Schweiz
Bis zu 580 Medizintechnik-Stellen in Winterthur gefährdet
Zimmer Biomet erwägt, im Rahmen einer Umstrukturierung der Produktion bis zu 580 der 730 Stellen an seinem Standort in Winterthur abzubauen. Das Konsultationsverfahren hat begonnen. Die Kürzungen sind somit noch nicht endgültig, doch der Vorschlag wäre ein schwerer Schlag für die Medizintechnik-Belegschaft der Region.

Bis zu 580 Stellen an einem Standort mit 730 Beschäftigten sind nun gefährdet. Zimmer Biomet gab am Mittwoch bekannt, dass das Unternehmen im Rahmen einer Umstrukturierung seiner Produktionsbetriebe einen umfangreichen Stellenabbau in seiner Produktionsstätte in Winterthur erwägt.
Der Vorschlag stellt nahezu vier von fünf Stellen am Standort im Nordosten des Kantons Zürich infrage. Das Ausmass des möglichen Abbaus macht die Ankündigung für Winterthur bedeutsam, eine Stadt mit langer Industriegeschichte und einer etablierten Medizintechnik-Belegschaft.
Die Beschäftigten erhielten diese Woche die Nachricht, wie Keystone-SDA berichtet. Das Unternehmen betonte, dass der Plan noch nicht genehmigt sei. Ein Konsultationsverfahren hat begonnen, und die endgültige Zahl der Entlassungen könnte sich ändern, bevor Zimmer Biomet einen Entscheid trifft.
Die Ankündigung beziffert vorerst das Ausmass der Gefahr, stellt aber noch kein endgültiges Ergebnis dar. Zudem rückt sie den Standort Winterthur ins Zentrum einer Überprüfung der Produktion durch ein US-amerikanisches Medizintechnikunternehmen, dessen Geschäftstätigkeit und historische Wurzeln bis in die Schweizer Medizintechnikbranche zurückreichen. Die nächsten Schritte hängen vom Konsultationsverfahren und den Umstrukturierungsplänen des Unternehmens ab.
Beschäftigte treten in ein Konsultationsverfahren zu den geplanten Kürzungen ein
Wegen des Konsultationsverfahrens können die vorgeschlagenen Kürzungen noch geändert werden. Eine Sprecherin von Zimmer Biomet sagte der Nachrichtenagentur AWP, die Stellenverluste seien noch nicht endgültig und die Konsultationen hätten gerade erst begonnen.
Dieser Unterschied ist im Rahmen der Schweizer Beschäftigungspraxis wichtig. Beschäftigte und ihre Vertretungen haben die Möglichkeit, auf einen vorgeschlagenen Massenabbau zu reagieren, während das Unternehmen Alternativen und die Folgen seiner Produktionspläne prüft. Aus den verfügbaren Informationen geht weder ein Zeitplan für das Konsultationsverfahren noch hervor, welche Abteilungen genau betroffen sind oder ob Versetzungen und andere Massnahmen erwogen werden.
Zimmer Biomet hat den Schritt als Umstrukturierung der Produktion bezeichnet. Das Unternehmen hat im zitierten Bericht nicht öffentlich dargelegt, welche Produktionsaktivitäten es verlagern, zusammenlegen oder einstellen will. Solange diese Angaben fehlen, bleibt die genannte Zahl ein Höchstwert des Vorschlags und keine bestätigte Gesamtzahl.
Das Verfahren wird zeigen, ob der endgültige Abbau 580 Stellen erreicht, darunter liegt oder eine andere Form annimmt. Die Beschäftigten am Standort stehen nun während der Gespräche mit dem Unternehmen vor einer Phase der Unsicherheit.
Geplante Umstrukturierung reicht tief in Winterthurs Industriegeschichte zurück
Der Standort Winterthur ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Besitz von Zimmer Biomet und hat eine noch viel längere industrielle Geschichte. Der US-Konzern besitzt die Anlage seit 2003, als er Centerpulse übernahm.
Centerpulse selbst ging aus der früheren Medizintechnik-Sparte des Sulzer-Konzerns hervor, einem bedeutenden Namen in der Industriegeschichte Winterthurs. Das Unternehmen war für künstliche Knie- und Hüftgelenke bekannt. Diese Produkte trugen dazu bei, die Verbindung der Region zur orthopädischen Fertigung zu begründen.
Die Managerin von Zimmer Biomet, Elizabeth Gauthier, würdigte die Bedeutung des Standorts in einer von Keystone-SDA zitierten Stellungnahme. Sie verwies auf dessen langjährige Tradition und den Beitrag des lokalen Teams. Die Äusserungen des Unternehmens stellen die geplante Umstrukturierung in den Kontext einer Geschichte, die über die Zeit des heutigen Besitzers hinausreicht.
Die Anlage in Winterthur ist somit Teil eines globalen Medizintechnikkonzerns und zugleich einer lokalen Industriegeschichte. Die zitierten Berichte enthalten keine Angaben zu den aktuellen Produktlinien, Produktionsmengen oder der geplanten künftigen Rolle des Standorts. Diese Fragen werden zentral sein, wenn Zimmer Biomet die Umstrukturierung erläutert und die Beschäftigten konsultiert.
Winterthur wartet auf den nächsten Entscheid
Die Folgen werden einen konzentrierten Teil der Schweizer Medizintechnik-Belegschaft betreffen. Die Ankündigung von Zimmer Biomet zu Winterthur erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Hersteller von Geräten, Implantaten und anderen Gesundheitsprodukten ihre Produktionsentscheidungen auf internationalen Märkten treffen.
Im verfügbaren Bericht werden weder die Gründe des Unternehmens für die Auswahl Winterthurs genannt noch wird gesagt, ob die geplanten Kürzungen durch Neueinstellungen an anderen Standorten ausgeglichen würden. Ebenso wenig steht fest, wie viele Beschäftigte letztlich ihre Stelle verlieren würden. Diese Fakten dürften sich aus dem Konsultationsverfahren und einer allfälligen späteren Mitteilung des Unternehmens ergeben.
Für Winterthur und den Kanton Zürich stellt sich unmittelbar die Frage nach dem Schicksal eines Industriebetriebs mit 730 Beschäftigten. Die Geschichte der Anlage verbindet lokale Fertigungskenntnisse mit einem globalen Medizintechnikkonzern. Dadurch ist das Konsultationsverfahren auch über die Werkstore hinaus von Bedeutung.
Die Beschäftigten und die regionalen Behörden werden die nächsten Schritte verfolgen: den Zeitplan des Konsultationsverfahrens, mögliche Alternativen zu Entlassungen und den Entscheid von Zimmer Biomet zur Produktion. Bis dahin signalisiert die Ankündigung des Unternehmens einen möglichen Wandel an einem etablierten Medizintechnik-Arbeitsplatz in Winterthur, nicht aber eine vollzogene Schliessung oder ein endgültiges Entlassungsprogramm.