Mercosur
Mercosur-Handelsabkommen nach Zustimmung des Ständerats zurück im Schweizer Parlament
Der Schweizer Ständerat hat das Mercosur-Handelsabkommen genehmigt und gleichzeitig 517 Millionen Franken für die Landwirtschaft gesprochen. Damit geht das Abkommen zurück an den Nationalrat. Der Artikel erläutert den Kompromiss, die Einwände wegen Abholzung und Arbeitsrechten sowie die Aussichten des Abkommens.

Der Ständerat stimmte am Montag, 15. September, mit 35 zu sieben Stimmen und schickte das Mercosur-Abkommen der Schweiz zurück in einen umstrittenen parlamentarischen Prozess. Die kleine Kammer genehmigte den Vertrag und sprach gleichzeitig ein Unterstützungspaket für die Landwirtschaft von 517 Millionen Franken für die Jahre 2028 bis 2033. Damit erhält ein Abkommen neuen Auftrieb, das der Nationalrat im Juni nach heftigen Reaktionen der Bauern knapp abgelehnt hatte.
Die Abstimmung eröffnet dem Vertrag einen neuen Weg durchs Parlament, entscheidet aber nicht über seine Zukunft. Der Nationalrat muss das Abkommen erneut beraten, nachdem er es in der Schlussabstimmung abgelehnt hatte. Sein früherer Entscheid spiegelte den Druck der Bauern wider, die argumentierten, zusätzliche Importe aus Südamerika könnten den Wettbewerb in einem ohnehin schwierigen Markt verschärfen.
Das Abkommen wurde letztes Jahr zwischen der EFTA, der auch die Schweiz angehört, und Mercosur geschlossen, dem südamerikanischen Staatenbund aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Es würde die Zölle für Schweizer Exporteure senken und gleichzeitig den Schweizer Markt durch zusätzliche Kontingente für südamerikanische Produkte, darunter Fleisch und Wein, öffnen.
Mit seiner Zustimmung verbindet der Ständerat Handelspolitik mit einem finanziellen Zugeständnis an die Landwirtschaft. Ob dieser Kompromiss im Nationalrat eine Mehrheit findet, wird darüber entscheiden, ob die Schweiz das Abkommen ratifiziert.
Parlament stützt landwirtschaftlichen Kompromiss
Das Paket von 517 Millionen Franken ist der Kompromiss, der dem Abkommen den Weg zurück durchs Parlament ebnen soll. Das Geld soll die Schweizer Landwirtschaft von 2028 bis 2033 unterstützen, nach monatelangem politischen Druck wegen der Folgen der Handelsliberalisierung.
Die Bauern hatten über einen längeren Zeitraum, von 2028 bis 2035, 880 Millionen Franken gefordert. Das Parlament lehnte diesen Vorschlag ab. Die Differenz zwischen der Forderung der Branche und dem vom Ständerat bewilligten Betrag zeigt die Grenzen des Kompromisses, insbesondere für Landwirtschaftsorganisationen, die neue Importkontingente als zusätzliches Risiko für die Einkommen der Bauern betrachten.
Schweizer Bauern befürchten eine stärkere Konkurrenz aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Das Abkommen würde im Rahmen ausgehandelter Kontingente zusätzliche Importe von Fleisch und Wein aus diesen Ländern in die Schweiz ermöglichen. Deshalb verlangten Produzenten finanzielle Schutzmassnahmen, während das Parlament den Vertrag prüfte.
Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat argumentiert, die aktuellen Schwierigkeiten der Landwirtschaft stünden nicht mit dem Mercosur-Abkommen in Zusammenhang. Er sagte zudem, der Vertrag komme den Schweizer Agrarexporten zugute. Der Entscheid des Ständerats stellt diese Aussagen einer klar definierten Unterstützungsmassnahme gegenüber. Der Nationalrat muss nun entscheiden, ob das Paket die Anliegen der Branche ausreichend berücksichtigt, um das Ergebnis der Juni-Abstimmung zu ändern.
Einsparungen bei Zöllen sprechen für das Abkommen
Das Abkommen könnte der Schweiz jährlich 150 Millionen Franken an Zöllen ersparen. Schweizer Exporteure erhielten in den Mercosur-Märkten günstigere Zollbedingungen. Das könnte Unternehmen zugutekommen, die Waren nach Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay verkaufen.
Die prognostizierten Einsparungen bilden das wichtigste wirtschaftliche Argument für eine Ratifizierung. Die Schweiz verhandelte den Vertrag über die EFTA, der sie angehört. Nach achtjährigen Gesprächen schlossen die EFTA und Mercosur das Abkommen letztes Jahr ab. Der Vertrag ist Teil der umfassenderen Bemühungen der Schweiz, den Marktzugang zu sichern, während Unternehmen weltweit mit sich wandelnden Handelsbedingungen konfrontiert sind.
