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Swiss Observer

Fahrzeuge mit alternativen Antrieben gewinnen auf dem Schweizer Markt an Boden

Im ersten Halbjahr 2025 nahmen die Verkäufe von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben deutlich zu, obwohl der SUV-Trend anhält.

Fahrzeuge mit alternativen Antrieben gewinnen auf dem Schweizer Markt an Boden
AISWI swissinfo.ch

Plug-in-Hybride geben 2025 den Ton an: Im ersten Halbjahr stiegen die Verkäufe von Neuwagen dieser Antriebsart um beachtliche 15,5 Prozent. Während sich die Welt auf den Umstieg in eine vollständig elektrische Zukunft konzentriert, stimmen Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer mit ihrem Portemonnaie für die Vielseitigkeit der Hybridtechnologie. Dieser Anstieg übertrifft denjenigen bei den vollelektrischen Fahrzeugen, deren Verkäufe um beachtliche, aber bescheidenere 8,6 Prozent zunahmen. Auch Mild-Hybride, bei denen Elektromotoren den Antrieb unterstützen, statt das Fahrzeug allein anzutreiben, legen im Neuwagensegment mit einem Plus von 12,6 Prozent stark zu.

Der Auslöser für diesen Wandel ist klar: Strengere CO2-Ziele im Detailhandel zwingen den Markt zum Handeln und veranlassen die Hersteller, die Ausstellungsflächen mit emissionsärmeren Optionen zu füllen. Die Daten zeigen jedoch ein differenziertes Bild. Die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten setzen auf umweltfreundlichere Technologien, aber zu ihren eigenen Bedingungen. Sie bevorzugen die zusätzliche Sicherheit eines Verbrennungsmotors in Kombination mit der Effizienz eines Elektroantriebs gegenüber einem vollständigen Umstieg auf Batteriebetrieb. Die Botschaft von der Strasse ist eindeutig: Alternative Antriebe sind nicht länger «alternativ», sondern werden rasch zum Standard.

Der SUV-Boom bleibt ungebrochen

Trotz der sich zuspitzenden Klimakrise und hitziger politischer Debatten über die Besteuerung von SUVs bleibt der Appetit der Schweizerinnen und Schweizer auf schwere Fahrzeuge ungebrochen. Die Zahlen zeichnen das Bild eines Marktes, der nicht kleiner werden will: Innerhalb von nur sechs Monaten wurden auf AutoScout24 mehr als 40'000 neue SUVs und ganze 150'000 gebrauchte SUVs ausgeschrieben. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Plus von 3,4 Prozent bei den Neuwagen und 5,4 Prozent bei den Gebrauchtwagen.

Kritikerinnen und Kritiker hofften, dass Nachhaltigkeitskampagnen und mögliche Steuerabgaben die Attraktivität dieser Strassenriesen schmälern würden. Sie irrten sich. Die Daten legen nahe, dass für durchschnittliche Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer Nutzwert, Sicherheit und Status weiterhin wichtiger sind als ökologische Zurückhaltung. Interessanterweise erstreckt sich der Wunsch nach mehr Platz über SUVs hinaus: Minivans, ein Segment, das viele Analysten bereits abgeschrieben hatten, verzeichneten bei den Neuwagenausschreibungen ein überraschendes Wachstum von 6,7 Prozent. Der Schweizer Markt sendet ein klares, widersprüchliches Signal: Autofahrerinnen und Autofahrer wollen sauberere Motoren, sind aber nicht bereit, dafür auf die Grösse und Leistung ihrer Fahrzeuge zu verzichten.

Auch der Occasionsmarkt setzt auf Elektrifizierung

Die Revolution beschränkt sich nicht auf die Neuwagenausstellungen: Auch der Occasionsmarkt wird zunehmend elektrifiziert. In einem deutlichen Wandel im Gebrauchtwagensektor legten die Ausschreibungen für Mild-Hybride um bemerkenswerte 19,2 Prozent zu, während Plug-in-Hybride mit einem kräftigen Plus von 14,5 Prozent folgten. Das zeigt, dass alternative Antriebstechnologien inzwischen so ausgereift sind, dass sie auch den Occasionsmarkt stark durchdringen.

«Wir haben festgestellt, dass die Akzeptanz von Hybridantrieben in der Schweiz kontinuierlich wächst», sagt Alberto Sanz de Lama, CEO von AutoScout24. Seine Beobachtung unterstreicht einen entscheidenden Wendepunkt: Das Vertrauen in die Lebensdauer von Batterien und die Zuverlässigkeit von Hybridfahrzeugen ist so gross, dass Käuferinnen und Käufer bereit sind, in elektrifizierte Occasionen zu investieren. Da diese Technologien von den höherpreisigen Neuwagen in den breiteren Gebrauchtwagenmarkt gelangen, wird der Fahrzeugbestand auf Schweizer Strassen schneller sauberer. Möglich machen dies das grössere Angebot und das wachsende Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten.

Deutsche Automobilriesen behaupten ihre Spitzenposition

Bei der Markentreue bleiben die Schweizerinnen und Schweizer ihren Gewohnheiten treu. Die Volkswagen Group hält sich weiterhin fest an der Spitze. Im Neuwagensegment gehören der Škoda Fabia, der VW Golf und der VW Polo nach wie vor zu den meist ausgeschriebenen Modellen. Diese kompakten Verkaufsschlager verbinden Zuverlässigkeit und Effizienz, Eigenschaften, die die aktuelle Marktstimmung prägen.

Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt zeigt sich eine ähnliche Dominanz deutscher Marken. Der VW Golf, der Škoda Octavia und der VW Tiguan sind die unbestrittenen Spitzenreiter auf den Inserateseiten. Dass der Tiguan unter den drei meist ausgeschriebenen Modellen ist, bekräftigt den unaufhaltsamen SUV-Trend zusätzlich. Im zweiten Halbjahr 2025 wird es für die Konkurrenz eine grosse Herausforderung sein. Um diese Vormachtstellung zu brechen, müssen konkurrierende Hersteller mehr als nur alternative Antriebe anbieten: Sie müssen die etablierten Ikonen der Schweizer Autokultur vom Thron stossen.