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Swiss Observer

Zürcher Polizei nimmt Mann nach «antisemitischem» Strassenangriff fest

Ein junger orthodoxer jüdischer Mann wurde im Zürcher Kreis 3 von einem Angreifer attackiert, der Berichten zufolge antisemitische Beschimpfungen rief. Passanten griffen ein und hielten den Verdächtigen fest, bis die Polizei eintraf und ihn in Gewahrsam nahm.

Zürcher Polizei nimmt Mann nach «antisemitischem» Strassenangriff fest
AISWI swissinfo.ch

Am Montagabend brach im Zürcher Kreis 3 Chaos aus, als ein 26-jähriger orthodoxer jüdischer Mann zum jüngsten Opfer eines gewalttätigen Hassverbrechens wurde. Um Punkt 20.15 Uhr wurde in einem Quartier, in dem viele jüdische Familien leben, die Ruhe durch einen grundlosen Angriff gestört. Ein Mann griff das junge Opfer direkt auf dem Trottoir körperlich an und schlug ohne Vorwarnung auf ihn ein.

Doch Zürich wehrte sich. Mit Zivilcourage weigerten sich Passanten, bloss zuzuschauen. Sie griffen sofort ein, überwältigten den Angreifer und hielten ihn körperlich fest, bis die Polizei eintraf. Das Opfer stand unter Schock und erlitt Kratzer am Hals und am Körper, blieb dank des raschen Eingreifens der Öffentlichkeit aber vor schlimmeren Verletzungen verschont. Dies war keine Rangelei im Verborgenen, sondern ein öffentlicher Gewaltausbruch, dem die Bevölkerung umgehend Widerstand entgegensetzte.

Das Gesicht des ungezügelten Hasses

Der Angreifer, ein 40-jähriger kosovarischer Staatsangehöriger, zeigte eine erschreckende Feindseligkeit, die auch nach seiner Fesselung anhielt. Die Polizei bestätigt, dass der Mann, der in der Schweiz keinen festen Wohnsitz hat, in Anwesenheit der Beamten weiterhin antisemitische Beschimpfungen rief. Dies war kein willkürlicher Ausbruch, sondern ein gezielter ideologischer Angriff.

Der Verdächtige war der Polizei bereits wegen anderer Delikte bekannt. Sein dreistes Verhalten zeugt von einer gefährlichen Geringschätzung möglicher Konsequenzen. Er griff einen Fremden allein wegen dessen Aussehens an. Wie der Schweizerische Israelitische Gemeindebund erklärte, wurde das Opfer «allein aufgrund seines Aussehens und seiner jüdischen Identität» zur Zielscheibe. Der Angreifer wurde inzwischen der Zürcher Staatsanwaltschaft übergeben. Seine Tat hat jedoch eine Wunde in der Gemeinschaft hinterlassen, die sich nicht allein durch ein Gerichtsverfahren heilen lässt.

Ein Anstieg gezielter Gewalt

Dieser Angriff ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom einer rasant zunehmenden Entwicklung. Seit Oktober 2023 ist die Zahl antisemitischer Vorfälle in der Schweiz stark gestiegen. Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus warnt, dass hasserfüllte Narrative «relativiert und verharmlost» würden, wodurch die Hemmschwelle für körperliche Gewalt sinke.

Die Zahlen zeichnen ein düsteres Bild. Allein 2024 registrierten die Behörden landesweit 221 antisemitische Vorfälle. Zu dieser Welle des Hasses gehörte auch ein erschreckender versuchter Brandanschlag auf eine Zürcher Synagoge. Die Häufigkeit dieser Angriffe zwingt uns, uns einer unangenehmen Realität zu stellen: Antisemitismus ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern eine gegenwärtige und wachsende Gefahr auf Schweizer Strassen. Der psychologische Schutzwall, der jüdische Bürgerinnen und Bürger umgibt, bröckelt. An seine Stelle tritt ein Klima, in dem aus Beschimpfungen erschreckend schnell Schläge werden.

Echo eines düsteren Trends

Die Gewalt vom Montag weckt beklemmende Erinnerungen an den März 2024, als die Strassen Zürichs Schauplatz einer beinahe tödlichen Messerattacke wurden. Bei diesem erschütternden Vorfall verletzte ein 15-Jähriger einen orthodoxen Juden schwer und erklärte später, dem Islamischen Staat die Treue geschworen zu haben. Der Angriff war ein Weckruf, doch die Gewalt geht weiter.

Der aktuelle Angreifer setzte zwar Fäuste statt eines Messers ein, doch die Absicht, jemanden wegen seiner Identität zu verletzen, ist dieselbe. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund hält fest, dass es sich nicht um vereinzelte Rangeleien handelt, sondern um ein systemisches Problem: Jüdische Menschen werden in ihren eigenen Quartieren verfolgt. Dass diese Angriffe anhalten, von online radikalisierten Jugendlichen bis zu älteren Männern mit Vorstrafen, deutet auf ein weitverbreitetes gesellschaftliches Versagen hin, die Radikalisierung und den Hass einzudämmen.

Zürich verstärkt seine Schutzmassnahmen

Als Reaktion auf diese akute Bedrohung investiert die Stadtregierung nun endlich dort, wo die Gefahr besteht. Das Zürcher Stadtparlament hat beschlossen, die Sicherheitsausgaben für jüdische Institutionen zu verdoppeln und das Budget von 1 Million Franken auf 2 Millionen Franken (2,2 Millionen US-Dollar) zu erhöhen. Das kantonale Parlament ist mit einer gleich hohen Zusage nachgezogen.

Die beträchtlichen zusätzlichen Mittel sind für den baulichen Schutz von Synagogen, Schulen und Gemeindezentren bestimmt. Der Staat beteiligt sich zwar an diesen Kosten, doch die Notwendigkeit solcher Massnahmen spricht Bände. Wir leben nun in einem Zürich, in dem Gotteshäuser eine Festungssicherheit benötigen. Die finanzielle Unterstützung ist zwar ein notwendiger Schritt, doch bleibt die Frage: Kann mehr Geld allein den Hass beseitigen, der solche Massnahmen nötig macht?