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Swiss Observer

Dubai lockt Schweizer Family Offices mit weniger strengen Vorschriften

Schweizer Family Offices, die Milliardenvermögen verwalten, prüfen eine Verlegung nach Dubai. Als Gründe nennen sie den zunehmenden regulatorischen Druck und steuerliche Bedenken in der Schweiz.

Dubai lockt Schweizer Family Offices mit weniger strengen Vorschriften
AISWI swissinfo.ch

In der globalen Vermögensverwaltung zeichnet sich ein bedeutender Wandel ab: Schweizer Family Offices, die Milliardenvermögen verwalten, richten ihren Blick zunehmend auf Dubai als neuen Standort. Diese Entwicklung fällt in eine Zeit, in der die Schweiz, traditionell ein globales Zentrum der Vermögensverwaltung, mit wachsendem Regulierungsdruck und möglichen Steuerreformen konfrontiert ist. Dies veranlasst wohlhabende Familien, ihre Präsenz im Alpenland zu überdenken.

Der Trend stellt die langjährige Stellung der Schweiz als bevorzugten Standort für die Vermögensverwaltung infrage. Sowohl Single Family Offices als auch Multi Family Offices verlegen ihren Sitz ganz nach Dubai oder eröffnen dort Niederlassungen im florierenden Finanzzentrum.

Regulierungsumfeld: Schweiz und Dubai im Vergleich

Die Unterschiede zwischen den Regulierungsrahmen der Schweiz und Dubais sind zu einem entscheidenden Faktor für diese Abwanderung geworden. Die zunehmend strengen Schweizer Vorschriften verpflichten Family Offices, die Vermögen für mehr als 20 Kundinnen und Kunden verwalten, eine Bewilligung für die Vermögensverwaltung einzuholen. Dadurch entstehen zusätzliche Compliance-Auflagen. Zudem sorgt die bevorstehende Schweizer Volksabstimmung über eine Erbschaftssteuer von 50 Prozent bei wohlhabenden Familien für Unsicherheit.

Dubai bietet dagegen ein flexibleres regulatorisches Umfeld, mit einer breiteren Definition des Begriffs «Familie» und weniger Offenlegungspflichten. Diese weniger strenge Regulierung, kombiniert mit einem starken Schutz der Privatsphäre, ist besonders attraktiv für Vermögensverwalter, die mehr unternehmerische Freiheit suchen.

Dubais wachsende Attraktivität als Zentrum der Vermögensverwaltung

Dubais Aufstieg zu einem Zentrum der Vermögensverwaltung zeigt sich in eindrücklichen Wachstumszahlen: Im Dubai International Financial Centre (DIFC) sind inzwischen 800 Family Offices ansässig, darunter 200 Neuzugänge allein im vergangenen Jahr. Die Attraktivität des Emirats beruht nicht nur auf regulatorischen Vorteilen, sondern auch auf Faktoren wie einem hohen Lebensstandard, unternehmerfreundlicher Politik und seiner strategischen geografischen Lage.

Die moderne Infrastruktur der Stadt, das steuerlich attraktive Umfeld und die politische Stabilität haben ein Ökosystem geschaffen, das für Personen mit sehr hohem Nettovermögen besonders attraktiv ist. Dubais Erfolg, Vermögensverwaltungsunternehmen anzuziehen, wurde durch globale Entwicklungen weiter gestärkt, darunter Änderungen am britischen Non-Dom-Regime und Sanktionen, die russische Vermögen betreffen.

Auswirkungen auf den Schweizer Finanzsektor

Die Abwanderung von Family Offices stellt den Schweizer Finanzsektor vor erhebliche Herausforderungen. Branchenexpertinnen und -experten weisen darauf hin, dass viele der wegziehenden Unternehmen seit Langem bestehen, hoch spezialisiert und über mehrere Generationen geführt sind und oft Vermögen von Personen ohne Schweizer Staatsangehörigkeit verwalten. Dieser Trend könnte den historischen Vorsprung der Schweiz in der Vermögensverwaltung schmälern.

Die Schweizer Finanzbranche steht vor der Herausforderung, die Einhaltung regulatorischer Vorgaben mit ihrer Attraktivität für wohlhabende Kundinnen und Kunden in Einklang zu bringen. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung, weil sie mit umfassenderen globalen Herausforderungen für das traditionelle Bankgeheimnis und einem zunehmenden Druck zu mehr finanzieller Transparenz zusammenfällt.

Ausblick und Folgen

Die anhaltende Abwanderung von Family Offices nach Dubai deutet auf einen möglichen langfristigen Wandel der globalen Vermögensverwaltung hin. Die Schweiz verfügt zwar weiterhin über bedeutende Vorteile in Bezug auf politische Stabilität, Fachwissen und Infrastruktur, doch der Trend zeigt, dass mögliche politische Anpassungen nötig sein könnten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Für Dubai stärkt der Zustrom Schweizer Family Offices den Ruf als globales Finanzzentrum. Der langfristige Erfolg dieses Wandels wird jedoch davon abhängen, ob Dubai sein attraktives regulatorisches Umfeld bewahren und zugleich jene hoch entwickelte Finanzinfrastruktur aufbauen kann, die den Erfolg der Schweiz ermöglicht hat.