Politik
Zürichs erste Stadtpräsidentin kündigt Rückzug 2026 an
Corine Mauch, Zürichs wegweisende Stadtpräsidentin seit 2009, tritt nicht zur Wiederwahl an. Damit endet die historische Amtszeit der ersten Frau und offen homosexuellen Person an der Spitze der Stadt.

In der Schweizer Lokalpolitik steht eine bedeutende Veränderung an: Corine Mauch, die Stadtpräsidentin von Zürich, hat angekündigt, im März 2026 nicht zur Wiederwahl anzutreten. Mauch gab ihre Entscheidung am 3. März 2025 bekannt und bestätigte, dass sie diese im Herbst des Vorjahres getroffen hatte. Damit geht eine 17-jährige Amtszeit an der Spitze der grössten Stadt der Schweiz zu Ende. Mit 65 Jahren hinterlässt Mauch ein Vermächtnis: Sie war nicht nur Zürichs erste Stadtpräsidentin, sondern zählt auch zu den am längsten amtierenden Führungspersönlichkeiten der Stadt in der jüngeren Geschichte.
Hürden überwunden: Eine Pionierin der Schweizer Politik
Corine Mauchs Weg zur Zürcher Stadtpräsidentin überwand gleich mehrere Hürden in der Schweizer Politik. Im März 2009 gewählt, schrieb sie Geschichte als erste Frau und erste offen homosexuelle Person an der Spitze der wirtschaftlichen Hauptstadt der Schweiz. Mauch wurde in Iowa City in den Vereinigten Staaten geboren und brachte eine einzigartige Perspektive in die Schweizer Politik ein. Ihre Pionierrolle steht in einer Familientradition politischen Vorangehens: Ihre Mutter Ursula Mauch war das erste weibliche Mitglied des Aargauer Parlaments und die erste Frau, die für die Aargauer Regierung kandidierte. Mauchs akademischer Werdegang, darunter ihr Studium an der ETH Zürich und am Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung der Universität Lausanne, bereitete sie auf die komplexen Herausforderungen vor, eine grosse europäische Stadt zu regieren.
Erfolge und Wirkung
Während ihrer Amtszeit setzte sich Mauch für eine inklusive Politik und Stadtentwicklungsprojekte ein, die das moderne Zürich geprägt haben. Besonders bekannt wurde ihre Regierung für ihre «Einbürgerungsoffensive» und ihren Einsatz für Sans-Papiers. Sie setzte sich dafür ein, die demokratische Teilhabe von nichtschweizerischen Einwohnerinnen und Einwohnern zu stärken. Unter ihrer Führung behauptete Zürich seine Stellung als eine der lebenswertesten Städte der Welt und verfügte weiterhin über solide Finanzen und eine leistungsfähige Infrastruktur. Das Engagement der sozialdemokratischen Stadtpräsidentin für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt wurde besonders gewürdigt. Ihr Einsatz für ein gutes Zusammenleben in der Stadt bildet einen Grundpfeiler ihres Vermächtnisses.
Politischer Wechsel und Ausblick
Die Ankündigung von Mauchs Rücktritt fällt mit jener des ebenfalls sozialdemokratischen André Odermatt zusammen und signalisiert einen bedeutenden Wandel in der politischen Landschaft Zürichs. Die aktuelle Stadtregierung besteht aus vier Sozialdemokraten, zwei Grünen, einem Grünliberalen und zwei Freisinnigen. Ihr steht eine Phase des Umbruchs bevor. Durch den Zeitpunkt von Mauchs Ankündigung haben die politischen Parteien ausreichend Zeit, sich auf die Wahlen 2026 vorzubereiten. Dabei gilt es, den bisherigen Wohlstandskurs der Stadt fortzusetzen und zugleich anhaltende städtische Herausforderungen anzugehen. Mauchs Nachfolgerin oder Nachfolger übernimmt eine Stadt, die sie als «stark, prosperierend und geeint» beschreibt, und damit eine hohe Messlatte für die künftige Führung.