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Swiss Observer

SNB steigt mit US-Aktienportfolio im Wert von 167 Milliarden Dollar zur bedeutenden Silicon-Valley-Investorin auf

Die Schweizerische Nationalbank gehört zu den grössten Technologieinvestoren der Welt. Sie hält bedeutende Beteiligungen an grossen US-Technologieunternehmen, deren Wert sich auf fast ein Fünftel des nationalen BIP beläuft.

SNB steigt mit US-Aktienportfolio im Wert von 167 Milliarden Dollar zur bedeutenden Silicon-Valley-Investorin auf
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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat sich unauffällig zu einem globalen Finanzriesen entwickelt und ein beeindruckendes US-Aktienportfolio im Wert von 167 Milliarden Dollar aufgebaut. Sie ist nicht einfach eine konservative Zentralbank, die Reserven verwaltet, sondern eine Kraft, die die Märkte bewegt. Ihr Aktienportfolio entspricht inzwischen fast einem Fünftel der gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung der Schweiz. Während die Welt die Staatsfonds von Katar und Singapur im Blick hat, ist die SNB in dieselbe Liga aufgestiegen und hält allein am US-Markt mehr als 2300 Positionen.

Diese beispiellose Anhäufung von Vermögenswerten bedeutet eine radikale Abkehr von der traditionellen Zentralbankpolitik. Anders als ihre Pendants gehört die SNB nicht der nationalen Regierung. Dennoch verfügt sie über eine Finanzkraft, die mit jener der grössten staatlichen Anlagevehikel der Welt konkurriert. Mit einer Bilanzsumme von 855 Milliarden Dollar hat sich die Bank faktisch in eine gewaltige Anlagemaschine verwandelt, die in einem Umfang und mit einer Aggressivität operiert, die ihrem zurückhaltenden Schweizer Image widersprechen. Die Bekanntgabe dieser Beteiligungen bestätigt den Status der SNB als echte «Grossinvestorin» im globalen Finanzwesen, die Märkte allein durch das Gewicht ihres Portfolios beeinflussen kann.

Silicon-Valley-Macht: Investitionen in die Zukunft

Die SNB setzt alles auf Big Tech. Ein gewaltiger Anteil von 42 Milliarden Dollar ihres Portfolios konzentriert sich auf nur fünf Unternehmen: Amazon, Apple, Meta, Microsoft und Nvidia. Das ist kein breit diversifiziertes Sicherheitsnetz, sondern eine stark überzeugte Wette auf die Vormachtstellung des Silicon Valley. Die Zahlen sind enorm: Allein die Apple-Beteiligung der Bank beläuft sich auf knapp 10 Milliarden Dollar, während ihre Investition in den KI-Chiphersteller Nvidia auf über 11 Milliarden Dollar gestiegen ist.

Während andere Institutionen angesichts der Warnungen vor einer Technologieblase vorsichtig vorgehen, ist die SNB zu einer bedeutenden Aktionärin der Unternehmen geworden, die das 21. Jahrhundert prägen. Diese Strategie verknüpft die Stabilität des Schweizer Frankens direkt mit der Volatilität amerikanischer Technologiewerte. Das Engagement der Bank ist deutlich höher als jenes der Bank of Japan, die auf ETFs setzt. Damit ist die SNB ein Sonderfall: eine konservative Institution, die sich wie ein aggressiver Wachstumsfonds verhält und direkte Beteiligungen am volatilsten und wertvollsten Sektor der Welt hält.

Gegen den Franken ankämpfen: Was hinter der Ausgabenoffensive steckt

Diese massive Anhäufung ausländischer Aktien ist nicht aus Gier, sondern aus Notwendigkeit entstanden. Der Schweizer Franken hat derzeit mit den Folgen seines eigenen Erfolgs zu kämpfen und ist allein in diesem Jahr gegenüber dem US-Dollar um mehr als 13 Prozent gestiegen. Während globale Anlegerinnen und Anleger angesichts geopolitischer Unruhen und der Zollschocks von US-Präsident Donald Trump in den Schweizer «sicheren Hafen» flüchten, droht die anhaltende Stärke des Frankens die Schweizer Exportwirtschaft zu erdrücken und eine Deflationsspirale auszulösen.

Um dem entgegenzuwirken, muss die SNB aggressiv intervenieren. Anders als die Federal Reserve oder die Europäische Zentralbank, die eigene Staatsanleihen kaufen, um die Zinsen zu beeinflussen, muss die SNB im Ausland investieren. Sie verkauft Franken und kauft ausländische Währungen, vor allem Dollar und Euro. Analystinnen und Analysten bezeichnen diese Strategie als «ausländische quantitative Lockerung». Diese Flut ausländischen Kapitals muss irgendwohin fliessen. In den vergangenen zehn Jahren hat die SNB sie in die weltweit erfolgreichste Anlageklasse gelenkt: US-Aktien. Rund 87 Prozent der Bilanz der Bank bestehen inzwischen aus Fremdwährungsanlagen. Sie bilden eine verzweifelte Schutzmauer, die die Binnenwirtschaft vor der erdrückenden Stärke der eigenen Währung bewahren soll.

Staatsfonds-Ambitionen: Hohe Einsätze in einem volatilen Markt

Die Grenze zwischen Zentralbank und Staatsfonds ist verschwommen. «Die Schweiz braucht keinen Staatsfonds, wenn wir die SNB haben», sagt Arturo Bris von der IMD Business School. Diese Doppelrolle birgt jedoch erhebliche Risiken. Die SNB betont, dass diese Anlagen ausschliesslich der Währungssteuerung dienen. Doch allein der enorme Umfang ihrer Beteiligungen, 167 Milliarden Dollar in Aktien, setzt die Schweizer Bilanz den Launen der Wall Street aus.

Die Europäische Zentralbank hat bereits vor einer möglichen Blase im Technologiesektor gewarnt. Sollte die Euphorie rund um künstliche Intelligenz abflauen, könnte die Bilanz der SNB massiv schrumpfen. Gleichzeitig werden die Forderungen lauter, die Bank solle diesen gewaltigen Geldbestand aktiver verwalten, um für die Schweizer Kantone Renditen zu erwirtschaften. Die SNB steht an einem entscheidenden Punkt: Sie hält einen Tiger am Schwanz und muss ein enormes Engagement in ausländischen Anlagen aufrechterhalten, um die heimische Wirtschaft zu schützen, während sie sich zugleich in einem Markt bewegt, den viele Fachleute für überhitzt halten.