Kultur
Junge Balletttalente treten beim Prix de Lausanne an
Der 53. Prix de Lausanne begrüsst 85 junge Tänzerinnen und Tänzer aus 23 Ländern zu einem renommierten internationalen Ballettwettbewerb.

Die weltweit besten jungen Balletttalente sind in der Schweiz zusammengekommen und machen Lausanne zum Zentrum des internationalen Tanzes. Der 53. Prix de Lausanne hat offiziell begonnen und bringt insgesamt 85 junge Tänzerinnen und Tänzer aus 23 Ländern zusammen. Es geht dabei um weit mehr als eine Aufführung: Vom 2. bis 9. Februar wird mit grosser Intensität um die Zukunft des Tanzes gerungen. In der Stadt herrscht eine elektrisierende Stimmung, während sich diese zwischen 15 und 18 Jahre alten Ausnahmetalente darauf vorbereiten, ihre jahrelange, harte Ausbildung auf einer der renommiertesten Bühnen der Welt zu präsentieren.
Die Schweiz behauptet sich als kulturelle Gastgeberin und bietet die Bühne, auf der Karrieren entstehen oder scheitern. Die grosse Vielfalt der Teilnehmenden unterstreicht das weltweite Ansehen des Prix. Von Asien bis Amerika sind die Besten der Besten mit einem einzigen Ziel angereist: die Jury zu beeindrucken und sich ihre Zukunft zu sichern. Der Wettbewerb ist hart, die Anforderungen sind hoch, und in der kommenden Woche richtet die gesamte Ballettwelt ihren Blick auf Lausanne.
Ein gnadenloses Auswahlverfahren
Schon die Bühne in Lausanne zu erreichen, ist ein eigener Sieg, den nur die absolute Elite erringt. Das Auswahlverfahren war gnadenlos. Von insgesamt 445 Personen, die ein Video eingereicht hatten, schafften es nur 85 Kandidatinnen und Kandidaten durch die Auswahl und dürfen persönlich antreten. Durch diese drastische Reduktion erlebt das Publikum ausschliesslich höchste technische Fertigkeit und künstlerischen Ausdruck. Das Geschlechterverhältnis ist nahezu ausgeglichen: 43 Mädchen und 41 Jungen treten an, darunter herausragende Talente wie Yve-Noelle Bollinger, und kämpfen um den Erfolg.
Diese Zahlen zeigen, wie hart umkämpft die moderne Ballettszene ist. Zu den wenigen Auserwählten zu gehören, erfordert nicht nur Talent, sondern auch unerschütterliche Hingabe, die Amateure von Profis unterscheidet. Die Videoauswahl ist eine strenge Hürde, an der Hunderte Hoffnungsvolle ausscheiden. Nun müssen die Verbliebenen beweisen, dass sie ihr digitales Versprechen auf der Bühne in körperliche Perfektion umsetzen können, im unerbittlichen Scheinwerferlicht.
Schweizer Wurzeln auf der Weltbühne
Unter den internationalen Teilnehmenden sticht die Geschichte der 15-jährigen Yve-Noelle Bollinger als eindrücklicher Beleg ihrer Schweizer Wurzeln hervor. Bollinger besitzt die Schweizer und die australische Staatsbürgerschaft und lebt in Southport, Australien. Für den Wettbewerb ist sie in das Heimatland ihres Vaters zurückgekehrt. Ihre Teilnahme ist mehr als beruflicher Ehrgeiz, sie ist zutiefst persönlich. «Es war mein Traum, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Ich verfolge den Prix schon seit so vielen Jahren», erklärte Bollinger. Ihre Auswahl mache einen Lebenstraum wahr.
Für Bollinger, die Tochter eines Zürcher Fotografen und einer neuseeländischen Tänzerin, ist der Prix eine Heimkehr. «Meine ganze Schweizer Familie kommt, um mich tanzen zu sehen», sagte sie und machte deutlich, wie viel Gefühl mit ihrem Auftritt verbunden ist. Ihre Reise aus Australien zurück in die Schweiz veranschaulicht die Anziehungskraft des Prix de Lausanne. Hier treffen persönliche Geschichte und berufliche Zukunft auf besondere Weise aufeinander. Das verleiht dem Wettbewerb eine zusätzliche emotionale Tiefe, neben der von der Jury geforderten technischen Perfektion.
Der Kampf um die letzten 20 Finalplätze
Der Höhepunkt am Samstag rückt näher. Der Druck steigt, während die 85 Teilnehmenden um einen der nur 20 begehrten Plätze im Finale kämpfen. Es steht sehr viel auf dem Spiel: Die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten Stipendien bei den renommiertesten Tanzkompanien und Schulen der Welt. Der Wettbewerb ist ein aussergewöhnlicher Karrierebeschleuniger, ein goldenes Ticket, das ihnen Jahre des Kampfes in der Branche ersparen kann.
Für die meisten dieser Tänzerinnen und Tänzer ist diese Woche der Höhepunkt ihrer bisherigen jungen Laufbahn. Zwischen dem Einzug ins Finale und der Heimreise mit leeren Händen liegt nur ein hauchdünner Unterschied. Im Verlauf der Woche wird die Spannung im Theater ihren Höhepunkt erreichen. Die Schweiz beherbergt derzeit die künftigen Stars der Ballettwelt, und bis Sonntag wird sich zeigen, wer von diesen jungen Talenten den nötigen Biss hat, um den Sprung vom Potenzial zur professionellen Karriere zu schaffen.