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Swiss Observer

Sepsis fordert in der Schweiz jährlich 4'000 Menschenleben, Kampagne setzt sich für rascheres Handeln ein

Sepsis fordert in der Schweiz jedes Jahr rund 4'000 Menschenleben. Die frühen Symptome sind jedoch oft schwer zu erkennen. Eine neue Patienten- und Angehörigenvereinigung setzt sich für mehr Aufmerksamkeit, Unterstützung und raschere Reaktionen bei diesem medizinischen Notfall ein.

Sepsis fordert in der Schweiz jährlich 4'000 Menschenleben, Kampagne setzt sich für rascheres Handeln ein
AISWI swissinfo.ch

In der Schweiz sterben jedes Jahr rund 4'000 Menschen an Sepsis. Diese Zahl steht im Zentrum einer neuen Sensibilisierungskampagne, die im Vorfeld des Welt-Sepsis-Tags am Sonntag, 13. September 2026, lanciert wurde. Das Swiss Sepsis Programme ruft die Bevölkerung dazu auf, die Erkrankung rasch zu erkennen, da die Symptome im Frühstadium schwer zu identifizieren sein können und eine Verschlechterung zu einem medizinischen Notfall führen kann.

Gemäss den vom Programm zitierten Zahlen verzeichnen Schweizer Spitäler jährlich rund 20'000 Sepsisfälle. Etwa einer von fünf Fällen endet tödlich. Die Zahl der Todesfälle entspricht laut dem Programm ungefähr der kombinierten Zahl der Menschen, die an Brust-, Darm- und Prostatakrebs sterben.

Die Kampagne setzt auf eine einfache Reaktion: Bei Verdacht auf Sepsis ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich. Sepsis kann jede und jeden treffen, und die ersten Anzeichen lassen die Schwere der Erkrankung möglicherweise nicht klar erkennen. Verzögerungen können die Chancen verringern, die zugrunde liegende Infektion zu behandeln und Komplikationen zu verhindern.

Die Botschaft wird von einer neuen Organisation vermittelt, die von Patientinnen und Patienten sowie Angehörigen gegründet wurde, die selbst Erfahrungen mit der Erkrankung gemacht haben. Ihr Ziel ist es, Sepsis stärker auf die Agenda der öffentlichen Gesundheit zu setzen und Familien dabei zu helfen, rascher zu handeln, wenn es einer nahestehenden Person ernsthaft schlecht geht.

Frühe Anzeichen können im Gesamtbild einer Erkrankung untergehen

Sepsis führt jedes Jahr dazu, dass rund 20'000 Menschen in Schweizer Spitälern behandelt werden. Die Erkrankung entsteht, wenn der Körper gefährlich auf eine Infektion reagiert. Die ersten Symptome können mit einer weniger schweren Erkrankung verwechselt werden. Das Ausgangsmaterial enthält keine einzelne Symptomliste. Umso wichtiger ist eine professionelle Einschätzung, wenn sich der Zustand einer Person rasch verschlechtert.

Das Swiss Sepsis Programme sagt, dass Sepsis jede und jeden treffen kann. Dieses breite Risiko ist ein Grund dafür, dass sich die Kampagne nicht nur an Spitäler und Fachkreise richtet. Angehörige, Betreuende und Patientinnen und Patienten bemerken möglicherweise als Erste, dass jemand akut erkrankt. Die öffentliche Botschaft des Programms lautet, bei Sepsisverdacht daran zu denken und sofort medizinische Hilfe zu suchen.

Die Folgen können auch nach dem Überleben anhalten. Anton Löffel, Präsident des Programms und des neu gegründeten Vereins Sepsis Switzerland, sagte, Sepsis könne dauerhafte körperliche und psychische Beeinträchtigungen, Organschäden und Amputationen verursachen.

Solche Folgen bedeuten für Patientinnen, Patienten und Angehörige eine lange Erholungszeit und reichen über den akuten Spitalaufenthalt hinaus. Eine frühere Erkennung garantiert zwar kein Überleben, kann aber eine raschere klinische Reaktion auf eine Erkrankung auslösen, die Löffel als «immer einen medizinischen Notfall» bezeichnete.

