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Swiss Observer

Basel führt innovatives Förderprogramm für den Verzicht aufs Auto ein

Der Kanton bietet Einwohnerinnen und Einwohnern, die auf ihr Auto verzichten, ein Guthaben von 1’500 CHF und fördert damit nachhaltige Mobilität

Basel führt innovatives Förderprogramm für den Verzicht aufs Auto ein
AISWI swissinfo.ch

Basel-Stadt hat im Kampf gegen die Verkehrsüberlastung in der Stadt offiziell den Fehdehandschuh aufgenommen. Seit diesem Montag bietet der Kanton allen Einwohnerinnen und Einwohnern, die ihr Fahrzeug dauerhaft abmelden, ein beachtliches Guthaben von 1’500 CHF. Das ist kein Scherz, sondern ein direkter finanzieller Eingriff, der die urbane Landschaft unmittelbar verändern soll. Das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) hat den «Umweltbonus» eingeführt und damit einen entschiedenen Wechsel von passiver Ermunterung zu aktiven finanziellen Anreizen signalisiert.

Einwohnerinnen und Einwohner können ihre Autoschlüssel nun gegen beträchtliche Kaufkraft im Bereich nachhaltige Mobilität eintauschen. Das Guthaben ist ausschliesslich für Abonnemente des öffentlichen Verkehrs, Carsharing-Mitgliedschaften oder den Kauf eines Fahrrads bestimmt. Indem Basel dem Leben ohne Auto einen konkreten Preis zuweist, fordert die Stadt ihre Bevölkerung auf, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Dieser mutige Schritt unterstreicht eine entscheidende Tatsache: Damit sich urbane Zentren weiterentwickeln können, muss die Vorherrschaft des privaten Autos nicht nur mit Worten, sondern auch mit finanziellen Mitteln infrage gestellt werden.

Das Drei-Jahres-Ultimatum

Dieses Angebot ist an strenge Bedingungen geknüpft. Der Kanton verlangt eine rechtlich verbindliche Verpflichtung: Wer das Geld annimmt, muss eine Einverständniserklärung unterzeichnen und sich verpflichten, mindestens drei Jahre lang kein Auto zu besitzen. Diese vertragliche Sperre soll Missbrauch des Systems verhindern und eine echte Verhaltensänderung sicherstellen. Das Programm richtet sich an eine breite Bevölkerungsgruppe. Teilnahmeberechtigt sind Einwohnerinnen und Einwohner zwischen 18 und 80 Jahren, sofern sie vor der Anmeldung mindestens ein Jahr lang ein privates Fahrzeug besessen haben.

Basel interessiert sich nicht für vorübergehende Gesten. Indem die Verwaltung den Teilnehmenden den Autobesitz während drei Jahren untersagt, zwingt sie sie zu einer langfristigen Anpassung ihres Lebensstils. Dieses strenge Prüfverfahren stellt sicher, dass der Bonus von 1’500 CHF nur Personen zugutekommt, die sich wirklich für den Wechsel entschieden haben. Es ist ein kalkuliertes Risiko: Die Hoffnung ist, dass Einwohnerinnen und Einwohner nach drei Jahren mit einem hochwertigen öffentlichen Verkehr und einer guten Veloinfrastruktur die Kosten und Mühen eines eigenen Autos nicht vermissen werden.

Knappe Mittel: Der Wettlauf um die 400 Plätze

Die Initiative ist von Grund auf auf Dringlichkeit ausgelegt. Die Basler Regierung hat einen festen Betrag von 700’000 CHF aus dem Verkehrsfonds freigegeben und damit die Anzahl der Teilnehmenden begrenzt. Die Rechnung ist eindeutig: Die Mittel reichen genau für 400 Umweltboni. Sobald diese Plätze vergeben sind, schliesst sich das Zeitfenster. Die begrenzte Verfügbarkeit löst unter den Einwohnerinnen und Einwohnern einen Wettlauf um die Subvention aus und könnte die Inanspruchnahme des Programms weit stärker beschleunigen als übliche bürokratische Abläufe.

Das Programm ist zwar auf eine Laufzeit von zwei Jahren ausgelegt, doch angesichts der begrenzten Anzahl Plätze könnte das Geld viel früher aufgebraucht sein. Das Prinzip «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst» bringt einen Wettbewerb in die Erfüllung einer Bürgerpflicht. Bei einer Bevölkerung von knapp 200’000 Menschen im Kanton bilden 400 Plätze eine sehr kleine, exklusive Gruppe von Pionierinnen und Pionieren. Wer mit dem Wechsel zögert, riskiert, ganz leer auszugehen. Damit kommt zum Umweltargument auch finanzieller Druck hinzu.

2037: Der ambitionierte Weg zu Netto-Null

Diese Initiative ist kein isoliertes Experiment, sondern ein taktischer Schachzug in einem viel grösseren Kampf gegen CO₂-Emissionen. Das BVD hat den Bonus für den Verzicht aufs Auto ausdrücklich mit Basels ehrgeizigem Klimaschutzziel «Netto-Null bis 2037» verknüpft. Während der Rest der Schweiz und Europas oft das Jahr 2050 anvisiert, eilt Basel auf einen Termin zu, der nur noch gut ein Jahrzehnt entfernt ist. Um ein solches Ziel zu erreichen, braucht es drastische und sofortige Senkungen der Verkehrsemissionen. Diese gehören nach wie vor zu den Emissionen, die am schwierigsten zu reduzieren sind.

Indem Basel Autos direkt von der Strasse wegkauft, erkennt die Stadt an, dass passive Verbesserungen der Infrastruktur nicht mehr ausreichen. Sie sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, dass die Zahl der Fahrzeuge massiv sinken muss, um das Ziel für 2037 zu erreichen. Das Programm ist ein Prüfstein für künftige Klimapolitik. Bei Erfolg könnte es den Weg für noch weiter gehende Eingriffe ebnen. Basel positioniert sich als Versuchslabor für die Zukunft der urbanen Mobilität und zeigt, dass der Weg zu Netto-Null mit mutigen Anreizen und schwierigen Entscheidungen gepflastert ist.