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Swiss Observer

WHO-Studie: Die globale Einsamkeitskrise hat einen Schweizer Bezug

Die in Genf ansässige WHO legt offen, dass weltweit jeder sechste Mensch von Einsamkeit betroffen ist, mit erheblichen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen

WHO-Studie: Die globale Einsamkeitskrise hat einen Schweizer Bezug
AISWI swissinfo.ch

In einer bahnbrechenden Studie der in Genf ansässigen Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben Forschende eine erschreckende globale Krise aufgedeckt: Weltweit ist jeder sechste Mensch von Einsamkeit betroffen. Diese umfassende Untersuchung, die von einer spezialisierten WHO-Kommission für soziale Beziehungen durchgeführt wurde, zeigt die weitreichenden Folgen dessen auf, was Fachleute inzwischen als bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit betrachten.

Gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen

Die Ergebnisse der WHO-Kommission zeichnen ein besorgniserregendes Bild der Auswirkungen von Einsamkeit auf die öffentliche Gesundheit. Die Studie zeigt, dass soziale Isolation und Einsamkeit weltweit jährlich zu rund 871 000 Todesfällen beitragen. Die gesundheitlichen Folgen sind schwerwiegend und umfassen ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte, Diabetes, Depressionen, Angstzustände und Suizid. Auch die wirtschaftliche Belastung ist erheblich: Einsame Erwachsene haben Mühe, ihre Beschäftigung aufrechtzuerhalten, und einsame Jugendliche weisen eine um 22 % höhere Wahrscheinlichkeit auf, schulisch schlechter abzuschneiden.

Herausforderungen im digitalen Zeitalter

Die Studie zeigt auf, wie moderne digitale Technologien zwar Menschen virtuell miteinander verbinden, gleichzeitig aber zur Isolation im wirklichen Leben beitragen können. Der Co-Vorsitzende der WHO-Kommission, Vivek Murthy, betont, dass sich die menschliche Kommunikation über Tausende von Jahren so entwickelt hat, dass entscheidende Elemente wie Gesichtsausdrücke, Körpersprache und Stimmlage dazugehören. Diese Aspekte gehen bei digitaler Interaktion oft verloren. Dem Bericht zufolge erleben einer von vier Jugendlichen und einer von drei älteren Erwachsenen soziale Isolation. Dabei spielt auch die Nutzung digitaler Technologien eine wichtige Rolle.

Das schwedische Modell als Lösungsansatz

Schweden erweist sich als Vorreiter im Kampf gegen Einsamkeit und setzt eine nationale Strategie um, die anderen Ländern als Vorbild dienen könnte. Zu den innovativen Massnahmen des Landes gehören Aktivitätskarten für Jugendliche, Einschränkungen der Handynutzung an Schulen und gemeinschaftsbasierte Initiativen, die soziale Kontakte fördern. Der schwedische Sozialminister Jakob Forssmed betont, dass Einsamkeit nicht nur ein individuelles Problem, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung ist, die gemeinsames Handeln erfordert.

Schweizer Kontext und Rolle der WHO

Die Führungsrolle der in Genf ansässigen WHO bei der Bewältigung dieser globalen Krise unterstreicht die entscheidende Rolle der Schweiz bei internationalen Initiativen im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Von ihrem Hauptsitz in Genf aus koordiniert die WHO weltweite Bemühungen zur Bekämpfung der Einsamkeit und bringt Fachwissen und Forschung aus aller Welt zusammen. Dadurch kann die Schweiz als wichtiger Knotenpunkt für die Entwicklung und Umsetzung von Lösungen für diese weltweite Herausforderung dienen.