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Swiss Observer

Zürcher Wohnungsinitiative «Für unser Volk» sammelt genügend Unterschriften

Die Zürcher Sektion der Schweizerischen Volkspartei (SVP) meldet, sie habe genügend Unterschriften gesammelt, um eine kantonale Abstimmung über eine Initiative zu erzwingen, die Schweizer Staatsangehörige und langjährige Einwohnerinnen und Einwohner bei der Wohnungssuche bevorzugen würde, falls die Bevölkerung zehn Millionen erreicht.

Zürcher Wohnungsinitiative «Für unser Volk» sammelt genügend Unterschriften
AISWI swissinfo.ch

Die Zürcher Sektion der Schweizerischen Volkspartei (SVP) hat die Wohnungsdebatte mit Nachdruck auf die politische Bühne gebracht. In einer markanten Ankündigung am Montag bestätigte die Partei, dass sie für ihre umstrittene Initiative «Recht auf ein Zuhause, Wohnraum für unser Volk» mehr als 7'800 Unterschriften gesammelt hat. Damit übertrifft sie die erforderlichen 6'000 gültigen Unterschriften für eine kantonale Abstimmung im Kanton Zürich deutlich.

Die Partei lässt keine Zeit verstreichen. Die Unterschriften sollen am Dienstag offiziell eingereicht werden, womit das formelle Prüfverfahren beginnt. Dieser Schritt signalisiert eine selbstbewusste Offensive der rechten Partei und richtet sich direkt gegen die derzeitige Bewirtschaftung der Ressourcen des Kantons. Indem die SVP fast 30 Prozent mehr Unterschriften als nötig gesammelt hat, sendet sie eine klare Botschaft: Die Wählerschaft hört zu, und die Forderung nach drastischen Massnahmen zur Verfügbarkeit von Wohnraum wird lauter. Die politische Maschinerie in Zürich muss sich nun auf einen umkämpften Streit darüber einstellen, wer die Stadt sein Zuhause nennen darf.

Der Auslöser bei zehn Millionen

Im Zentrum der Initiative steht eine strikte demografische Schwelle: zehn Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Derzeit leben in der Schweiz rund 9,1 Millionen Menschen, doch die SVP sichert die Zugänge bereits gegen künftiges Wachstum ab. Der Initiativtext stellt ein klares Ultimatum: Sollte die Bevölkerungszahl der Schweiz vor 2050 auf zehn Millionen steigen, würden im Kanton Zürich sofort weitreichende Vorrangregeln in Kraft treten.

Gemäss den vorgeschlagenen Massnahmen würde die freie Zuteilung von Mietwohnungen an neu Zuziehende faktisch enden. Vermieterinnen und Vermieter wären gesetzlich verpflichtet, zwei bestimmten Gruppen den Vorzug zu geben: Schweizer Staatsangehörigen und Personen, die seit mindestens zehn Jahren im Kanton Zürich leben. Diese Politik nach dem Motto «Einheimische zuerst» soll langjährige Einwohnerinnen und Einwohner vor dem Druck einer rasch wachsenden Bevölkerung schützen. Sie ist als Schutzmassnahme gedacht, damit die ansässige Bevölkerung nicht durch jene Nachfrage verdrängt wird, die die SVP dem Zuzug aus dem Ausland zuschreibt, während das Land wächst.

Kampf gegen den «Betondschungel»

Die SVP zieht gegenüber der üblichen Lösung der Bauwirtschaft eine klare Grenze. Während Wirtschaftsverbände angesichts der stark steigenden Nachfrage mehr Bautätigkeit fordern, argumentiert die Volkspartei, die Schweiz sei bereits gefährlich «überbaut». Ihre Haltung ist eindeutig: Mehr Beton zu giessen, sei keine Antwort auf eine Krise, die ihrer Ansicht nach von aussen kommt.

Die Partei bringt die Wohnungsnot ausdrücklich mit der Nachfrage aus dem Ausland in Verbindung und weist die Vorstellung zurück, der Kanton könne die Knappheit einfach durch mehr Bauen überwinden. Indem sie die Debatte auf die Zuwanderung statt auf Lieferketten ausrichtet, stellt sie die wirtschaftliche Lehrmeinung infrage, die für Verdichtung und Expansion eintritt. Die Initiative vertritt die Ansicht, dass der Schutz der Schweizer Landschaft ebenso wichtig ist wie die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum. Damit entsteht ein deutlicher Gegensatz zwischen dem auf Erhalt ausgerichteten Ansatz der SVP und den auf Wachstum ausgerichteten Strategien von Bauunternehmen und gemässigten Ökonominnen und Ökonomen.

Die Wohnungsnot in Zürich verschärft sich

Dieser politische Vorstoss kommt in einer Stadt, die sich den zweifelhaften Titel als «Welthauptstadt der Wohnungsnot» verdient hat. Zürich kämpft derzeit mit einer Leerwohnungsziffer nahe null, was für alle, die eine Unterkunft suchen, ein hartes Umfeld schafft. Neuankömmlinge müssen sich oft mit den «Resten» des Wohnungsmarkts zufriedengeben, während langjährige Einwohnerinnen und Einwohner eine Kündigung oder Mietzinserhöhungen befürchten.

Der Zeitpunkt der SVP-Initiative nutzt diese spürbare Verunsicherung aus. Da der Wohnungsmarkt unter chronischer Unterversorgung leidet, findet das Versprechen eines bevorzugten Zugangs bei frustrierten Einheimischen Anklang, die es leid sind, bei Besichtigungsterminen in Schlangen anzustehen, die um den Häuserblock reichen. Bis zur Umsetzung ist es für die Initiative noch ein langer Weg, doch schon ihre Existenz macht die tiefen Bruchlinien in der Zürcher Gesellschaft sichtbar. Die Stadt ringt darum, ihren wirtschaftlichen Erfolg und ihre Attraktivität mit dem grundlegenden Bedürfnis der ansässigen Bevölkerung nach einem Dach über dem Kopf in Einklang zu bringen.