Graubünden
Ermittlungen gegen Fahrer nach tödlichem Carunfall in Graubünden
Die Schweizer Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen den Fahrer eines verunglückten Cars in Graubünden eröffnet. Bei dem Unfall kamen fünf niederländische Touristen ums Leben, weitere Passagiere wurden verletzt. Die Ermittlungen betreffen den Verdacht auf mehrfache fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung.

Fünf Menschen kamen ums Leben und 40 wurden verletzt, als ein niederländischer Reisecar im Engadin verunglückte. Die Staatsanwaltschaft Graubünden eröffnete daraufhin ein Strafverfahren gegen den Fahrer. Der Unfall ereignete sich am 10. September 2026 bei Las, zwischen Zernez und Susch.
Laut der Staatsanwaltschaft Graubünden verdächtigen die Ermittler den Fahrer der mehrfachen fahrlässigen Tötung und der mehrfachen fahrlässigen Körperverletzung. Das Verfahren stellt keine Schuld fest. Die Staatsanwaltschaft muss nun den Hergang auf der Bergstrasse rekonstruieren und klären, ob eine Pflichtverletzung zu den Todesfällen und Verletzungen beigetragen hat.
Im Car befanden sich 45 niederländische Staatsangehörige. Er kam in einem abgelegenen Gebiet im Südosten der Schweiz von der Strasse ab und kippte auf die Seite. Auch der Fahrer wurde verletzt. Die Behörden haben keine Angaben zu seinem Gesundheitszustand veröffentlicht und nicht mitgeteilt, wo er sich aufhält oder behandelt wird.
Das Ausmass des Unfalls löste am Unfallort in den Alpen einen grossen Rettungseinsatz aus. Überlebende wurden in Spitäler in mehreren Schweizer Kantonen sowie im benachbarten Österreich gebracht. Niederländische Behörden reisten ins Engadin, um die Opfer zu treffen und Betroffene zu unterstützen.
Ermittler rekonstruieren die Unfallstrecke
Der Car fuhr von Zernez nach Susch, bevor er bei Las von der Strasse abkam. Die Ermittler haben noch keinen detaillierten Bericht über die Momente vor dem Umkippen des Fahrzeugs veröffentlicht, und die Staatsanwaltschaft hat keine definitive Unfallursache genannt.
Frühere Berichte besagten, der Car sei in eine Leitplanke geprallt, habe sich überschlagen und sei eine Böschung hinuntergestürzt. Swissinfo berichtete später unter Berufung auf Keystone-SDA, das Fahrzeug sei von der Strasse abgekommen und auf die Seite gekippt. Diese Angaben beschreiben den Unfallhergang. Die strafrechtlichen Ermittlungen werden untersuchen, weshalb das Fahrzeug von seiner Fahrspur abkam und ob die Geschwindigkeit, die Strassenverhältnisse, Entscheidungen des Fahrers, Faktoren am Fahrzeug oder ein anderer Umstand eine Rolle spielten.
Die Strecke führt durch das Engadin, eine hochalpine Region, die für steiles Gelände, schmale Strassen und grosse Höhenunterschiede bekannt ist. Zernez ist ein Tor zum Schweizerischen Nationalpark, der sich über mehr als 100 Quadratkilometer im Tal erstreckt. Die Gegend zieht internationale Besucherinnen und Besucher an, besonders während der Sommersaison.
Für die Rekonstruktion dürften Fahrzeuguntersuchungen, Zeugenaussagen, Strassenvermessungen und technische Beweise herangezogen werden. Die Staatsanwaltschaft hat keinen Zeitplan für ihre Erkenntnisse bekannt gegeben. Ob Anklage erhoben wird, hängt von den während des Verfahrens gesammelten Beweisen ab.
Spitäler und niederländische Behörden unterstützen Überlebende
40 Menschen überlebten verletzt, einige davon schwer. Nach dem Unfall wurden Passagiere in Spitälern in mehreren Schweizer Kantonen und im benachbarten Österreich behandelt. Niederländische Behördenvertreter reisten in die Region, um die Betroffenen zu treffen.
Die Opfer gehörten zu einer niederländischen Reisegruppe, die während einer Reise, die in den Niederlanden begonnen hatte, durch die Schweiz fuhr. Früheren Berichten zufolge gehörte der Car Oad und unternahm von Österreich aus einen Tagesausflug in die Schweiz. Das Unternehmen erklärte, es arbeite mit den Behörden zusammen und unterstütze die Passagiere und ihre Familien.
Die niederländische Botschafterin Karin Mössenlechner besuchte am 12. September, zwei Tage nach dem Unfall, verletzte Überlebende im Engadin. Ihr Besuch unterstrich, welche grenzüberschreitende Zusammenarbeit erforderlich ist, wenn eine internationale Gruppe in einen schweren Unfall verwickelt ist. Konsularische Vertreter müssen den Familien dabei helfen, Informationen zu erhalten, die Reise zu organisieren und sich mit Schweizer Spitälern und Ermittlern abzustimmen.
Der niederländische Reisebüroverband erklärte, die Reisegruppe habe Touristen aus den Niederlanden umfasst. Erste Berichte unterschieden sich hinsichtlich der Zahl der Personen an Bord. Die spätere Schweizer Darstellung nannte jedoch 45 niederländische Staatsangehörige. Auch der Fahrer wurde verletzt. Die Behörden haben die Identität der fünf Todesopfer noch nicht bekannt gegeben, da ihre Familien zuerst benachrichtigt werden müssen.
Fall Graubünden tritt in die rechtliche Phase ein
Das Strafverfahren wird nun im Rechtssystem des Kantons Graubünden weitergeführt. Mit dem Entscheid, gegen den Fahrer zu ermitteln, liegt der nächste Schritt bei der kantonalen Staatsanwaltschaft. Sie muss den Sachverhalt feststellen, bevor sie entscheidet, ob formelle Anklage erhoben wird.
Bei Schweizer Verfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Todesfälle und Verletzungen müssen die Ermittler üblicherweise die Strassen-, Fahrzeug- und menschlichen Faktoren gemeinsam untersuchen. Die Untersuchung kann eine forensische Analyse des Cars, Daten aus Bordsystemen, medizinische Beweise, Zeugenaussagen und Einschätzungen zur Strasse umfassen. Bislang wurden keine solchen Erkenntnisse veröffentlicht.
Der Fall hat auch Auswirkungen auf Carunternehmen, die auf Alpenrouten unterwegs sind. Graubünden ist ein wichtiges Ziel des internationalen Tourismus. Auf den Strassen, die Ferienorte, Dörfer und geschützte Landschaften verbinden, sind das ganze Jahr über Besucherinnen und Besucher unterwegs. Der Unfall hat die Aufmerksamkeit erneut auf die praktischen Anforderungen beim Betrieb grosser Personentransportfahrzeuge in bergigem Gelände gelenkt. Die Behörden haben jedoch keine neuen Sicherheitsmassnahmen angekündigt.
Oad erklärte, das Unternehmen sei «tief erschüttert und vom Unfall schwer betroffen», und versprach, die Passagiere und Angehörigen zu unterstützen. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin sprach den Familien sein Beileid aus. Vorläufig stehen die medizinische Versorgung, die Benachrichtigung der Familien und die sorgfältige Rekonstruktion des Unfallhergangs bei Las im Vordergrund.