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Swiss Observer

Basel lanciert wegweisende Umweltinitiative mit Prämien für die Abmeldung von Autos

Basel-Stadt lanciert ein innovatives Umweltprogramm und bietet Einwohnerinnen und Einwohnern, die dauerhaft auf ihr Auto verzichten, ein Guthaben von CHF 1'500 für den öffentlichen Verkehr oder Velos.

Basel lanciert wegweisende Umweltinitiative mit Prämien für die Abmeldung von Autos
AISWI swissinfo.ch

Basel-Stadt hat offiziell eine radikale Ökostrategie lanciert und bietet Einwohnerinnen und Einwohnern, die dauerhaft auf ihr Fahrzeug verzichten, eine attraktive Prämie von CHF 1'500. Seit Montag, dem 22. September 2025, bittet der Kanton nicht nur um Veränderung, sondern finanziert sie auch. Dieser entschlossene Schritt des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) markiert einen Wendepunkt in der Schweizer Stadtplanung: Das abstrakte Konzept der Nachhaltigkeit wird in einen unmittelbaren finanziellen Vorteil für die Bevölkerung verwandelt.

Das Angebot ist einfach und überzeugend: Wer sein Nummernschild abgibt, erhält ein Guthaben im Gegenwert von rund 1'890 US-Dollar. Damit können ehemalige Autofahrerinnen und Autofahrer das umfangreiche öffentliche Verkehrsnetz der Stadt nutzen, einem Carsharing-Angebot beitreten oder ein Velo kaufen. Das ist eine direkte Herausforderung für den Status quo des privaten Autobesitzes im Stadtzentrum. Indem Basel den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel finanziell belohnt, setzt die Stadt ein mutiges Zeichen, das andere Kantone zweifellos genau beobachten werden. Die Botschaft ist klar: Das Zeitalter des Privatautos neigt sich dem Ende zu, und die Stadt ist bereit, für einen schnelleren Abschied zu zahlen.

Die Zukunft finanzieren: ein Engagement von CHF 700'000

Mit CHF 700'000, die im vergangenen März aus dem Verkehrsfonds freigegeben wurden, stellt die Basler Regierung ihren umweltpolitischen Worten beträchtliche Mittel zur Seite. Diese Finanzspritze ist jedoch begrenzt, was für interessierte Einwohnerinnen und Einwohner einen Wettlauf gegen die Zeit auslöst. Die Mittel reichen für genau 400 Umweltprämien. Es handelt sich also um eine befristete Chance für Schnellentschlossene und Engagierte.

Diese Knappheit verleiht dem Programm zusätzliche Dringlichkeit. Es ist keine zeitlich unbegrenzte Gratisleistung, sondern eine gezielte Massnahme, mit der Hunderte Autos sofort von Basels Strassen verschwinden sollen. Das Programm ist auf zwei Jahre angelegt, doch angesichts der attraktiven Prämie dürfte die Nachfrage stark steigen und das Budget möglicherweise lange vor Ablauf der Frist im Jahr 2027 ausgeschöpft sein. Der Grundsatz «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst» unterstreicht den Wunsch der Regierung nach raschem, messbarem Handeln statt einer schrittweisen Einführung. Für die 400 Einwohnerinnen und Einwohner, die sich einen Platz sichern, ist die finanzielle Entlastung beträchtlich. Für die Stadt ist die Rendite eine sauberere, weniger verstopfte urbane Umgebung.

Das Versprechen für drei Jahre: die Abhängigkeit vom Auto durchbrechen

Als Gegenleistung für die Unterstützung verlangt der Staat ein konkretes Opfer: eine verbindliche Verpflichtung, drei Jahre lang autofrei zu leben. Es handelt sich nicht um ein Programm mit Schlupflöchern für kurzfristiges Geld, sondern um ein Ultimatum für den Lebensstil. Teilnahmeberechtigt sind Personen zwischen 18 und 80 Jahren, die im Kanton wohnen und, entscheidend, vor der Anmeldung mindestens ein Jahr lang ein Privatauto besessen haben. So richtet sich das Programm an etablierte Autobesitzerinnen und Autobesitzer und nicht an Personen, die nie vorhatten, Auto zu fahren.

Die Teilnehmenden müssen eine formelle Einwilligungserklärung unterzeichnen und sich rechtlich verpflichten, während 36 Monaten kein neues Fahrzeug zuzulassen. Diese Bedingung schliesst Gelegenheitsprofiteure aus und richtet sich gezielt an Einwohnerinnen und Einwohner, die bereit sind, ihre Mobilitätsgewohnheiten grundlegend zu ändern. Indem Basel die Teilnehmenden auf einen Zeitraum von drei Jahren verpflichtet, setzt die Stadt darauf, dass diese nach 1'000 Tagen mit Velos, Trams und Carsharing nicht mehr zurückblicken werden. Es ist ein Verhaltensexperiment auf kommunaler Ebene, das die Abhängigkeit vom Auto ein für alle Mal durchbrechen soll.

Auf dem Weg zu Netto-Null bis 2037

Diese Initiative ist ein wichtiges Rädchen im Getriebe auf dem Weg zu Basels ehrgeizigem Klimaschutzziel: Netto-Null bis 2037. Während andere Regionen 2050 anstreben, legt Basel ein hohes Tempo vor, und das Programm zur Abmeldung von Autos ist ein konkreter Beschleuniger. Der Verkehrssektor zählt weiterhin zu den hartnäckigsten Quellen städtischer Emissionen. Dem BVD ist bewusst, dass passive Ermutigung nicht mehr ausreicht, um diese ehrgeizigen Fristen einzuhalten.

Indem der Kanton Fahrzeuge direkt von der Strasse nimmt, bekämpft er die Emissionen an ihrer Quelle. Jedes abgemeldete Auto bedeutet eine dauerhafte Verringerung von CO2, Lärmbelastung und Platzknappheit. Das Programm signalisiert einen Wandel vom «Managen» des Verkehrs zu dessen aktiver Reduktion. Während Basel sich der Realität des Klimawandels stellt, ist der Bonus von CHF 1'500 sowohl ein Anreiz für die Einwohnerinnen und Einwohner als auch ein Zeichen an die Welt: Die Stadt der Zukunft wird heute gebaut und hat keinen Platz für den Verbrennungsmotor.