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Swiss Observer

Schweiz unterstützt eine Erhöhung des WHO-Budgets um 20 Prozent ab 2026

Die Schweizer Regierung unterstützt die Budgeterhöhung der Weltgesundheitsorganisation und sagt für 2025 bis 2028 zusätzliche freiwillige Beiträge in Höhe von 80 Millionen US-Dollar zu. Damit stärkt sie die Rolle der Schweiz in der globalen Gesundheitsgovernance.

Schweiz unterstützt eine Erhöhung des WHO-Budgets um 20 Prozent ab 2026
AISWI swissinfo.ch

In einem entschlossenen Schritt, um die Zukunft der internationalen Gesundheitsgovernance zu sichern, haben sich die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf eine entscheidende Erhöhung der Pflichtbeiträge um 20 Prozent ab 2026 geeinigt. Dabei handelt es sich nicht bloss um eine Budgetanpassung, sondern um eine Überlebensstrategie. Wird die Vereinbarung in der Plenarsitzung ratifiziert, wird das Budget der Organisation für den Zweijahreszeitraum 2026 bis 2027 auf beachtliche 5,1 Milliarden US-Dollar (4,2 Milliarden CHF) steigen. Diese Einigung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum ehrgeizigen Ziel, dass die Mitgliedstaaten bis zum Ende des Jahrzehnts 50 Prozent des Kernbudgets der WHO finanzieren.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus fand deutliche Worte und dankte den Staaten für ihre Unterstützung eines Plans, der eine unmittelbare Übergangsfinanzierung von fast 90 Millionen US-Dollar vorsieht. Die Botschaft aus Genf ist glasklar: Die Zeit, in der man sich für wichtige Aufgaben auf unsichere freiwillige Spenden verliess, geht zu Ende. Die Organisation stellt auf eine nachhaltige Finanzierung um. Das ist unerlässlich, um ihre Autonomie und Handlungsfähigkeit in einer Welt zu erhalten, die zunehmend von Gesundheitskrisen bedroht ist. Die Erhöhung um 20 Prozent ist ein gemeinsames Eingeständnis, dass globale Gesundheitssicherheit nicht zum Billigtarif zu haben ist.

Berns millionenschwerer Schachzug

Die Schweiz lässt ihren Worten Taten folgen und bekräftigt damit ihren Status als Gaststaat und als eine tragende Säule der globalen Diplomatie. Während andere Länder zögern, legt Bern noch nach. Die Schweizer Regierung will ihren Pflichtbeitrag im kommenden Jahr von 6,5 Millionen CHF auf rund 7 Millionen CHF erhöhen. Die eigentliche Schlagzeile ist jedoch die freiwillige Zusage: Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern, hat für den Zeitraum 2025 bis 2028 zusätzliche 80 Millionen US-Dollar zugesagt.

Diese Finanzspritze ist ein strategischer Schritt, um die in Genf ansässige Organisation in turbulenten Zeiten zu stabilisieren. Barbara Schedler Fischer, die Schweizer Botschafterin für globale Gesundheit, bekräftigte die unerschütterliche Unterstützung des Landes für Dr. Tedros’ Reformagenda. Mit dieser Finanzierung schreibt die Schweiz nicht einfach einen Check, sondern gestaltet das Mandat der WHO aktiv mit. Sie fordert, dass sich die Organisation auf ihre Kernaufgaben konzentriert: strenge globale Gesundheitsstandards festzulegen und konkrete Unterstützung vor Ort zu leisten. In der hochriskanten Arena der internationalen Diplomatie beweist die Schweiz, dass sie weiterhin eine gewichtige Akteurin und dem Multilateralismus verpflichtet ist.

Das amerikanische Loch und geopolitische Verschiebungen

Über diesen Finanzverhandlungen liegt ein bedrohlicher Schatten: der bevorstehende Austritt der Vereinigten Staaten. Da die Regierung von Donald Trump im Januar 2026 aus der WHO austreten will, steht die Organisation vor einem riesigen Finanzloch, das die globale Gesundheitssicherheit zu destabilisieren droht. Der Austritt der USA ist nicht bloss eine diplomatische Brüskierung, sondern ein finanzielles Erdbeben, das die übrigen Mitgliedstaaten zwingt, sich rasch um Stabilität zu bemühen.

