehmen angeboten werden», erklärte die FIFA als Reaktion auf die Recherchen des SonntagsBlicks. Diese Verteidigung gerät jedoch ins Wanken, wenn man die steuerliche Realität berücksichtigt. Als eingetragener Verein profitiert die FIFA von erheblichen Steuererleichterungen, die den Unternehmen, mit denen sie sich vergleicht, nicht zustehen.

Der Unterschied ist frappant. Wie der SonntagsBlick treffend feststellte: «Prozentual gesehen zahlt die FIFA nicht mehr als ein Bocciaclub.» Daraus entsteht ein Governance-Paradox: Die FIFA bezahlt ihre Führungskräfte wie Spitzenmanager multinationaler Konzerne, leistet aber nur einen Beitrag an die öffentliche Hand wie ein kleiner Dorfverein. Diese Spannung zwischen Ausgaben nach Unternehmensmassstäben und Steuerprivilegien für gemeinnützige Organisationen lässt sich gegenüber den Schweizer Behörden und der Weltöffentlichkeit immer schwieriger rechtfertigen.

Zürichs schwindender Einfluss

Während das Geld nach Miami fliesst, wird das operative Herz der FIFA nach und nach aus Zürich herausgerissen. Im September 2023 verlegte die FIFA im Rahmen einer bedeutenden strategischen Neuausrichtung wichtige Abteilungen, darunter Recht, interne Revision und Risikomanagement, in die Vereinigten Staaten. Davon waren fast 100 Stellen betroffen. Der Schritt signalisiert eine deutliche Abkehr vom historischen Schweizer Sitz des Verbands.

Die Schweiz steht nun vor einer entscheidenden Frage: Ist sie für die FIFA bloss ein steuerlicher Standort, während die tatsächliche Macht und das Personal über den Atlantik abwandern? Da sich Infantino immer häufiger in Florida aufhält und wichtige Aufsichtsfunktionen Zürich verlassen, schwindet der Schweizer Einfluss auf den Weltverband rapide. Mit dem Näherrücken der Weltmeisterschaft 2026 verlagert sich der Schwerpunkt unbestreitbar. Der Schweiz bleibt die administrative Hülle einer Organisation, deren Ausrichtung und Ausgabengewohnheiten zunehmend amerikanisch geprägt sind.