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Swiss Observer

Schweizer Franken erreicht angesichts globaler Marktunsicherheit historische Höchststände

Der Schweizer Franken erreicht gegenüber Euro und US-Dollar Rekordstände. Auslöser sind globale wirtschaftliche Spannungen und die Nachfrage nach sicheren Anlagen.

Schweizer Franken erreicht angesichts globaler Marktunsicherheit historische Höchststände
AISWI swissinfo.ch

0.8141. Diese Zahl sorgt an den Handelsplätzen in Zürich und New York für Schockwellen. Auf der dramatischen Flucht in sichere Anlagen stossen Investorinnen und Investoren massenhaft US-Dollar ab und treiben den Schweizer Franken auf historische Höchststände. Über Nacht auf Freitag fiel der Greenback auf ein Rekordtief von 0.8141 Franken und verlor innerhalb eines einzigen, von starken Schwankungen geprägten 24-Stunden-Zeitraums mehr als drei Rappen. Seither hat die Währung einen Teil ihres Werts zurückgewonnen und notiert bei rund 0.8203. Die Botschaft der Märkte ist jedoch unmissverständlich: Die Angst treibt Kapital in den Schweizer Bunker.

Dem Euro ergeht es kaum besser. Über Nacht fiel er auf ein neues Tief von 0.92162, bevor er sich leicht stabilisierte. Das ist nicht bloss eine Schwankung, sondern eine Fluchtbewegung. Während die globale Unsicherheit zunimmt, bestätigt der Schweizer Franken einmal mehr seinen Ruf als ultimative Finanzfestung der Welt. Händlerinnen und Händler bezeichnen die Bewegung als beispiellos. Eine Person sagte: «Das ist der tiefste Stand seit Jahren, wenn nicht gar ein Rekordtief.» Das enorme Tempo dieser Aufwertung signalisiert einen tiefgreifenden Vertrauensverlust in die weltweite Reservewährung. Der Franken muss nun die Last der globalen Verunsicherung tragen.

Trumps Zollschock erschüttert das globale Vertrauen

Der Ursprung dieser finanziellen Turbulenzen liegt im Weissen Haus. Die sprunghaften und aggressiven Wirtschaftspolitiken von Präsident Donald Trump untergraben das Vertrauen der Investorinnen und Investoren Stück für Stück. Die jüngste Hiobsbotschaft bestätigt, dass die US-Zölle auf China auf atemberaubende 145 Prozent gestiegen sind, deutlich mehr als die zuvor angekündigten 125 Prozent. Dieser aggressive Protektionismus setzt die diplomatischen Spielregeln ausser Kraft und zwingt die Märkte, sich auf einen langwierigen und brutalen Handelskrieg einzustellen.

«In den vergangenen Wochen ist viel Geschirr zerschlagen worden», sagte ein Händler und verwies auf den irreversiblen Schaden für die globalen Handelsbeziehungen. Zwar kündigte die US-Regierung für einige Länder eine 90-tägige Zollpause an, doch die Unberechenbarkeit der US-Politik bleibt ein toxischer Unsicherheitsfaktor. Investorinnen und Investoren hassen Unsicherheit. Derzeit steht der US-Dollar für Risiko, der Franken hingegen für Stabilität. Zusätzlich wird der Dollar durch einen deutlichen Anstieg der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen belastet. Auch dies ist ein Hinweis darauf, dass Kapital aus US-Anlagen abfliesst, während sich der Handelskrieg weiter zuspitzt.

Marktchaos: Verluste an der Wall Street, Schwankungen beim SMI

Während die Devisenmärkte zulegen, verzeichnen die Aktienmärkte massive Verluste. Die Wall Street beendete die Woche im Sturzflug: Der Dow Jones Industrial fiel um 2,5 Prozent, der technologielastige Nasdaq 100 brach um massive 4,2 Prozent ein. Die Erholungsrally, die durch die vorübergehende Zollpause ausgelöst worden war, verpuffte sofort, als die Realität der 145-prozentigen Zölle auf China deutlich wurde. Die Volatilität greift um sich und breitet sich von New York bis nach Tokio aus, wo japanische Aktien erhebliche Verluste erlitten.

In der Schweiz fährt der Swiss Market Index (SMI) eine eigene Achterbahnfahrt. Am Donnerstag schoss der Index in der Spitze um beeindruckende 8 Prozent nach oben, gab danach aber den grössten Teil der Gewinne wieder ab und schloss mit einem Plus von 3,3 Prozent. Diese extremen Schwankungen unterstreichen, wie fragil das aktuelle Marktumfeld ist. Selbst wenn der starke Franken die Schweizer Exporteure belastet, sorgen die enormen Kapitalbewegungen im System für heftige Kursschwankungen im Tagesverlauf. Die Investorinnen und Investoren sind nervös und reagieren impulsiv. Verzweifelt suchen sie nach einem sicheren Halt, während der SMI zwischen die Fronten der globalen Marktstimmung gerät.

SNB unter Druck: Das Dilemma einer Notfallzinssenkung

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) steht nun vor einem kritischen Dilemma. Der stark steigende Franken ist ein Albtraum für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft, und der Druck, einzugreifen, nimmt rasch zu. Ökonominnen und Ökonomen der UBS schlagen bereits Alarm und sagen, eine «Notfallzinssenkung» könnte die letzte verbleibende Massnahme sein. «Eine Zinssenkung der SNB im Juni könnte notwendig werden, falls der Schweizer Franken von seinem aktuellen Niveau aus nicht an Wert verliert», warnt die jüngste Studie der Bank.

Die SNB bewegt sich jedoch auf einem geopolitischen Drahtseil. Direkte Eingriffe am Devisenmarkt bergen das erhebliche Risiko, dass die USA die Schweiz als «Währungsmanipulatorin» bezeichnen. Eine solche Einstufung könnte Vergeltungszölle der Trump-Regierung nach sich ziehen. Die Nationalbank ist in der Zwickmühle: Sie kann zulassen, dass der Franken die Schweizer Industrie abwürgt, oder eingreifen und den Zorn Washingtons riskieren. Die UBS prognostiziert, dass der Wechselkurs EUR/CHF bis Juni wieder auf 0.95 steigen könnte, sofern sich die Lage entspannt. Der aktuelle Trend deutet jedoch darauf hin, dass die SNB früher oder später zu einem drastischen Schritt gezwungen sein könnte.