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Swiss Observer

Zürich stimmt revolutionärem ÖV-Abo für einen Franken pro Tag zu

Die Zürcher Stimmberechtigten haben eine wegweisende Initiative angenommen, mit der die Kosten für ein Jahresabo des öffentlichen Verkehrs von über 800 auf 365 Franken gesenkt werden sollen. Damit ist Zürich die erste Schweizer Stadt, die ein derart erschwingliches ÖV-Angebot umsetzt.

Zürich stimmt revolutionärem ÖV-Abo für einen Franken pro Tag zu
AIThe Local Switzerland

Zürich hat ein deutliches Mandat erteilt, das in den Stadtplanungsämtern in ganz Europa für Aufsehen sorgen dürfte. Mit einem klaren Entscheid haben die Stimmberechtigten eine wegweisende Initiative angenommen, die den Preis für ein Jahresabo des öffentlichen Verkehrs auf gerade einmal 365 Franken begrenzt. Das ist nicht nur eine geringfügige Anpassung der Politik, sondern eine grundlegende Neuinterpretation des öffentlichen Zugangs zur Stadt. Mit ihrer Zustimmung zu dieser Initiative haben die Stimmberechtigten praktisch erklärt, dass Mobilität ein Recht und kein Luxus ist, und damit den Status quo des teuren Lebens in der Schweiz infrage gestellt.

Die Bedeutung dieser Abstimmung lässt sich kaum überschätzen. Als erste Schweizer Stadt, die ein derart ehrgeiziges Modell für erschwingliche Preise vorantreibt, betritt Zürich Neuland. Der Entscheid bedeutet eine deutliche Abkehr von herkömmlichen Preisstrukturen und läutet eine neue Ära ein, in der das ZVV-Netz zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten für breite Bevölkerungskreise zugänglich wird. Die Bevölkerung hat sich unmissverständlich geäussert: Die Zeit überhöhter ÖV-Gebühren ist vorbei.

Kosten senken: Die Wirtschaftlichkeit des 365-Franken-Abos

Die finanziellen Auswirkungen für die Einwohnerinnen und Einwohner sind enorm. Pendlerinnen und Pendler müssen derzeit Jahresabonnementkosten von über 800 Franken stemmen, ein erheblicher Posten in jedem Haushaltsbudget. Die neue Initiative senkt diesen Preis um mehr als die Hälfte auf einen Pauschalpreis von 365 Franken. Das entspricht genau einem Franken pro Tag, einer psychologischen und finanziellen Schwelle, die den öffentlichen Verkehr von einer sorgfältig abzuwägenden Ausgabe zu einem mühelos nutzbaren Alltagsangebot macht.

Diese drastische Preissenkung bedeutet eine massive Rückverlagerung von Wert zugunsten der Pendlerinnen und Pendler. Kritikerinnen und Kritiker mögen die Auswirkungen auf die Einnahmen infrage stellen, doch der enorme Rabatt soll einen starken Anstieg der Fahrgastzahlen bewirken. Indem Zürich die finanzielle Einstiegshürde beseitigt, setzt die Stadt darauf, dass die grössere Nachfrage den Rückgang der Einnahmen pro Fahrt ausgleicht. Für die durchschnittliche Einwohnerin und den durchschnittlichen Einwohner ist die Rechnung jedoch einfach und unmittelbar: Hunderte Franken bleiben im Portemonnaie und sorgen in einer teuren Wirtschaftslage für eine spürbare Entlastung.

Die Umsetzung planen: Von der Abstimmung bis zum Einsteigen

Der Sieg an der Urne ist zwar eindeutig, doch nun steht die praktische Umsetzung im Mittelpunkt. Die Stadtbehörden arbeiten derzeit mit Hochdruck an den komplexen Einzelheiten eines Plans, der den politischen Willen in die Praxis überführen muss. Der Übergang von einer komplexen, teuren Tarifstruktur zu einem vereinfachten Modell für einen Franken pro Tag ist mit technischen und bürokratischen Hürden verbunden. Das ZVV-Netz muss nun seine Ticketingsysteme, Entwertungsprozesse und Subventionsmodelle an diesen grundlegenden Wandel anpassen.

Die Zeit drängt. Die Öffentlichkeit erwartet eine sofortige Umsetzung, doch die Verwaltungsmaschinerie geht mit der für die Schweiz typischen Vorsicht vor. Offen ist weiterhin, wie die Stadt die Finanzierungslücke überbrücken will und wann genau das erste 365-Franken-Abo ausgegeben wird. Die Behörden stehen unter enormem Druck, einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten und sicherzustellen, dass die Infrastruktur den erwarteten Anstieg der Fahrgastzahlen bewältigen kann, ohne die Effizienz zu beeinträchtigen, für die Zürich bekannt ist.

Nachhaltigkeit fördern: Ein Modell für die Schweiz?

Mit diesem mutigen Schritt nach vorn positioniert sich Zürich klar an der Spitze eines nachhaltigen Stadtlebens. Indem der öffentliche Verkehr aussergewöhnlich günstig wird, sagt die Stadt dem privaten Autoverkehr direkt den Kampf an. Das ist ein entscheidender Schritt im Kampf gegen Verkehrsüberlastung und CO₂-Emissionen in den Städten. Wenn das Vorhaben gelingt, wird Zürich nicht nur die eigene Luft sauberer machen, sondern auch anderen grossen Schweizer Städten wie Genf und Bern als Vorbild dienen. Sie verfolgen die Entwicklung aufmerksam.

Viel steht auf dem Spiel. Dieses Experiment wird zeigen, ob starke Preisvergünstigungen das Pendlerverhalten in einem wohlhabenden Land dauerhaft verändern können. Sollte sich das «Zürcher Modell» bewähren, könnte es in der ganzen Eidgenossenschaft eine Kettenreaktion auslösen und die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs landesweit neu definieren. Zürich hat den Funken gezündet. Nun wartet der Rest der Schweiz darauf, ob der Aufschwung des erschwinglichen öffentlichen Verkehrs die nationale Landschaft verändern wird.