Während sich Washington zurückzieht, springen andere Mächte in die Lücke. In einem dramatischen geopolitischen Gegenzug kündigte China wenige Stunden vor der allgemeinen Zusagesitzung eine umfangreiche Zusage von 500 Millionen US-Dollar über fünf Jahre an. Der Gegensatz ist deutlich: Während sich die traditionelle westliche Supermacht zurückzieht, müssen die Schweiz und andere Länder gemeinsam mit aufstrebenden Mächten die Stellung halten. Die Kräfteverhältnisse in Genf verändern sich rasch, und die Führungsverantwortung wird in Echtzeit neu verteilt. Die beständige Unterstützung der Schweiz ist ein entscheidender Anker, der verhindert, dass die Organisation angesichts dieses transatlantischen Bruchs völlig zahlungsunfähig wird.

Tedros baut Bürokratie ab, um die Organisation zu retten

Angesichts der ernüchternden Finanzlage hat Dr. Tedros einen drastischen, aber notwendigen Abbau der WHO-Bürokratie eingeleitet. Die Organisation nimmt eine radikale Umstrukturierung vor und halbiert ihr Führungsteam: Die Zahl der Führungskräfte sinkt von 14 auf nur noch 7. Zudem wird die Zahl der Abteilungen mehr als halbiert und von 76 auf überschaubare 34 reduziert. Das ist keine kosmetische Veränderung, sondern eine vollständige Neuausrichtung, die die Organisation schlanker, schneller und reaktionsfähiger machen soll.

«Entweder reduzieren wir, was diese Organisation ist und tut, oder wir geben ihr mehr Geld», warnte Tedros und stellte der Welt damit eine Entweder-oder-Entscheidung. Der Budgetentwurf für 2026 bis 2027 wurde bereits von ursprünglich 5,3 Milliarden US-Dollar auf 4,2 Milliarden US-Dollar gekürzt, sodass die Organisation ihre Aktivitäten zurückfahren muss. Diese Sparmassnahmen zeigen, dass die WHO ihre Finanzkrise ernst nimmt und auf Schweizerische und internationale Forderungen nach mehr Effizienz reagiert. Die Zeit der aufgeblähten Strukturen ist vorbei: Die WHO kämpft um ihre Relevanz und ihr wirtschaftliches Überleben.

Ein Wettlauf gegen die Zeit und die Finanzierungslücke

Trotz der neuen Zusagen und Budgeterhöhungen bleiben die Zahlen alarmierend. Die WHO kämpft mit einer erheblichen unmittelbaren Finanzierungslücke und muss allein bis Ende dieses Jahres rund 600 Millionen US-Dollar aufbringen. Für den Zeitraum 2026 bis 2027 beläuft sich die Finanzierungslücke auf beachtliche 1,6 Milliarden US-Dollar. Die jüngsten Zusagen von mindestens 170 Millionen US-Dollar aus der Schweiz und anderen verbündeten Ländern sind ein Rettungsanker, aber keine umfassende Lösung.

Dr. Tedros bezeichnete die aktuelle Finanzierung angesichts der globalen Herausforderungen, denen sich die Organisation gegenübersieht, als «äusserst bescheiden». Dazu zählen Pandemien und klimabedingte Gesundheitskrisen. Die Zeit drängt. Ohne einen anhaltenden Kapitalzufluss, um diese Milliardenlücken zu schliessen, riskiert die WHO, ihr Mandat nicht erfüllen zu können. Die Zusage der Schweiz bietet einen wichtigen Puffer. Nun stehen der Privatsektor, Stiftungen und weitere Mitgliedstaaten unter Druck, die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu überbrücken, bevor die nächste globale Gesundheitskrise ausbricht.