Wirtschaft
Schweizer Beschäftigungswachstum verlangsamt sich, Zahl offener Stellen sinkt
Die neuesten Beschäftigungszahlen zeigen ein Wachstum von 0,9 Prozent, während die Zahl der offenen Stellen um 17,1 Prozent zurückgeht. Das deutet auf einen Wandel am Arbeitsmarkt hin.

Der Schweizer Arbeitsmarkt sendet zu Beginn des Jahres 2025 gemischte Signale. Die Zahl der Arbeitsplätze ist zwar auf beeindruckende 5,5 Millionen gestiegen, ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, doch der Wachstumsmotor verliert unbestreitbar an Schwung. Das Bundesamt für Statistik (BFS) bestätigte am Montag, dass die Wirtschaft bis Ende 2024 zwar 48 300 neue Stellen hinzugewonnen hat, die aggressiven Einstellungswellen der Zeit nach der Pandemie aber offenbar vorbei sind.
Die Entwicklung zeugt von Widerstandsfähigkeit, ist aber von Vorsicht geprägt. Das gesamte Beschäftigungsvolumen, gemessen in Vollzeitäquivalenten, stieg kräftig um 1 Prozent auf 4,3 Millionen. Dieses Wachstum hat jedoch einen Vorbehalt: Die Dynamik lässt nach. Die Schweizer Wirtschaft erlebt einen Wandel, weg von einem Arbeitsmarkt, auf dem die Arbeitnehmenden die Bedingungen bestimmen, hin zu einem Markt, in dem die Arbeitgeber zunehmend selektiv vorgehen. Die Zahlen sprechen für sich: Die Erwerbsbevölkerung ist zwar grösser als je zuvor, doch die Bereitschaft zur Expansion nimmt ab.
Offene Stellen brechen ein, die Nachfrage lässt nach
Der alarmierendste Wert im BFS-Bericht ist der dramatische Einbruch bei den offenen Stellen. Ihre Zahl ist gegenüber dem Vorjahr um 17,1 Prozent gesunken. Diese deutliche Korrektur signalisiert, dass Unternehmen bei der Rekrutierung auf die Bremse treten. Der Rückgang betrifft sowohl den sekundären Sektor (Industrie) mit einem Minus von 17,5 Prozent als auch den tertiären Sektor (Dienstleistungen), wo die Zahl um 17 Prozent zurückging.
Derzeit machen offene Stellen nur 1,6 Prozent aller Arbeitsplätze aus. Dieser Rückgang hat für überlastete Personalabteilungen auch eine positive Seite: Der berüchtigte Fachkräftemangel lässt nach. Die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierten Personals gingen deutlich zurück, und zwar um 2,5 Prozentpunkte auf 37,6 Prozent. Unternehmen müssen nicht mehr um jeden Preis Stellen besetzen, sondern konsolidieren stattdessen ihre bestehende Belegschaft. Der «War for Talent» kühlt sich ab, und eine Phase strategischer Mitarbeiterbindung beginnt.
Sektoren im Vergleich: Dienstleistungen überholen die Industrie
Das wirtschaftliche Herz der Schweiz ist nach wie vor der Dienstleistungssektor, der weiterhin den grössten Teil des Beschäftigungswachstums trägt. Im tertiären Sektor kamen 41 600 Stellen hinzu, ein Plus von 1 Prozent. Damit umfasst er insgesamt stattliche 4,4 Millionen Beschäftigte. Im deutlichen Gegensatz dazu verzeichnete der sekundäre Sektor, zu dem Industrie und Baugewerbe gehören, nur einen bescheidenen Zuwachs: 6700 Stellen beziehungsweise 0,6 Prozent. Damit stieg die Zahl der Beschäftigten auf 1,1 Millionen.
Auch die demografische Zusammensetzung verändert sich. Frauen machen inzwischen 46,7 Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung aus und sind bei der Teilzeitarbeit deutlich in der Mehrheit. Von den 2,3 Millionen Menschen, die in der Schweiz Teilzeit arbeiten, sind fast 70 Prozent Frauen. Die strukturelle Abhängigkeit vom Dienstleistungssektor und von Teilzeitarbeit macht auf eine mögliche Schwachstelle aufmerksam: Wenn der Dienstleistungssektor niest, könnte sich der gesamte Schweizer Arbeitsmarkt erkälten.
Ausblick 2025: Vorsicht statt Zuversicht
Mit Blick auf die Zukunft weicht die Zuversicht in den Schweizer Chefetagen zunehmend einer vorsichtigen Haltung. Frühindikatoren für Anfang 2025 deuten darauf hin, dass sich die Lage weiter abkühlen dürfte. Der Anteil der Unternehmen, die ihren Personalbestand erhöhen wollen, ist auf 11,7 Prozent gesunken, gegenüber 12,5 Prozent ein Jahr zuvor. Gleichzeitig stieg der Anteil der Unternehmen, die einen Stellenabbau planen, auf 4,7 Prozent.
Der Beschäftigungsausblick ist zurückgegangen und spiegelt die spürbare Zurückhaltung der Unternehmensleitungen wider. Zwar stehen wir nicht vor einer Krise, doch die Daten deuten auf eine sich anbahnende Stagnation hin. Da die Rekrutierungsschwierigkeiten nachlassen und die Zahl der offenen Stellen sinkt, könnte 2025 für die Schweizer Arbeitnehmenden eher ein Jahr der Stabilität als eines der Chancen werden. Die Botschaft ist klar: Der Boom ist vorbei, und eine neue, vorsichtigere Realität setzt sich durch.