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Swiss Observer

Schweizer Supercomputer sichert NASA-Klimadaten angesichts möglicher US-Kürzungen

In einem vorausschauenden Schritt kopieren Schweizer Forschende riesige Mengen öffentlicher Klima- und Umweltdaten der NASA auf einen Supercomputer. Ziel ist es, wichtige Informationen für KI-Modelle zu sichern und sie vor möglichen US-Kürzungen der Fördermittel zu schützen. Damit positioniert sich die Schweiz als wichtige Hüterin der globalen Klimawissenschaft.

Schweizer Supercomputer sichert NASA-Klimadaten angesichts möglicher US-Kürzungen
AIThe Local Switzerland

Die Schweiz ist offiziell zum digitalen Tresor der Welt für Klimawissenschaft geworden. In einer gewaltigen, ein Jahr dauernden Operation haben Forschende der ETH Zürich erfolgreich eine enorme Datenmenge von 100 Petabyte an öffentlichen Klimadaten der NASA an das Schweizerische Nationale Supercomputing-Zentrum (CSCS) in Lugano übertragen. Das ist nicht bloss eine Sicherungskopie, sondern die strategische Übernahme der wichtigsten Umweltdaten unseres Planeten. Während die Vereinigten Staaten mit wechselnden politischen Prioritäten und möglichen Kürzungen der Fördermittel für Erdbeobachtungsprogramme ringen, springt die Schweiz in die Bresche. Indem die Alpenrepublik rund sechs Milliarden Dateien sichert, eine Datenmenge, die 20 Millionen abendfüllenden Spielfilmen entspricht, sorgt sie dafür, dass jahrzehntelange Messungen von Treibhausgasen, Wolkenmustern und Eisschilden der globalen Wissenschaftsgemeinschaft weiterhin zugänglich bleiben. Dieser vorausschauende Schritt positioniert die Schweiz als oberste Hüterin von Daten zur Gesundheit unseres Planeten, in einer Zeit, in der die Stabilität der Wissenschaft bedroht ist. Die von Thomas Zurbuchen, dem ehemaligen Chefwissenschaftler der NASA, geleitete Operation signalisiert einen grundlegenden Wandel im internationalen Umgang mit Klimadaten: weg von der zentralisierten Kontrolle durch die USA und hin zu einem widerstandsfähigeren, global verteilten Modell.

Das neue Gold erschliessen: 100 Petabyte an Wissen

Daten sind das neue Gold, und die Schweiz hat gerade eine riesige Goldader entdeckt. Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich, bezeichnet diesen gewaltigen Datenbestand als den unverzichtbaren Treibstoff für die nächste Generation künstlicher Intelligenz. Während herkömmliche Klimamodelle die Atmosphäre mithilfe aufwendiger mathematischer Gleichungen simulieren, lernen neue «Foundation Models» direkt aus diesen umfangreichen historischen Daten. Die Ergebnisse sind bahnbrechend. Diese KI-gestützten Systeme sind nicht nur genau, sondern fast 1000-mal schneller als die physikbasierten Modelle, die in den vergangenen dreissig Jahren verwendet wurden. Wo eine globale Wettervorhersage früher stundenlange intensive Berechnungen erforderte, kann die gebündelte Rechenleistung des CSCS heute in rund sechzig Sekunden eine globale Prognose für mehrere Tage erstellen. Diese Geschwindigkeit kann über Leben und Tod entscheiden. Schnellere Vorhersagen ermöglichen frühere Warnungen vor Überschwemmungen, Erdrutschen und Stürmen und verschaffen den Schweizer Behörden und globalen Partnern einen entscheidenden Vorteil bei der Katastrophenbewältigung. Die 100 Petabyte, die nun in Lugano liegen, sind mehr als blosse Zahlen: Sie bilden die Grundlage dafür, eine Welt im Wandel zu überstehen.