Die Vorteile gehen mit gegenseitigen Verpflichtungen einher. Die Schweiz würde zusätzliche Kontingente für südamerikanische Produkte importieren, darunter mehr Fleisch und Wein. Das könnte die Auswahl für Konsumentinnen und Konsumenten vergrössern und Schweizer Produzenten zugleich in stärkere Konkurrenz zu Anbietern aus den Mercosur-Staaten bringen.
Die Verteilung der Gewinne wird politisch eine Rolle spielen. Exporteure könnten von tieferen Zöllen profitieren, während sich die Bauern um Preise und Marktanteile sorgen. Mit dem Unterstützungspaket des Ständerats soll dieser innenpolitische Druck aufgefangen werden, ohne auf die Zollsenkungen zu verzichten. Der Nationalrat muss nun den erwarteten landesweiten Handelsnutzen gegen die in der Junidebatte angesprochenen Kosten für einzelne Branchen abwägen.
Linke erneuert Einwände zu Abholzung und Arbeitsrechten
Für die politische Linke sind die Schutzmassnahmen für Umwelt und Arbeitsrechte weiterhin ungeklärt. Im Juni stimmten linke Parlamentarierinnen und Parlamentarier gegen das Abkommen, nachdem das Parlament ihre Vorschläge zur Bekämpfung von Abholzung und Zwangsarbeit abgelehnt hatte. Am Montag lehnte der Ständerat dieselben Vorschläge erneut ab.
Die Einwände betreffen die Herstellung importierter Waren und die Durchsetzung des Abkommens. Umweltorganisationen befürchten, dass ein höheres Handelsvolumen zur Abholzung beitragen könnte, insbesondere über landwirtschaftliche Lieferketten mit Bezug zu Südamerika. Organisationen, die sich für Arbeitsrechte einsetzen, haben Bedenken wegen Zwangsarbeit und der Notwendigkeit eines stärkeren Schutzes im internationalen Handel geäussert.
Der Bundesrat hat versucht, die Kritiker zu beruhigen. Guy Parmelin sagte, das Abkommen werde nicht zu einer Zunahme des Handels führen, die mit Abholzung verbunden sei. Diese Zusicherung hat nicht alle Gegner überzeugt, die konkrete Massnahmen in der parlamentarischen Position zum Vertrag verankern wollten.
Die Meinungsverschiedenheit macht die Umwelt- und Arbeitsrechtsbestimmungen zu einem klaren Streitpunkt. Der Ständerat hat der Zustimmung zum ausgehandelten Text Vorrang gegeben und zusätzliche Bedingungen abgelehnt. Bei der zweiten Beratung des Abkommens wird der Nationalrat erneut zwischen Marktzugang und durchsetzbaren Schutzmassnahmen abwägen müssen.
Nationalrat vor dem Entscheid
Der Nationalrat entscheidet nun unmittelbar über das Schicksal des Abkommens. Seine frühere Ablehnung fiel knapp aus und folgte auf eine von den Bauern angeführte Gegenbewegung. Der Ständerat hat sich nun mit einer klaren Zustimmung von 35 zu sieben Stimmen dafür ausgesprochen. Der Unterschied bei den Abstimmungsergebnissen deutet auf eine schwierige zweite Debatte hin, nicht auf einen gefestigten parlamentarischen Konsens.
Die Mitglieder des Nationalrats werden die vom Ständerat gesprochenen 517 Millionen Franken für die Landwirtschaft, die abgelehnte Forderung der Branche nach 880 Millionen Franken und die erwarteten jährlichen Zolleinsparungen von 150 Millionen Franken prüfen. Gleichzeitig werden sie erneut mit Forderungen zu den Bestimmungen über Abholzung und Zwangsarbeit konfrontiert, die der Ständerat nicht aufnehmen wollte.
Eine Ratifizierung würde der Schweiz einen besseren Zollzugang für Exporteure verschaffen und neue Importkontingente mit den Mercosur-Staaten festschreiben. Eine Ablehnung würde bedeuten, dass das EFTA-Abkommen in der Schweiz trotz der Zustimmung des Ständerats und des Arguments des Bundesrats, der Vertrag stütze die Exporte, nicht genehmigt würde.
Der nächste Entscheid hängt somit davon ab, ob der Nationalrat den finanziellen Kompromiss akzeptiert und den ausgehandelten Text weiterberaten lässt. Bauern, Exporteure, Umweltaktivistinnen und -aktivisten sowie Verfechter der Arbeitsrechte werden die Reaktion der Kammer aufmerksam verfolgen. Der Ständerat hat den Weg wieder geöffnet. Der Nationalrat muss entscheiden, ob er offen bleibt.