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Swiss Observer

Drohnen und Freiwillige retten in der ganzen Schweiz rekordhohe 7'590 Rehkitze vor Mähmaschinen

In der Schweiz wurde ein neuer Rekord aufgestellt: Freiwillige Drohnenteams konnten in dieser Saison 7'590 Rehkitze vor landwirtschaftlichen Mähmaschinen retten. Rund 800 Teams suchten mit Wärmebilddrohnen mehr als 73'000 Hektaren Grasland ab.

Drohnen und Freiwillige retten in der ganzen Schweiz rekordhohe 7'590 Rehkitze vor Mähmaschinen
AISWI swissinfo.ch

Dank einer gross angelegten, technologiegestützten Rettungsaktion, die alle bisherigen Schweizer Rekorde gebrochen hat, leben heute beeindruckende 7'590 Rehkitze. Zwischen April und Juli schwärmte eine Armee von Freiwilligen aus und setzte Wärmebilddrohnen ein, um ein saisonales Blutbad auf den Schweizer Heuwiesen zu verhindern. Diese Zahl entspricht einem deutlichen Anstieg von mehr als 1'000 Tieren im Vergleich zu 2025 und läutet eine neue Ära im Schweizer Wildtierschutz ein. Während landwirtschaftliche Mähmaschinen für junge Rehe früher oft den sicheren Tod bedeuteten, zeigt die Saison 2026, dass menschliches Eingreifen mit modernster Technologie den Kampf gegen das versehentliche Töten gewinnt. Das Ausmass des Erfolgs ist beispiellos: Aus einer einst stillen Tragödie wurde ein lautstarker Sieg für die Biodiversität. Das ist nicht bloss eine kleine Verbesserung, sondern eine grundlegende Veränderung darin, wie die Schweiz moderne Landwirtschaft mit ökologischer Verantwortung in Einklang bringt.

Wärmebildtechnik überlistet den verhängnisvollen Duckreflex

Der natürliche Schutzmechanismus des Rehkitzes wird zu seinem grössten Feind, doch die Technologie bietet endlich ein Gegenmittel. In den ersten Lebenswochen verlassen sich Rehkitze auf einen «Duckreflex»: Sie erstarren und drücken sich auf den Boden, um Raubtieren zu entgehen. Gegen eine tonnenschwere landwirtschaftliche Mähmaschine ist dieser Instinkt jedoch nutzlos. Tief im hohen Gras verborgen, sind die Tiere für Landwirte praktisch unsichtbar. Offizielle Statistiken deuten darauf hin, dass jährlich 1'500 Rehkitze getötet werden, doch Fachleute warnen, dass die tatsächliche Zahl wahrscheinlich deutlich höher liegt. Hier kommen Drohnen ins Spiel: Mithilfe von Wärmebildtechnik können 800 Freiwilligenteams die Wärmesignaturen der verborgenen Tiere nun aus der Luft erkennen. So können die Retter die Rehkitze sicher an einen anderen Ort bringen, bevor die Mähmesser kommen. Dieser technologische Schutzschild ist das Einzige, was Tausende Tiere vor einem grausamen Ende bewahrt. Er neutralisiert wirksam eine biologische Schwachstelle, die seit Jahrtausenden besteht.

Grosse Mobilisierung auf 73'000 Hektaren

Die Logistik der diesjährigen Rettungsaktion ist monumental: Insgesamt wurde eine Fläche von 73'000 Hektaren abgesucht. Zur Einordnung: Das Suchgebiet umfasst mehr als die Hälfte der gesamten Fläche des Kantons Aargau. Für dieses gewaltige Unterfangen leisteten die Freiwilligen zusammen beeindruckende 7'700 Einsatztage, 1'400 mehr als im Vorjahr. Rehkitzrettung Schweiz hat seine Einsätze erfolgreich ausgeweitet und eine neue Generation von Pilotinnen und Piloten ausgebildet. Dadurch ist sichergestellt, dass die Drohnenflotte der Schweizerischen Tierschutzorganisation ständig im Einsatz ist. Dabei handelt es sich um eine landesweite Mobilisierung der Zivilgesellschaft: Technikaffine Bürgerinnen und Bürger arbeiten mit Landwirten zusammen, um die Landschaft zu schützen. Die immense Fläche des abgesuchten Graslands zeigt ein aussergewöhnliches Engagement der Gemeinschaft und beweist, dass die Ergebnisse statistisch eindeutig sind, wenn Technologie und Freiwilligenarbeit zusammenkommen.

Klimaveränderungen und die Zukunft des Artenschutzes

Der Rekorderfolg dieses Jahres wurde trotz und teilweise auch wegen ungewöhnlicher Wettermuster erzielt, die den landwirtschaftlichen Kalender verändern. Ein aussergewöhnlich trockener und warmer April ermöglichte es vielen Landwirten, ihre Wiesen früher als üblich zu mähen, oft noch vor dem Höhepunkt der Setzzeit. In einigen Regionen war die Gefahr dadurch vorbei, bevor die Rehkitze überhaupt geboren waren. Doch während starke Klimaschwankungen zur neuen Normalität werden, werden sich die Zeitpunkte der Geburten und Ernten weiterhin verschieben. Rehkitzrettung Schweiz richtet den Blick bereits nach vorn und startet ab August eine Reihe von Informationsveranstaltungen in der ganzen Schweiz, um für 2027 noch mehr Teams zu gewinnen. Das Ziel ist klar: eine flächendeckende Abdeckung. Da die Technologie zugänglicher wird und das Netz der Freiwilligen wächst, setzt die Schweiz weltweit Massstäbe dafür, wie Drohnen zum Wohl von Mensch und Natur eingesetzt werden können. Die Botschaft an die Welt ist unmissverständlich: Kein Tier sollte der Ernte zum Opfer fallen.