Der Supercomputer Alps übertrifft herkömmliche Wissenschaft

Im Zentrum dieser Operation steht «Alps», einer der leistungsfähigsten Supercomputer, die je gebaut wurden. Der in Lugano untergebrachte Rechner bietet die nötige rohe Rechenleistung, um 100 Petabyte unbearbeiteter Daten in nutzbare Erkenntnisse umzuwandeln. Durch die Verknüpfung der NASA-Archive mit Alps können Schweizer Forschende Muster bei globalen Niederschlägen und beim Abschmelzen des Eises erkennen, die zuvor unsichtbar waren. Die schiere Datenmenge von sechs Milliarden Dateien würde jede gewöhnliche Infrastruktur überfordern, doch Alps ist genau für diese Herausforderung ausgelegt. Indem die Daten vor Ort gespeichert werden, muss die ETH Zürich Dateien nicht mehr über den Atlantik abrufen. So können Veränderungen der Umwelt in Echtzeit analysiert werden. Diese Infrastruktur ermöglicht es der Schweiz, die Initiative «C2SM» (Center for Climate Systems Modeling) mit beispielloser Autorität anzuführen. Während andere Länder mit veralteter Hardware kämpfen, stellt die Schweizer Investition in das CSCS sicher, dass die fortschrittlichsten Klimasimulationen der Welt «Swiss Made» sind. Das Ziel ist klar: Es geht nicht mehr nur um die Speicherung von Daten, sondern um eine neue Dimension, in der KI Naturgefahren mit einer Genauigkeit vorhersagen kann, die noch vor fünf Jahren undenkbar war.

Wissenschaft vor politischer Unberechenbarkeit schützen

Der Entscheid, diese Daten zu «horten», war von einer ernüchternden Realität geprägt: der Fragilität der US-Bundesmittel. Seit seiner Rückkehr ins Amt hat US-Präsident Donald Trump massive Kürzungen bei der Klimawissenschaft und den Budgets für die Erdbeobachtung verfolgt. Der Zugang zu NASA-Daten ist zwar vorerst weiterhin offen, doch die Schweizer Wissenschaftsgemeinschaft geht kein Risiko ein. Thomas Zurbuchen, der zuvor die Wissenschaftsprogramme der NASA beaufsichtigte, weiss besser als jeder andere, dass sich der politische Wind über Nacht drehen kann. «Entscheide in der US-Regierung fallen manchmal schnell und sind nicht immer ganz offensichtlich», warnt Reto Knutti. Indem die Schweiz diese Datensätze jetzt spiegelt, schafft sie eine Art «Svalbard Global Seed Vault» für digitale Informationen. Damit werden internationale Überwachungsnetzwerke vor möglicher Zensur oder der plötzlichen Schliessung von US-Datenportalen geschützt. Darüber hinaus plant das Schweizer Team bereits, sein Archiv durch das Kopieren von Datensätzen der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) zu erweitern. Dies ist eine defensive Massnahme im Interesse der globalen Stabilität. Sie stellt sicher, dass Forschende weltweit auch dann weiterhin einen sicheren Ort für ihre Daten haben, wenn Washington die Klimaforschung abrupt einstellt: in der neutralen Schweiz.

Eine neue Ära der digitalen Souveränität der Schweiz

Diese massive Datenübertragung markiert einen Wendepunkt für die digitale Souveränität der Schweiz. Indem die Schweiz zum wichtigsten Speicherort für die Klimaarchive der NASA und der NOAA wird, ist sie nicht mehr bloss eine Nutzerin globaler Wissenschaft, sondern eine zentrale Anbieterin von Infrastruktur. Dieser Schritt hat weitreichende Auswirkungen auf die Schweizer Landwirtschaft, Wasserkraft und Versicherungsbranche, die allesamt auf hochpräzise Klimamodelle angewiesen sind, um Risiken zu bewirtschaften. Da KI die Grenzen des Machbaren immer weiter verschiebt, verschaffen 100 Petabyte «Gold» auf heimischem Boden Schweizer Tech-Start-ups und akademischen Institutionen einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil. Die Mission ist noch lange nicht abgeschlossen: Die «schwere Arbeit», diese Daten zu verstehen, hat gerade erst begonnen. Die Botschaft an die Welt ist jedoch unmissverständlich: Die Schweiz ist bereit, eine führende Rolle zu übernehmen. In einer Zeit globaler Unsicherheit hat die Alpenrepublik bewiesen, dass sie über den technischen Einsatz und den politischen Weitblick verfügt, um die wertvollste Ressource des 21. Jahrhunderts zu schützen. Die Klimadaten sind sicher, die Supercomputer laufen auf Hochtouren, und die Umweltwissenschaft hat eine neue Heimat, auf die sie sich in der Schweiz verlassen kann.