Gesundheit
Zürich verlängert Cannabisversuch, legale Verkäufe übersteigen 750 kg
Der Stadtrat will das Cannabis-Abgabeprogramm nach einem erfolgreichen Pilotprojekt mit 2’300 Teilnehmenden bis 2028 verlängern. Dadurch wurden dem Schwarzmarkt 7,5 Millionen Franken entzogen.

Zürich führt sein Experiment mit legalem Cannabis nicht einfach weiter, sondern baut es kräftig aus. Mit einem wegweisenden Schritt, der das grosse Vertrauen in das Projekt «Züri-Can» signalisiert, hat der Stadtrat offiziell eine Verlängerung des Pilotprojekts bis 2028 beantragt. Die Zahlen, die diesem Entscheid zugrunde liegen, sprechen eine klare Sprache. Die Konsumentinnen und Konsumenten haben bereits beeindruckende 750 Kilogramm reguliertes Cannabis gekauft. Das zeigt, dass die Nachfrage nach einer legalen und sicheren Alternative nicht nur vorhanden, sondern überwältigend ist.
Ursprünglich sollte das Projekt 2026 enden. Die Verlängerung um zwei Jahre markiert einen entscheidenden Wandel bei der Umsetzung der Schweizer Drogenpolitik. Mit derzeit mehr als 2’300 Teilnehmenden geht die Stadt über eine vorsichtige Testphase hinaus und tritt in eine solide Betriebsphase ein. Dies ist kein Randexperiment mehr, sondern ein funktionierender Parallelmarkt, über den bereits 88’000 einzelne Verkaufstransaktionen abgewickelt wurden. Mit der Verlängerung bis 2028 erklärt Zürich de facto, dass das regulierte Modell nicht nur tragfähig, sondern auch unerlässlich ist, um langfristige Daten zum Konsumverhalten zu erheben. Die Stadt nutzt die Gelegenheit, ihre Rolle als Vorreiterin einer fortschrittlichen Drogenpolitik zu festigen, und lässt den Schwung dieses anfänglichen Erfolgs nicht abflauen.
Den Schwarzmarkt schwächen: 7,5 Millionen Franken umgeleitet
Das Projekt «Züri-Can» hat illegalen Händlern einen massiven finanziellen Schlag versetzt und dem Schwarzmarkt schätzungsweise 7,5 Millionen Franken direkt entzogen. Dabei handelt es sich nicht um eine theoretische Hochrechnung, sondern um echtes Geld, das kriminellen Netzwerken entzogen und in ein kontrolliertes, transparentes System gelenkt wurde. Jeder Franken dieser 7,5 Millionen steht für eine Transaktion, die ohne die Gefahren, Verunreinigungen und Gewalt stattgefunden hat, die häufig mit dem illegalen Handel verbunden sind.
Während Kritikerinnen und Kritiker oft über die moralischen Aspekte einer Legalisierung debattieren, spricht die wirtschaftliche Realität in Zürich für sich. Die Stadt hat für Konsumentinnen und Konsumenten erfolgreich einen sicheren Rahmen geschaffen, wie die bisher registrierten 88’000 legalen Verkäufe zeigen. Diese massive Verlagerung von Geldern aus dem Verborgenen in die Öffentlichkeit bestätigt die zentrale wirtschaftliche Hypothese des Pilotprojekts: Wenn ein sicheres, qualitätskontrolliertes Produkt angeboten wird, wenden sich Konsumentinnen und Konsumenten von der Strassenecke der Abgabestelle zu. Die Stadt baut den lokalen illegalen Handel Stein für Stein ab und zeigt, dass Regulierung ein weit wirksameres Mittel gegen den Schwarzmarkt ist als ein Verbot.
Das demografische Profil verändern: Frauen und Gelegenheitskonsumierende ansprechen
Das Profil der Cannabiskonsumierenden in Zürich verändert sich, und die Stadt treibt diesen Wandel aktiv voran. Da die aktuelle Gruppe der Teilnehmenden die Gesamtbevölkerung nicht vollständig abbildet, lancieren die Behörden gezielte Massnahmen, um bislang unterrepräsentierte Gruppen anzusprechen, insbesondere Frauen und Gelegenheitskonsumierende. Dies ist für die wissenschaftliche Aussagekraft der Studie entscheidend. Um dies zu ermöglichen, bewilligte der Bund im Juli 2025 eine deutliche Erhöhung der Obergrenze für Teilnehmende von 2’100 auf 3’000.
Bei dieser Erweiterung geht es um mehr als nur Zahlen, sie steht auch für eine Normalisierung. Indem das Projekt «Züri-Can» gezielt Gelegenheitskonsumierende und Frauen anspricht, rückt es vom Klischee einer von Männern dominierten Kifferkultur mit starkem Konsum ab. Ziel ist es, einen repräsentativen Querschnitt der Gesellschaft abzubilden und zu verstehen, wie sich ein regulierter Zugang auf verschiedene Bevölkerungsgruppen auswirkt. Werden diese «unsichtbaren» Konsumierenden einbezogen, können Forschende Daten zu moderaten Konsummustern erheben, die bisher ausser Acht gelassen wurden. Zürich verkauft nicht einfach Cannabis, sondern erstellt eine umfassende soziale Karte des Konsums in allen Bevölkerungsschichten der Stadt.
Der Preis des Fortschritts: Investitionen in die öffentliche Gesundheit
Zürich setzt für die Zukunft der öffentlichen Gesundheit einen Betrag von 800’000 Franken ein. Diese Investition, die zur Finanzierung der Verlängerung bis 2028 erforderlich ist, unterstreicht das Bekenntnis der Stadt zu einem wissenschaftlich fundierten Ansatz. Stadtrat Andreas Hauri hat den Auftrag klar formuliert: Im Zentrum des Projekts stehen die Gesundheit und der Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten vor den unberechenbaren Risiken des ungeregelten Marktes. Es handelt sich nicht um ein kommerzielles Vorhaben, sondern um eine Massnahme für die öffentliche Sicherheit, die unter der strengen Aufsicht der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich steht.
In einem Umfeld, in dem synthetische Cannabinoide und Verunreinigungen bei Strassendrogen weit verbreitet sind, bietet dieser staatlich geförderte Versuch einen wichtigen Schutz. Mit den 800’000 Franken kann die Psychiatrische Universitätsklinik ihre wichtige Überwachung fortsetzen und die langfristigen psychischen und körperlichen Auswirkungen des regulierten Konsums untersuchen. Indem Zürich Daten über ideologische Grundsätze stellt, erarbeitet die Stadt ein Modell für den Rest der Schweiz und möglicherweise auch für Europa. Sie setzt darauf, dass die Kosten des Versuchs im Vergleich zu den langfristigen Einsparungen im Gesundheitswesen und bei der Strafverfolgung gering sind.