Patientinnen, Patienten und Angehörige bauen ein Unterstützungsnetzwerk auf

Sepsis Switzerland wurde in Bern von Patientinnen und Patienten sowie Angehörigengruppen gegründet. Der Verein ist aus dem Swiss Sepsis Programme hervorgegangen und soll Menschen, die von Sepsis betroffen sind, im Schweizer Gesundheitssystem eine stärkere Stimme geben.

Zu den Aufgaben des Vereins gehören eine Plattform für Austausch und Beratung. Diese Unterstützung ist wichtig, denn Sepsis kann körperliche und psychische Folgen hinterlassen, nachdem die Infektion behandelt wurde. Auch Angehörige benötigen möglicherweise Hilfe dabei, zu verstehen, was geschehen ist, sich in der Erholungsphase zurechtzufinden und Erfahrungen mit anderen auszutauschen, die denselben Notfall erlebt haben.

Mit seiner Gründung im Vorfeld des Welt-Sepsis-Tags erhält die Kampagne einen nationalen Fokus. Die verfügbaren Zahlen beziehen sich auf die ganze Schweiz und nicht auf einzelne Kantone. Sie zeigen deshalb nicht, ob die Belastung gleichmässig über das Land verteilt ist oder ob sich die Reaktionszeiten zwischen städtischen Spitälern und ländlichen Gemeinden unterscheiden. Sie zeigen aber das Ausmass der Herausforderung für die Spitäler des Landes insgesamt.

Indem Sepsis Switzerland Patientinnen, Patienten und Angehörige ins Zentrum stellt, will der Verein mehr erreichen als einen Tag Aufmerksamkeit. Er setzt sich für mehr Bewusstsein, bessere Unterstützung und raschere Reaktionen ein. Löffels Aussage «An Sepsis zu denken, heisst Leben zu retten» bringt das praktische Ziel des Vereins auf den Punkt: Bei einer möglicherweise entstehenden schweren Infektion soll Sepsis als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.

Die Schweiz steht vor einer langfristigen Kampagne für rascheres Handeln

Die Kampagne fordert die Schweiz auf, die Zeit zwischen Verdacht und Behandlung zu verkürzen. Die Jahreszahlen zeigen die Herausforderung am deutlichsten: rund 20'000 Spitalfälle und 4'000 Todesfälle. Das Swiss Sepsis Programme sagt, das Risiko werde weiterhin unterschätzt. Der neue Verein setzt sich für ein breiteres Verständnis in der Bevölkerung und eine bessere Unterstützung der Überlebenden ein.

Die Empfehlung an die Bevölkerung ist klar: Bei Verdacht auf Sepsis sofort medizinische Hilfe suchen. Betroffene sollten den Gesundheitsfachpersonen ihre Sorge deutlich schildern und erklären, wie rasch sich der Zustand der Person verändert hat. Die Kampagne ersetzt keine klinische Beurteilung, und das Ausgangsmaterial empfiehlt keine Selbstbehandlung.

Für Spitäler und Gesundheitsbehörden weisen die Zahlen auf den anhaltenden Bedarf an rascher Erkennung und koordinierter Versorgung hin. Die Perspektive von Patientinnen, Patienten und Angehörigen bei Sepsis Switzerland kann Einblicke dazu geben, was vor dem Spitaleintritt und während der Erholung geschieht. Diese Aspekte sind in Spitalstatistiken oft weniger sichtbar.

Der Welt-Sepsis-Tag gibt dem Thema einen festen Platz im Kalender, doch die Gründung des Vereins signalisiert eine längerfristige Kampagne. Ihr Erfolg hängt davon ab, ob die Sensibilisierung Haushalte, Arbeitsplätze und Betreuungsangebote im ganzen Land erreicht und ob Verdachtsfälle rascher behandelt werden, wenn jede Minute zählt.