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Swiss Observer

Schweizer Forschungsexzellenz wiederhergestellt: ERC-Förderbeiträge kehren nach dreijähriger Pause zurück

Zwanzig Schweizer Forschende erhalten zum ersten Mal seit 2021 renommierte Förderbeiträge des Europäischen Forschungsrats. Damit wird die wissenschaftliche Wiedereingliederung der Schweiz in EU-Programme markiert.

Schweizer Forschungsexzellenz wiederhergestellt: ERC-Förderbeiträge kehren nach dreijähriger Pause zurück
AISWI swissinfo.ch

Die Schweizer Wissenschaft ist zurück auf der europäischen Landkarte. Zum ersten Mal seit über drei Jahren hat der renommierte Europäische Forschungsrat (ERC) Advanced Grants an Forschende in der Schweiz vergeben und damit eine schmerzhafte Phase der Isolation beendet. Bei einem eindrücklichen Comeback haben sich 20 Schweizer Forschende diese begehrten Förderbeiträge gesichert und damit ein wichtiges Zeichen für die Wiedereingliederung in die wissenschaftliche Elite Europas gesetzt. Dieser Durchbruch folgt auf eine dreijährige Pause, die im Frühjahr 2021 begann, als die Verhandlungen über ein Rahmenabkommen mit der EU scheiterten und Schweizer Innovation aussen vor blieb.

Die Zahlen erzählen eine Geschichte der Widerstandsfähigkeit. Von insgesamt 281 geförderten Projekten auf dem Kontinent entfällt ein bedeutender Anteil auf die Schweiz. Das zeigt, dass die Qualität der Schweizer Forschung trotz politischem Gegenwind ungebrochen ist. Es handelt sich nicht bloss um eine bürokratische Neuigkeit, sondern um die Wiederherstellung des früheren Status. Die ERC Advanced Grants gehören zu den weltweit wettbewerbsintensivsten und renommiertesten Förderbeiträgen und richten sich an etablierte Forschungsleitende. Mit diesen Förderzusagen erobert sich die Schweiz ihren Platz am Tisch der europäischen Innovation mit Nachdruck zurück. Damit endet eine Durststrecke, die den Wettbewerbsvorsprung des Landes in der globalen Wissenschaft zu untergraben drohte.

Eidgenössische Hochschulen dominieren das Feld

Die Eidgenössischen Technischen Hochschulen haben ihre Vormachtstellung eindrücklich behauptet. Von den 20 an die Schweiz vergebenen Förderbeiträgen gingen sage und schreibe 12 an die beiden eidgenössischen Hochschulen. Die École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) führt mit sieben Förderbeiträgen, während die ETH Zürich mit fünf folgt. Diese Konzentration wissenschaftlicher Exzellenz unterstreicht die zentrale Rolle dieser Institutionen für den Ruf der Schweiz als Forschungsstandort auf der Weltbühne.

Der Erfolg beschränkt sich jedoch nicht auf die beiden eidgenössischen Hochschulen. Die Universität Basel sicherte sich drei Förderbeiträge und bewies damit ihre starke Forschungskapazität. Die Universitäten Bern, Genf und Zürich sowie das Paul Scherrer Institut (PSI) und das Forschungsinstitut Idiap erhielten jeweils einen Förderbeitrag. Diese Verteilung zeigt, wie breit das Talent in der Schweizer Forschungslandschaft verteilt ist. Die Botschaft ist jedoch klar: Im europäischen Wettbewerb sind EPFL und ETH Zürich die Schwergewichte, die die Schweizer Fahne hochhalten. Ihre Fähigkeit, sich in einem derart kompetitiven Umfeld Fördermittel zu sichern, in dem nur etablierte Führungskräfte erfolgreich sind, bestätigt ihren Status als führende Zentren für Spitzenforschung.

Die diplomatische Annäherung nutzen

Dieser wissenschaftliche Erfolg ist das direkte Ergebnis einer fragilen, aber entscheidenden diplomatischen Annäherung. Seit Mai 2021 waren Schweizer Forschende faktisch von diesen Förderbeiträgen ausgeschlossen. Nachdem die Schweizer Regierung die Verhandlungen über ein Rahmenabkommen abgebrochen hatte, galten sie als Forschende aus einem «nicht assoziierten Drittstaat». Die Beziehungen waren angespannt, und der Preis dafür waren verpasste Chancen und gekappte Netzwerke. Die Wende setzte erst vor Kurzem ein, als Bern und die EU-Kommission im März 2024 die Verhandlungen wieder aufnahmen.

Im Rahmen einer neuen «Übergangsregelung» wird die Schweiz für diese spezifischen Förderbeiträge wieder als «assoziierter Drittstaat» behandelt. Dieser politische Schritt hat den Zugang wieder geöffnet und ermöglicht es Schweizer Talenten, sich aufgrund ihrer Leistungen zu behaupten, statt wegen ihres geografischen Standorts ausgeschlossen zu werden. Auch wenn das politische Verhältnis insgesamt komplex bleibt, ist diese Vereinbarung eine wichtige Absicherung. Sie zeigt, dass die Wissenschaft der Politik manchmal vorausgehen kann und Türen öffnet, die die Diplomatie zuvor zugeschlagen hatte. Die Wiedereingliederung ist ein pragmatisches Eingeständnis, dass der Ausschluss eines Forschungsstandorts von der Bedeutung der Schweiz der europäischen Wissenschaft als Ganzes schadet.

Hohe Einsätze und umfangreiche Fördermittel

Die finanziellen Folgen dieser Rückkehr sind erheblich, doch es gibt einen Haken: Nicht die EU stellt die Mittel bereit, sondern die Schweiz. Das Prestige kommt zwar vom Europäischen Forschungsrat, das Geld fliesst aber aus Bern. Im April 2024 stellte die Schweizer Regierung eine umfangreiche Summe von CHF 600 Millionen (740 Millionen US-Dollar) bereit, um die Teilnahme ihrer Forschenden zu finanzieren. Bei diesem «Pay-to-play»-Modell sind die Auszeichnungen europäisch, die finanzielle Last liegt vorerst jedoch bei den Schweizer Steuerzahlenden.

Für die einzelnen Forschenden steht enorm viel auf dem Spiel. Jeder ERC Advanced Grant bietet pro Projekt bis zu 2,5 Millionen Euro (rund CHF 2,35 Millionen). Diese Förderhöhe ist wegweisend und ermöglicht es etablierten Forschenden, risikoreiche Vorhaben mit grossem Erfolgspotenzial zu verfolgen, die mit herkömmlichen Förderbeiträgen schlicht nicht unterstützt werden können. Indem die Schweizer Regierung die Mittel vorstreckt, geht sie eine kalkulierte Wette ein: Der langfristige Nutzen einer weiterhin in Europa eingebundenen Schweizer Wissenschaft überwiegt die unmittelbaren Kosten für die Staatskasse bei Weitem. Während die Verhandlungen weitergehen, hofft man auf eine vollständige Rückkehr zur Normalität. Bis dahin kauft sich die Schweiz den Weg zurück, und die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich diese Investition lohnt.