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Swiss Observer

Ermittlungen gegen Fahrer nach tödlichem Carunfall in Graubünden

Die Bündner Staatsanwaltschaft hat gegen den Fahrer eines Cars, bei dessen Unfall fünf niederländische Touristen ums Leben kamen und weitere Passagiere verletzt wurden, ein Strafverfahren eröffnet. Dem Fahrer werden mehrfach fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

Ermittlungen gegen Fahrer nach tödlichem Carunfall in Graubünden
AISWI swissinfo.ch

Fünf Personen starben und 40 weitere wurden verletzt, als am 10. September ein Car mit einer niederländischen Reisegruppe im Engadin verunfallte. Das Fahrzeug war von Zernez nach Susch im Kanton Graubünden unterwegs, als es in der Nähe des Dorfes Less von der Strasse abkam und auf die Seite kippte.

Die Staatsanwaltschaft Graubünden hat nun ein Strafverfahren gegen den Fahrer eröffnet. Die Staatsanwaltschaft untersucht mehrere Vorwürfe der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. Das Verfahren legt die Richtung der Untersuchung fest, stellt aber keine Feststellung der Schuld dar. Die Schweizer Ermittler werden klären, wie es zum Unfall kam und ob das Verhalten des Fahrers gegen die Pflichten verstiess, die von einem professionellen Carfahrer erwartet werden.

Alle 45 niederländischen Staatsangehörigen an Bord waren vom Unfall betroffen. Auch der Fahrer wurde verletzt. Die Staatsanwaltschaft hat weder seinen Gesundheitszustand bekannt gegeben noch mitgeteilt, wo er sich derzeit befindet. Der Unfall ereignete sich in einer abgelegenen Alpenregion, wo die Rettungsdienste vor der unmittelbaren Aufgabe standen, eine grosse Zahl verletzter Personen auf einer Bergstrasse zu erreichen.

Untersuchung legt die Vorwürfe fest

Dem Fahrer werden zwei Arten von Fahrlässigkeit vorgeworfen. Die Bündner Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn mehrfach, fahrlässig den Tod von Menschen verursacht und fahrlässig Körperverletzungen verursacht zu haben. Die Formulierung spiegelt die Zahl der Todesopfer und Verletzten wider. Die Untersuchung wird die konkreten Umstände hinter jedem Vorwurf klären.

Die Behörden haben keine Erkenntnisse zur Geschwindigkeit, zu den Strassenverhältnissen, zum Zustand des Fahrzeugs, zur Sicht oder zum Verhalten des Fahrers vor dem Abkommen des Cars von der Strasse veröffentlicht. Diese Einzelheiten sind weiterhin Gegenstand der Strafuntersuchung. Die Staatsanwaltschaft hat auch keine Angaben zum Gesundheitszustand oder zum aktuellen Aufenthaltsort des Fahrers gemacht. Dadurch sind verantwortungsvolle Aussagen zu den nächsten Verfahrensschritten nur begrenzt möglich.

Die Strecke zwischen Zernez und Susch führt durch die Region Oberengadin und Unterengadin, wo sich Strassen durch steiles Gelände ziehen und Ortschaften durch lange Abschnitte der Alpenlandschaft voneinander getrennt sind. Der Unfall lenkt die Aufmerksamkeit auf die Risiken, die entstehen, wenn grosse Touristenfahrzeuge auf Bergstrassen unterwegs sind. Der Fall muss jedoch anhand der von den Schweizer Behörden erhobenen Beweise beurteilt werden und nicht anhand von Annahmen, die allein auf dem Unfallort beruhen.

Überlebende werden grenzüberschreitend versorgt

Spitäler in mehreren Schweizer Kantonen und im benachbarten Österreich behandelten Überlebende nach dem Unfall. Die verletzten Passagiere erlitten laut der Kantonspolizei Graubünden Verletzungen unterschiedlichen Schweregrads, von leicht bis schwer. Auch der Fahrer gehörte zu den Verletzten, doch die Behörden haben keine weiteren medizinischen Angaben veröffentlicht.

Das Ausmass des Unglücks veranlasste die niederländischen Behörden zu reagieren. Vertreter reisten ins Engadin und trafen Menschen, die vom Unfall betroffen waren. Die niederländische Botschafterin in Bern, Karin Mössenlechner, besuchte am 11. September Überlebende. Der diplomatische Austausch fand statt, während Familien und medizinische Teams mit den Folgen eines Unfalls zu tun hatten, der eine ganze organisierte Reisegruppe betraf.

Für die Schweizer Spitäler und Rettungsdienste ging der Einsatz über den Unfallort hinaus. Die Patienten wurden über Kantons- und Landesgrenzen hinweg verteilt, was eine Koordination zwischen lokalen Behörden, medizinischen Einrichtungen und niederländischen Vertretern erforderte. Die bisher veröffentlichten Informationen konzentrieren sich auf die Opferzahlen und die strafrechtlichen Ermittlungen. Persönliche Angaben zu den Toten und Verletzten wurden in den verfügbaren Berichten nicht bekannt gegeben.

Beweise bestimmen den weiteren Verlauf

In der nächsten Phase wird aus dem verheerenden Unfall ein beweisgestützter Fall. Die Bündner Staatsanwaltschaft muss den Ablauf der Ereignisse vor dem Umkippen des Cars bei Less rekonstruieren und beurteilen, ob das Verhalten des Fahrers den rechtlichen Tatbestand fahrlässiger Delikte erfüllt. Dazu können technische Untersuchungen, Zeugenaussagen und eine Rekonstruktion der Fahrzeugbewegung gehören. Die Staatsanwaltschaft hat das vollständige Untersuchungsprogramm jedoch nicht bekannt gegeben.

Der Fall ist auch für das Verkehrsnetz im Alpenraum der Schweiz von praktischer Bedeutung. Graubünden empfängt viele Besucherinnen und Besucher auf der Strasse, und Cars verbinden regelmässig Ortschaften, Ferienorte und Bahnknotenpunkte in den Bergtälern. Jeder schwere Unfall mit einem Reisebus stellt die Einsatzbereitschaft der Rettungsdienste, die Koordination der Spitäler und die Fähigkeit der Behörden auf die Probe, mit ausländischen Familien und Regierungen zu kommunizieren.

Ein Zeitplan für die Untersuchung wurde nicht bekannt gegeben. Gegen den Fahrer bestehen Vorwürfe, und die verfügbaren Informationen belegen keine Verantwortlichkeit. Die bestätigten Fakten sind eindeutig: Fünf Personen starben, 40 wurden verletzt und 45 niederländische Staatsangehörige waren an Bord. Weitere Erkenntnisse der Bündner Behörden werden bestimmen, wie der Unfall vor Gericht und in der Öffentlichkeit beurteilt wird.