Gesundheit
WHO-Labornetzwerk steht nach Rückzug der USA vor einer Krise
Die in Genf ansässige WHO warnt, dass ihr wichtiges Labor-Netzwerk für Masern und Röteln ohne Ersatzfinanzierung für den US-Beitrag vor dem Zusammenbruch steht

Das wichtige Globale Masern- und Röteln-Labor-Netzwerk der Weltgesundheitsorganisation (Gremlin) steckt nach dem Rückzug der Unterstützung durch die Vereinigten Staaten in einer beispiellosen Krise. Das in Genf ansässige, unverzichtbare Netzwerk umfasst weltweit 760 Labors und verarbeitet jährlich rund 500'000 Patientenproben. Es bildet die erste Verteidigungslinie gegen Ausbrüche von Infektionskrankheiten. Ein möglicher Zusammenbruch des Netzwerks bedroht die globale Gesundheitssicherheit und die Fähigkeit zur Krankheitsüberwachung.
Auswirkungen und Bedeutung des Netzwerks
Das Gremlin-Netzwerk bildet das Rückgrat der globalen Krankheitsüberwachung und geht weit über seinen ursprünglichen Schwerpunkt auf Masern und Röteln hinaus. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Erkennung verschiedener Infektionsgefahren, darunter SARS-CoV-2, das Respiratorische Synzytial-Virus, Rotavirus, Dengue sowie neu auftretende Krankheiten wie Mpox und Ebola. Der kontinuierliche Betrieb des Netzwerks hat sich als unverzichtbar für Frühwarnungen und rasche Reaktionen auf mögliche Pandemien erwiesen.
Finanzierungsschwierigkeiten
Für den Betrieb des Netzwerks sind jährlich rund 8 Millionen Dollar (7,1 Millionen Franken) erforderlich. Die Vereinigten Staaten, zuvor der grösste Geldgeber der WHO mit Beiträgen von 1,3 Milliarden Dollar in den Jahren 2022 bis 2023, spielten eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung dieser wichtigen Infrastruktur. Der plötzliche Rückzug der US-Unterstützung hat dringenden Bedarf an alternativen Finanzierungsquellen geschaffen, um den Zusammenbruch des Netzwerks zu verhindern.
Auswirkungen auf die globale Gesundheit
Ein möglicher Zusammenbruch des Gremlin-Netzwerks birgt erhebliche Risiken für die globale Gesundheitssicherheit. Ein aktueller Masernausbruch in Texas, von dem 124 Personen betroffen sind und der zu 18 Spitaleinweisungen geführt hat, zeigt die unmittelbaren Folgen geschwächter Überwachungssysteme. Die Rolle des Netzwerks bei der Erkennung und Überwachung verschiedener Infektionskrankheiten macht es entscheidend für die Prävention und Bekämpfung internationaler Gesundheitsnotfälle.
Die Schweizer Perspektive
Als Gastland des WHO-Hauptsitzes nimmt die Schweiz in dieser Krise eine besondere Stellung ein. Die Situation erhöht den Druck auf das Internationale Genf, insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Schweizer Budgetkürzungen bei internationalen Organisationen. Ein möglicher Zusammenbruch dieses wichtigen, in Genf ansässigen Netzwerks könnte die Rolle der Schweiz als globales Gesundheitszentrum und ihr Engagement für die internationale Zusammenarbeit im Bereich der öffentlichen Gesundheit beeinträchtigen.